Werner Hansch verrät, welche Qualitäten es zum „Promi BB“-Sieg braucht

2020 gewann Werner Hansch die achte "Promi Big Brother"-Staffel. (nra/spot)
2020 gewann Werner Hansch die achte "Promi Big Brother"-Staffel. (nra/spot)

imago images/APress

06.08.2021 13:46 Uhr

Vor dem Start der neuen "Promi Big Brother"-Staffel blickt Vorjahressieger Werner Hansch auf seine Zeit in der Show zurück und hat für die neuen Kandidaten ein paar Tipps parat.

Am Freitag startet die neunte Staffel von „Promi Big Brother“ (ab 6. August, um 20:15 Uhr, täglich live in Sat.1 und auf Joyn). Drei Wochen lang werden prominente Kandidaten einmal mehr in Isolation miteinander auskommen müssen. Im vergangenen Jahr ging Werner Hansch (82) als ältester Reality-TV-Show-Gewinner überhaupt aus der Sat.1-Show hervor.

Der ehemalige Sportkommentator offenbarte damals vor laufender Kamera seine Spielsucht und gewann mit seiner Ehrlichkeit die Gunst der Zuschauer. Wie es ihm heute geht und was er den neuen Kandidaten rät, verrät er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Sie haben vor einem Jahr „Promi Big Brother“ gewonnen. Wie blicken Sie heute auf diese Zeit zurück?

Werner Hansch: Ich blicke darauf mit sehr großer Freude zurück. Es hat mir außerordentlich gefallen. Ich habe in der Zeit einen sehr guten Freund gefunden: Matthias Distel (Ikke Hüftgold) – ein wunderbarer Mensch. Wir sind gute Freunde geworden und das allein war es schon wert, dass ich da drin war.

Abgesehen von Ikke Hüftgold: Haben Sie mit den Kandidaten aus Ihrer Staffel noch Kontakt?

Hansch: Ramin Abtin habe ich bei der Spendengala zur Flutkatastrophe getroffen und viel mit ihm gequatscht. Auch mit Katy Bähm habe ich hin und wieder Kontakt. Bei Ikke bin ich regelmäßig – wir haben einen sehr guten Kontakt.

Wie ist die Freundschaft mit Ikke Hüftgold zustande gekommen?

Hansch: Direkt nach meinem Outing. Nachdem ich von meiner Spielsucht erzählt hatte, habe ich ein bisschen verändert gewirkt und Ikke hat das sofort gemerkt. Ich habe eine ganz besondere Empathie von ihm gespürt. Er hat mir auch sofort spontan Hilfe versprochen. Da war von Anfang an eine Verbindung, an die ich nie geglaubt hätte, die bis heute anhält und auch weiter halten wird.

Was hat sich seit Ihrem Gewinn für Sie geändert?

Hansch: Der Gewinn ist ja mit ein paar Euro verbunden. Das hat mir auf jeden Fall erleichtert, eine große Suchtspur einigermaßen wieder einzudämmen. Jeder Euro ist in die Schuldentilgung geflossen. Dass ich da gewinnen würde, damit konnte ich im Leben nicht rechnen. Es war ja gar nicht so einfach in meinem Alter angenommen zu werden, schließlich gibt es immer ein gewisses Risiko. Es konnte keiner wissen, wie man in meinem Alter so eine Herausforderung über vier Wochen und der einwöchigen Isolation im Hotel bewältigt.

Was war für Sie die größte Schwierigkeit bei „Promi Big Brother“?

Hansch: Ich habe mich gerne mal zum Märchenonkel gemacht oder zur Oma, die vom Wolf gefressen wurde. Das war alles Kinderkram und das hat mich überhaupt nicht gestört. Ich wusste ja, dass es da solche Spiele gibt. Außerdem wird man dabei auch wieder ein bisschen jung – das war also alles nicht so schlimm. Am schlimmsten waren aber die offenen Nominierungen. Man steht da in einem großen Kreis in der Arena und muss zwei Leuten und den Zuschauern erklären, warum man sie nicht mehr dabei haben will. Das hat mir große Bauchschmerzen bereitet und war für mich eine große Herausforderung.

Worauf sollten sich Kandidaten besonders vorbereiten?

Hansch: Die Show ist ein bisschen darauf angelegt, dass es auch etwas Zoff gibt. Schließlich sollen auch die Zuschauer unterhalten werden. Man ist völlig isoliert. Man hat keine Zeitung, keine Uhr, kein Radio – das muss man nervlich durchstehen können. Ich habe von Anfang an gesagt: „Liebe Leute, jeder will hier vermutlich gewinnen und am Ende wird es auch nur zwei geben, von denen einer gewinnen wird. Wenn wir aber alle da hinwollen, dann müssen wir Teamgeist beweisen. Dann ist es für uns alle leichter.“ Das ist uns damals überwiegend gelungen.

Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass wir in meiner gesamten Staffel eigentlich nur einmal eine etwas unangenehme verbale Auseinandersetzung hatten. Ich habe dann gesagt: „Wir möchten uns für den Teil, der Auseinandersetzung, die gestern Abend hier stattgefunden hat, ganz offiziell entschuldigen.“ Dann war alles wieder gut.

Wie gewinnt man Ihrer Meinung nach „Promi Big Brother“ – welche Eigenschaften braucht es?

Hansch: Ich weiß es nicht. Es werden am Ende wahrscheinlich immer Leute gewinnen, die ein bisschen Persönlichkeit haben, die vielleicht auch eine Geschichte haben. Warum ich am Ende gewonnen habe, werde ich niemals erfahren. Vielleicht war es doch mein Alter und die Reife. Vielleicht die Persönlichkeit hier und da und meine Ehrlichkeit. Ich vermute mal, mein Outing war sicherlich meine große Geschichte. Ich habe mir einfach diesen Ruck gegeben, obwohl ich gar nicht wusste, wie das da draußen ankommt. Ich glaube, das war für mich so ein bisschen der Weg zum Sieg, wobei ich nicht wirklich eine Strategie hatte. Ich war einfach authentisch und habe die „Hosen runtergelassen“. 

Bereuen Sie etwas aus Ihrer Zeit bei „Promi Big Brother“?

Hansch: Nicht das Mindeste. Ganz im Gegenteil: Das war in meinem Alter noch eine wirklich gewinnbringende Erfahrung. Dass ich es schaffe, über so eine lange Zeit mit unterschiedlicher Gruppenzusammensetzung so gut klarzukommen – das war für mich tatsächlich nochmal eine neue Lebenserfahrung. So spät wie es auch ist – es ist nie zu spät dafür. Ich würde ältere Menschen unbedingt auffordern, sich da zu bewegen. Dass man da gewinnen kann, habe ich ja auch gezeigt.

Würden Sie noch einmal an einem Reality-Format teilnehmen? Dem Dschungelcamp zum Beispiel?

Hansch: Ich würde es immer wieder davon abhängig machen, was mir das Format geben kann und ob ich es mit meinen eigenen Ansprüchen vereinbaren kann. Das ist für mich das Entscheidende. Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht und Geldsorgen hat, dann schaut man sich nach seinen Möglichkeiten um. Mit „Promi Big Brother“ hätte ich kein Problem, ich würde sofort wieder mitmachen. Natürlich am liebsten mit Ikke nochmal. Das hat mir wirklich großen Spaß gemacht.

Sie sind Botschafter des Fachverbands Glücksspielsucht. Ist es wichtig für Sie, offen über Ihre Geschichte zu sprechen?

Hansch: Total! Ich habe nicht eine Sekunde bereut, dass ich mich da so ausgezogen habe. Es war vollkommen alternativlos. Das war der einzige Weg, um wieder zurückzufinden und da hat mir ein guter Freund besonders geholfen. 

Was ist für Sie als nächstes geplant?

Hansch: Es wird über mich ein Buch geben – das ist auch schon fertig. Der vorläufige Arbeitstitel ist: „Einmal Hölle. Und zurück“. Es kommt Mitte August oder Anfang September raus und erzählt meine Geschichte: Die Geschichte meines Leidenswegs und wieder zurück in ein normales Leben. Es ist schwer, aber diese Geschichte gibt es und das ist auch Teil meiner eigenen Therapie. Ich bin immer noch in Therapie, auch Mitglied eines Selbsthilfekreises für Glücksspielsucht. Als Botschafter des Fachverbandes Glücksspielsucht in Bielefeld engagiere ich mich ehrenamtlich für Präventionsaufgaben. Es ist noch eine Menge Aufklärungsarbeit nötig. Am liebsten würde ich eine große Präventions-Tour für Schüler und Studenten durch Deutschland machen und über die Risiken des Glücksspiels aufklären.

Für alle Fans und Freunde von „PBB“ habe ich aber noch eine tolle Überraschung. Sie haben die Möglichkeit, mit mir parallel zur Live-Sendung kostenlos auf SAY TV zu chatten. Wir beginnen damit am 9. August. Ich freue mich auf die vielen Kommentare und Fragen.