Montag, 24. Dezember 2018 19:45 Uhr

Weihnachten bei Alfred Biolek und Sohn Scott

Alfred Biolek ist einer der wenigen letzten großen Dinosaurier aus der Hoch-Zeit des deutschen Fernsehens. Seit über 25 Jahren hat der Entertainer, der mit seinen großen und kleinen Shows deutsche Fernsehgeschichte geschrieben hat, mit Scott Ritchie-Biolek (49) einen engagierten Ziehsohn zur Seite. 2014 hatte Biolek den gebürtigen Briten adoptiert.

Wir haben mit Scott geplaudert über das Kennenlernen, Weihnachten mit seinen Vater, schottische Traditionen – und noch viel mehr…

Weihnachten bei Alfred Biolek und Sohn Scott

Alfred und Scott im Dezember 2018. Foto: VVG Köln

Vor fast 25 Jahren habt ihr Euch kennengelernt. Wann und warum bist Du nach Deutschland gekommen?
Ich habe Alfred 1991 in London kennengelernt, durch seinen damaligen Lebenspartner Keith. Nach einigen Monaten bin ich dann nach Köln gezogen, der Grund dafür war meine Beziehung zu Keith.

Was ist Alfred Biolek für dich – außer die große deutsche Fernsehlegende?
Erstmal war Alfred für mich einfach Alfred. Ich kam nach Deutschland, ohne zu wissen, dass er eine „deutsche Fernsehlegende“ ist. Ich sprach kein Wort Deutsch, sah die Boulevard Bio-Sendungen, ohne zu wissen, welche berühmte Gäste dabei waren – Dame Edna Everage kannte ich natürlich (lacht). Die ganze Aufregung um seine Person konnte ich erst viel später einordnen.

Scott, warum hast Du Dich adoptieren lassen?
Die Adoption war für uns beide ein Prozess über mehrere Monaten nach Alfreds Unfall 2010. Kurz nachdem wir uns kennengelernt hatten, habe ich mal gesagt „wenn Du alt bist, werde ich dich im Rollstuhl am Rhein entlang fahren“. Auch wenn er keinen Rollstuhl braucht, bin ich hier und sorge für ihn im Alter. Er ist der Vater, den ich mir gewünscht habe – wenn man das so sagen kann.

Weihnachten bei Alfred Biolek und Sohn Scott

Foto: privat

Was ist der Unterschied zwischen den Weihnachtsfeierlichkeiten in Deiner schottischen Heimat und den deutschen?
Meine schottische Heimat ist weniger präsent für mich als meine zweite Heimat Australien. Zu Hause in Perth gibt es an Weihnachten ein BBQ und Bier, danach gehen wir an den Strand – das machen wir in Köln nicht.

Wie dürfen wir uns die Weihnachtsfeiertage bei den Bioleks vorstellen?
Mal chaotisch, aufgeregt, aber dann auch viel Ruhe. Die Weihnachtsfeiertage fangen wir ganz in Ruhe an, erstmal frühstücken und den Tagesablauf besprechen: kommt Besuch? Sind wir bei Freunden eingeladen? Was wird gekocht? usw.
Das Weihnachtsbaumschmücken habe ich alleine für mich, Alfred kommt immer erst zum Schluss rüber und gibt seine Änderungswünsche dazu (lacht). Enge Freunde kommen am Heiligabend zum Essen und am zweiten Weihnachtstag sind wir immer bei Freunden eingeladen.

Wer steht in der Küche?
Beide stehen in der Küche, ich kümmere mich um das Hauptgericht: Rehrücken weihnachtlich, Rezept von AB natürlich, Alfred ist immer zuständig für die Serviettenknödel nach einem Rezepte von Mama Biolek, es darf nur mit ein Faden geschnitten werden, kein Messer (lacht). Für unsere Gäste ist das köstliche Sößchen das Wichtigste, glaube ich. Die Vorspeise wird immer von Freunden vorbereitet und mitgebracht, wieder mal ein Biolek-Rezept: Gravel Lachs mit Senf/Dill Sauce. Also, es gibt einiges zu tun.

Bringst Du auch schottische Tradition mit ein?
Wenn schottische Tradition eingebracht wird, dann wie in den vergangenen Jahren: bei größeren Weihnachtsfeiern habe ich ein Schottenrock tragen (grinst). Und Christmas Crackers habe ich eingeführt, das ist eine Art Knall-Bonbon wie es so ähnlich in Deutschland zu Silvester verwendet wird. Nur in den Christmas Crackers gibt es einen Zettel mit einem doofen Spruch oder Witz, den niemand witzig findet ausser mir (englischer Humor halt). Dazu ein Mini-Geschenk wie ein Schlüsselanhänger und solcher Kleinkram. Aber das beste sind die Papierkronen in bunten Farben, symbolisch für die Heiligen Drei Könige, alle Gäste müssen wenn auch nur kurz eine anziehen, dann gibt es immer etwas zu lachen.

Einsamkeit im Alter und gerade eben auch zu Weihnachten ist immer wieder ein Thema.
Ich denke das Einsamkeit in jeden Alter ein Thema ist, auch wir Singles in der Großstadt spüren die Einsamkeit, trotz der familiären Rituale zum Fest.

Was rätst Du denen, die gerne die eigene Familie vorschieben und die eigenen Eltern oder Oma und Opa aufs Wartegleis abschieben über die Feiertage?
Auch wenn mann weiter auseinander wohnt oder lebt – an Weihnachten ist es schon wichtig, dass man doch wieder zusammen kommt, auch wenn es in Familien, ob gewählt oder leiblich, nicht immer einfach ist. Ich kann nicht für andere sprechen, aber unsere Weihnachtstruppe hält seit fast 30 Jahren zusammen – durch dick und dünn.

Foto: VVG Köln

Alfred Biolek signiert Anfang Dezember 2018 in Köln die Re-Edition seines Buches „Die Rezepte meines Lebens“. Foto: WENN.com

Worüber lachst Du mit Deinem Vater Alfred am meisten?
(Alfred Biolek kommt dazwischen und ruft) „Über Fragen wie diese“.
Wir lachen viel und über vieles, aber am meisten über uns selbst – alles nicht so wichtig nehmen.

Steht Ihr noch gemeinsam in der Küche?
Das ist selten geworden, wie schon gesagt zu Weihnachten ist Alfred dabei, aber sonst nicht mehr so häufig. Er lässt gerne kochen – aber bitte nur Rezepte aus seinen eigenen Kochbüchern.

Zur Person

Scott Biolek-Ritchie wurde 1969 England geboren. Seine Verwandtschaft lebt in Scotland, aber seine direkte Familie in Australien. Aufgewachsen ist Scott in England, Schottland, Holland und Qatar. Als er 11 Jahre alt war, ist er mit den Eltern nach Australien gezogen. So oft es seine Zeit erlaubt reist er gerne nach Down Under.

Scott hat viele Jahren als Film-Ausstatter gearbeitet, u.a. im ‚Alfredissmio‘-Studio. Derzeit betreut er die Social Media Kanäle des MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln. Seit dem Unfall von Alfred Biolek im Jahr 2010, ist er hauptsächlich mit dessen Betreuung beschäftigt, was aber auch geschäftliche Projekte wie die Koch-App und das Kochbuch „Die Rezepte meines Lebens“ umfasst. Der Alltag der beiden bleibt ungewöhnlich – Presse und Öffenlichkeitsarbeit kommen automatisch dazu.

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