Dienstag, 3. Oktober 2017 18:29 Uhr

„Willkommen bei den Honeckers“: Martin Brambach über seine Rolle als Erich

Mit der Komödie „Willkommen bei den Honeckers“, basierend auf den Erlebnissen des heutigen Bild-Zeitungs-Reporters Mark Pittelkau, wird heute Abend um 20.15 Uhr in der ARD das wahrscheinlich aberwitzigste Kuriosum deutsch-deutscher Geschichte erzählt.

"Willkommen bei den Honeckers": Martin Brambach über seine Rolle als Erich

Foto: ARD Degeto/Fréderic Batier

Dem überaus talentierten, jungen Kellner Johann Rummel gelingt im Sommer 1993 unter Vorspiegelung nicht ganz so wahrer Tatsachen, was alle wollen: ein letztes, großes Interview mit Erich Honecker in Chile. Aber mit welchen Mitteln ist ihm das gelungen? Johann ist kein klassischer Held, dessen Handeln einem klaren moralischen Kompass folgt. Er riskiert viel und gewinnt. Gleichzeitig verliert er alles, was ihm wichtig war. Sein Verhalten wirft viele Fragen auf und lässt keine einfachen Antworten zu.

Genau deshalb ist eine filmische Auseinandersetzung mit dieser Figur über Mut, Moral und Integrität gleichermaßen Herausforderung und Reiz. Als Erich Honecker: Martin Brambach.

"Willkommen bei den Honeckers": Martin Brambach über seine Rolle als Erich

Foto: ARD Degeto/Fréderic Batier

Brambach kann mehr als nur „Tatort“

Brambach ist als Schauspieler für seine Vielseitigkeit bekannt. Seine Rolle als schwerkranker Erich Honecker war allerdings eine echte Herausforderung. Gleich in mehrfacher Hinsicht. Der Schauspieler kann viel mehr als „Tatort“. Die Liste seiner Fernseh- und Kinoproduktionen ist lang. Auch in zwei ebenso berühmten wie erfolgreichen Kinofilmen zur DDR-Geschichte, Wolfgang Beckers „Good Bye, Lenin!“ (2003) und Florian Henckel von Donnersmarcks Stasi-Thriller „Das Leben der Anderen“ (2006), war er bereits zu sehen.

Nun übernimmt der in Dresden geborene Schauspieler in „Willkommen bei den Honeckers“ die Rolle des schwerkranken ehemaligen SED-Machthabers im chilenischen Exil. Er habe keine Sekunde gezögert, die Rolle zu übernehmen, sagte Brambach der Deutschen Presse-Agentur.

"Willkommen bei den Honeckers": Martin Brambach über seine Rolle

Foto: ARD Degeto/Fréderic Batier

Haben Sie gezögert, als Ihnen die Rolle angeboten wurde?
Nein, nicht eine Sekunde. Es ist ja eine wahnsinnig spannende Geschichte, jemanden zu spielen, der 30 Jahre älter ist als man selbst, und einen, den jeder kennt. Jeder hat ja Honecker noch im Ohr, der so eine Mischung aus Saarländisch und Sächsisch gesprochen hat. Es ist schon eine tolle Rolle – ein Geschenk!

Ein Alter, der nach Strich und Faden betrogen wird

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Ein Problem war, dass mir die Rolle kurz vor Drehbeginn angeboten wurde. Das war ein bisschen knapp, um sich das Saarländisch draufzuschaffen. Und Honecker war ja zu dem Zeitpunkt, an dem die Geschichte spielt, schon sehr alt, was es nicht einfacher macht. Außerdem ist es eine ambivalente Geschichte: Er ist einerseits ein Täter, er hat die Mauer gebaut und den Schießbefehl mitzuverantworten. Aber auf der anderen Seite ist er dann auch ein alter Mensch, der nach Strich und Faden betrogen wird, dem man etwas vorspielt, was nicht stimmt. Das hat eine tragische Komponente, auch das fand ich spannend an der Geschichte.

"Willkommen bei den Honeckers": Martin Brambach über seine Rolle

Foto: ARD Degeto/Fréderic Batier

Sie sind in der DDR aufgewachsen, aber sind Sie Honecker mal selbst begegnet?
Nee, persönlich nicht. Aber ich hab‘ auch am Straßenrand gestanden in Ost-Berlin, wenn er vorbeigefahren ist, bei Staatsbesuchen zum Beispiel, und habe ihm zugewunken. Ab einem gewissen Alter hatte man natürlich einen anderen Blick darauf, da war er nicht mehr der große Staatsratsvorsitzende, sondern hatte sogar etwas Lächerliches.

Hätten Sie Lust, Honecker noch einmal zu verkörpern – den Politiker, nicht den alten Mann im Exil?
Natürlich wäre das spannend. Ich habe mich vorher eigentlich nie mit Honecker beschäftigt, das Rollenangebot ist mir ja in den Schoß gefallen. Aber ich finde das schon interessant: Wie kommt jemand dazu, so zu werden, was ist das korrumpierende Element von Macht? Das Interessante an Honecker ist ja, dass er daran geglaubt hat, was er macht. Er war sicher kein Intellektueller, aber als junger Mann ein aufrechter Antifaschist. Andererseits war er bis ins hohe Alter überzeugt davon, dass der Schießbefehl richtig war. In dem Punkt war er richtig verbohrt.

"Willkommen bei den Honeckers": Martin Brambach über seine Rolle

Foto: ARD Degeto/Fréderic Batier

Pornosammlung in Politbüro-Ghetto Wandlitz

Eine zwiespältige Persönlichkeit.
Ich habe mir zur Vorbereitung ein ARD-Interview angeguckt, um zu sehen, wie er spricht, wie er aussieht. In dem Interview hat er gefordert, dass er zu seiner Tochter nach Chile ausreisen darf. Das ist schon interessant, dass er für sich das verlangt hat, was er anderen nicht erlaubt hat. Und dass man nach der Wende bei ihm in Wandlitz eine Pornosammlung gefunden hat, das war erbärmlich.

Sind Sie zufrieden damit, wie Ihnen Honecker gelungen ist?
Ich bin sehr selbstkritisch, also selten zu 100 Prozent zufrieden. Aber mit dem Ergebnis bin ich einverstanden. Jedenfalls finde ich, dass es geglückt ist, zu zeigen, wie starrköpfig er ist, dass er ein Betonkopf ist, dass man für Momente aber auch Mitgefühl mit ihm hat. Einige werden es vielleicht zu karikaturhaft finden. Aber insgesamt finde ich relativ glaubhaft, was wir da gemacht haben.

"Willkommen bei den Honeckers": Martin Brambach über seine Rolle

Foto: ARD Degeto/Fréderic Batier

Und wie finden Sie Ihre Schauspielerkollegin Johanna Gastdorf als Margot Honecker?
Na, die finde ich großartig! Ich hatte ja Manschetten vor der Rolle: Schafft man das, so einen alten Mann darzustellen? Aber ich finde die Johanna ganz großartig in der Rolle, und sie hat mich auch wahnsinnig unterstützt.

Zur Person Martin Brambach

Martin Brambach wurde 1967 in Dresden geboren und ist zunächst in Ost-Berlin aufgewachsen, dann aber bereits fünf Jahre vor dem Mauerfall in den Westen gegangen. Der mehrfach ausgezeichnete Schauspieler („Good Bye, Lenin!“, „Tatort“ Dresden, „Der Fall Barschel“) gehört inzwischen zu den bekannten Fernsehgesichtern Deutschlands.

Interview: Andreas Heimann, dpa

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