06.08.2020 22:58 Uhr

Wiesn-Wirte stinksauer über ARD-Serie „Oktoberfest 1900“?

Erst im September ausgestrahlt, sorgt die Mini-Serie jetzt schon für Furore. In den Filmen geht es um den Kampf von Brauereien in München.

© BR/ARD Degeto/MDR/WDR/Zeitsprung Pictures GmbH/Felix Cramer

Münchner Wiesn-Wirte sind sauer über die ARD-Serie „Oktoberfest 1900″. Die Sendung wird zwar erst im September ausgestrahlt, der Festwirt Christian Schottenhamel nennt sie in der „Bild“-Zeitung aber schon jetzt „rufschädigend“.

„Auch wenn es eine fiktive Darstellung sein soll, ist diese negative Darstellung schlimm“, sagte Schottenhamel der Zeitung. „Unsere Gäste werden denken: Das ist heute auch so.“

Wiesn-Wirte stinksauer über ARD-Serie "Oktoberfest 1900"

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Kampf der Brauerei-Clans

In der Serie geht es nach ARD-Angaben um den „erbitterten Kampf zweier Brauerei-Clans um gesellschaftliche und wirtschaftliche Vormachtstellung im München des Jahres 1900“. In den Hauptrollen sind Francis Fulton-Smith und Martina Gedeck zu sehen.

Der Münchner Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) kritisierte in der Zeitung: „Ein Oktoberfest nur auf ein machtbesessenes Milieu zurückzudrehen, um Publikum zu generieren, ist total daneben. Es hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun.“ Er wolle „historisch prüfen lassen“, ob es einen Wirte-Krieg, der 1898 stattgefunden haben soll und auf dem die Handlung der Serie basieren soll, wirklich gegeben hat. „Davon ist uns hier nichts bekannt.“

Wiesn-Wirte stinksauer über ARD-Serie "Oktoberfest 1900"

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Eine fiktionale Serie

Der Produzent der Serie, Michael Souvignier, versuchte in der Zeitung, die Bedenken auszuräumen. Er betonte, es handele sich um eine fiktionale, historische Serie: „Es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen.“ Der Sprecher der Wiesn-Wirte, Peter Inselkammer, sagte der „Bild“-Zeitung, er habe sich vor den Dreharbeiten mit den Filmemachern getroffen. „Ich habe gehofft, dass durch meine Erläuterungen schlimme Darstellungen verhindert werden.“

Wiesn-Wirte stinksauer über ARD-Serie "Oktoberfest 1900"?

© BR/ARD Degeto/MDR/WDR/Zeitsprung Pictures GmbH//Stephan Pick

Darum geht’s

Vielschichtig und opulent erzählt „Oktoberfest 1900“ den Kampf zweier Bierdynastien um die Vormachtstellung auf dem größten Volksfest der Welt. Die Event-Serie entführt die Zuschauer in ein phantastisch-geheimnisvolles München um die Jahrhundertwende. An diesem Ort voller Geschichte und Geschichten entfaltet der Mehrteiler einen modernen Mythos über schicksalhafte Liebe und den unaufhaltsamen Aufstieg des Kapitalismus.

Alle Episoden enthalten zu Beginn den Hinweis, dass die Event-Serie auf wahren Begebenheiten beruht. Was an der erzählten Geschichte ist tatsächlich historisch verbürgt, was Fiktion? Und gibt es auch Mischformen bei Personen oder bestimmten Ereignissen?

Wiesn-Wirte stinksauer über ARD-Serie "Oktoberfest 1900"?

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Galerie

Die Geschichte des „Krokodil-Wirts“ Georg Lang

Dazu sagte Produzent Alexis von Wittgenstein in einer Pressemitteilung: „Als gebürtiger Münchner hat mich der Mythos Oktoberfest schon als kleiner Junge fasziniert. Unzählige Anekdoten und Legenden ranken sich um das größte Volksfest der Welt. Irgendwann verdichteten sich diese Geschichten zu der Idee, eine TV-Serie zu kreieren, die aus diesem Reichtum schöpft, aber doch eine ganz eigene Saga erzählt.“

Wiesn-Wirte stinksauer über ARD-Serie "Oktoberfest 1900"?

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Und weiter: „Besonders in ihren Bann gezogen hat meinen Mit-Produzenten Felix von Poser und mich vor allem die Geschichte des Underdogs Georg Lang. Der Nürnberger Gastro-Unternehmer mit dem vielsagenden Beinamen ‚Krokodil-Wirt‘ hatte sich zur Jahrhundertwende über Strohmänner fünf Budenplätze auf dem Oktoberfest ergaunert, um darauf ein völlig größenwahnsinniges Vorhaben zu realisieren: den Bau einer
‚Bierburg‘ für bis zu 6.000 Gäste – und das als ‚Auswärtiger‘. Ein Vorstoß, der das Antlitz des Münchner Oktoberfests nachhaltig bis heute verändert hat. Langs Bier-Hymne ‚Ein Prosit der Gemütlichkeit‘ hallt heute noch durch die Bierzelte auf dem Oktoberfest. Georg Lang diente und als Inspiration für die Figur Curt Prank, die aber ansonsten nichts gemein hat mit dem realen Georg Lang.“

© dpa-infocom, dpa:200806-99-62683/2, KT

(PV)

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