Sonntag, 15. September 2019 17:08 Uhr

Wolfgang Joop: „Karl Lagerfeld sah aus wie meine Oma“

Foto: Starpress/Kirchwitz

Der Potsdamer Modekönig Wolfgang Joop hat ein neues Buch veröffentlicht. Darin plaudert und lästert er über illustre Zeitgenossen. So sorgt der 74-Jährige für Sprengstoff, weil er auch bislang Unbekanntes aus dem Privatleben der Joop-Familie zutage gefördert wird, was leider hier unerwähnt bleiben muss.

‚Spiegel‘-Kolumnistin Anja Rützel hat sich mit dem Maestro getroffen und dessen ausschweifenden Abhandlungen im Vorfeld der Veröffentlichung von „Die einzig mögliche Zeit“ mit beeindruckender Geduld gelauscht und dennoch – wie so oft – eine journalistische Kostbarkeit hinterlassen, die es Spaß bereitet zu lesen. Rützels liebevoll bissiges Resümee: „In einem Gespräch mit Joop fühlt man sich wie beim Binge Watching einer amüsanten, sehr personalintensiven Serie mit 20 Staffeln (plus jede Menge deleted scenes)“. Köstlich.

Wolfgang Joop: "Karl Lagerfeld sah aus wie meine Oma"

Foto: AEDT/WENN.com/Starpress

Joop offenbart in dem Dreistunden-Gespräch, dass er noch 2000 handgeschriebene Manuskriptseiten zu seinem neuen Werk übrig habe. Und bezogen auf den Verzicht von PC und Tastatur: „Ich bin Zeichner, ich brauche dieses Gefühl. Bei mir gibt es eine taktile Verbindung zwischen Stift, Zeichnung und Tisch“. Womit der intellektuelle Teil seines Daseins hier mal abgegolten wäre.

Kommen wir zu den Joopschen Lästereien, die es immer und immer wieder Vergnügen macht zu hören.

Vaters Phallus und Omas Augenhöhlen

So habe er seinen Vater als Kinde eines nachts mit erigiertem Penis über den Flur in Richtung Schlafzimmer huschen sehen, „als müsse er etwas schnell weitertragen, das gleich wie ein Frosch davonhüpfen könnte.“ Joops Kommentar zu dieser bislang noch nie erzählten Anekdote: „Diese aufgeregte Fassungslosigkeit, die Menschen haben, wenn sie kurz vor dem Geschlechtsakt sind.“

In dem ‚Spiegel‘-Interview ging es dann von dieser nächtlichen Begegnung rasch zu den Augen seiner Oma, die er gerne noch beschrieben hätte und „die immer glitzerten und in tiefen Höhlen lagen. Wie bei Karl Lagerfeld seltsamerweise, deswegen war er mir auch immer so spooky vertraut: er sah aus wie meine Oma!“ Und dann schiebt Joop noch frech nach: „Ich hab es damals nicht gewagt zu sagen, weil ich dachte, er würde es nicht hören wollen.“

Wolfgang Joop: "Karl Lagerfeld sah aus wie meine Oma"

Foto: Kindler-Verlag

Wir erinnern an dieser Stelle daran, dass ja auch Joops Kollege bekannt war durch sein loses Mundwerk. In einem interview sagte Lagerfeld  2017 über Joop: „Sein Drama ist, dass er nicht ich ist. International kennt ihn doch keiner. Er kann alles gut imitieren, aber er hat keinen eigenen Stil.“

„Die einzig mögliche Zeit“

Joop erzählt in seinem Buch, das am 17. September erscheint, von Familienfesten, die aus dem Ruder laufen, von seiner lebenshungrigen Mutter, seiner ersten Liebe – die Potsdamer Pfarrerstochter -, der bleiernen Zeit nach dem Umzug nach Braunschweig, die einer Vertreibung aus dem Paradies gleichkam. Wir erfahren von seiner Einsamkeit, davon, wie er im Internat mit selbstgezeichneten Pin-up-Girls erstes Geld verdiente… Das alles und noch viel mehr ist eine faszinierende deutsch-deutsche Geschichte und ein eindrückliches Porträt der 50er und 60er Jahre.

Das könnte Euch auch interessieren

OK

Hinweis: Durch Nutzung von klatsch-tratsch.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Mehr erfahren