30.07.2020 19:20 Uhr

#womensupportingwomen: Was steckt hinter dem neusten Instagram-Trend?

Jennifer Aniston, Claudia Schiffer, Jennifer Lopez, Nicole Scherzinger – viele Frauen posten auf Instagram gerade Schwarz-Weiß-Fotos von sich mit dem Hashtag #womensupportingwomen. Dabei geht es um Frauenpower, gegenseitigen Support aber auch um Politik.

shutterstock/sergey causelove

Einfach mal einer anderer Frau Bewunderung und Anerkennung schenken und sich füreinander stark machen – mit einem Foto in Schwarz-Weiß: Das ist das Ziel der neuen Instagram-Challenge „#womensupportingwomen“. Feminismus light könnte man sagen … und der Trend kommt gut an: Der Feed vieler Instagram-Nutzer ist dieser Tage voll mit Schwarz-Weiß-Fotos von Frauen, die sich für weibliches Empowerment einsetzen wollen.

Frauenpower pur: #womensupportingwomen

Die Posts ähneln sich alle: Ein Schwarz-Weiß-Foto von sich wird mit #challengeaccepted betitelt. Der Text wird dafür genutzt, um andere wichtige Frauen mit warmen Worten wertzuschätzen. Dazu werden weitere inspirierende Frauen nominiert, es ihnen gleich zu tun. Am Ende des Beitrags steht dann der namensgebende Hashtag #womensupportingwomen.

Knapp acht Millionen Posts lassen sich unter diesem Hashtag bereits bei Instagram finden. Auch Hollywood-Star Jennifer Aniston (51) hat bei der Challenge mitgemacht. Im Kommentar gibt sie zwar zu, dass sie die Herausforderung – also die Challenge „nicht ganz versteht“.

Aber: „Wer liebt keine guten Gründe, Frauen zu unterstützen! Deshalb… Herausforderung angenommen!“ Mit Michelle Pfeiffer, Gal Gadot und Lily Collins dann eben auch noch drei andere Power-Frauen zum Mitmachen nominiert – und schon ist Jen Teil vom Team #womensupportingwomen.

Quelle: instagram.com

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Von Cindy Crawford bis Motsi Mabuse

Und sie ist längst nicht die einzige Promi-Lady, die der Frauen-Power-Hype gepackt hat: Vanessa Hudgens, Natalie Portman, Pink, Vanessa Bryant, Kerry Washington, Eva Longoria, Reese Witherspoon und Cindy Crawford sind nur einige der ganz großen internationalen Namen. Aber auch in Deutschland beteiligen sich viele tolle Promi-Frauen an der Challenge – etwa Lilly Becker, Nazan Eckes, Motsi Mabuse oder Ursula Karven.

Quelle: instagram.com

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Was ist der Auslöser für #womensupportingwomen?

Darüber, was genau der Auslöser für den aktuellen Social-Media-Hype gewesen ist, gehen die Meinungen auseinander. Der erste Post zum Hashtag wurde vor anderthalb Wochen von der brasilianischen Journalistin Ana Paula Padrão abgesetzt, berichtet die „New York Times“. Das könnte den Anstoß für die Challenge gegeben haben. So richtig ins Rollen gebracht hat den Hype aber vermutlich vor allem die mutige Rede der US-Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez in der letzten Woche.

Die junge Politikerin soll von dem republikanischen Politiker Ted Yoho sexistisch beleidigt worden sein. Ihre Antwort: eine eindrucksvolle Rede im Capitol, in der sie klar stellte, dass solche Beleidigungen kein Einzelfall für sie und ihre politischen Kolleginnen seien. Sie betonte, dass „jede von uns auf irgendeine Art und Weise irgendwann in unserem Leben mit so etwas umgehen“ müsse.

Ursprung der Challenge ist hochpolitisch

Innerhalb weniger Tage wurde das Video ihrer Rede über 15 Millionen Mal angeklickt und begeistert kommentiert. Das sorgt für viel Zuspruch – und dafür, dass die Themen Feminismus und Empowerment von Frauen aktuell vermehrt auf Social Media stattfinden. In genau diesem Fahrwasser entwickelte sich auch #womensupportingwomen zum Megatrend. Nicht ganz kritiklos: Der Ursprung der Challenge gerät nämlich bei so viel prominenter und perfekt ausgeleuchteter Schwarz-Weiß-Ästhetik oft in Vergessenheit.

Die ursprüngliche Bedeutung der Monochrom-Bilder ist hochpolitisch und führt in die Türkei. Hier teilten Frauen Schwarz-Weiß-Aufnahmen misshandelter und getöteter Frauen, deren Täter kaum oder gar nicht bestraft worden waren, um auf die Themen Femizid und häusliche Gewalt aufmerksam zu machen. Unter Femiziden versteht man die geschlechtsspezifische Tötung von Frauen. Durch die Challenge sollte das Bewusstsein für die hohe Anzahl an Femiziden geschärft werden.

Quelle: instagram.com

Femizide nach wie vor an der Tagesordnung

Als Reaktion darauf wurde 2011 die sogenannte „Istanbuler Konvention“ beschlossen – ein Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, dem sich bis heute 33 Staaten angeschlossen haben. Das Abkommen ist real, das Problem aber lange noch nicht aus der Welt.

Laut der Organisation We Will Stop Femicide sind 2019 in der Türkei 430 Frauen ermordet worden. Im Jahr 2020 sollen es bislang 27 gewesen sein. Weitere 23 Fälle stuft die Organisation momentan noch als Verdachtsfälle ein. Die Dunkelziffer dürfte aber wie so oft sehr viel höher liegen.

Quelle: instagram.com

Der eigentliche Sinn von #ChallengeAccepted geht verloren

Was haben die stylishen Schwarz-Weiß-Aufnahmen noch mit dem ursprünglichen Sinn der Challenge zu tun, fragen die Kritiker. Nicht mehr viel, wenn #womensupportingwomen einfach nur als weiterer Insta-Trend mitgemacht und dann wieder vergessen wird. Die Grundidee aber geht in die richtige Richtung: Frauen bekämpfen sich nicht bis aufs Blut, sondern unterstützen sich gegenseitig. Solidarität statt Zickenkrieg. Wertschätzende Augenhöhe statt toxischer Konkurrenz. Und so tolle Power-Frauen wie Jennifer Aniston bekommen dann auch noch den Dreh ins Politische hin.

Quelle: instagram.com

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Jennifer Aniston macht die Challenge wieder politisch

Sie will mit ihrem Post nämlich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Frauenpower hört nämlich nicht im Privaten auf! Daher verknüpft die Schauspielerin ihren Challenge-Post auch gleich noch mit einem politischen Zweck: Sie ruft zur Registrierung für die US-Wahl auf: „Und wenn wir schon dabei sind […] Ermutigt all eure Freundinnen, Bekannten, Schwestern, Mütter und Töchter, das Gleiche zu tun. Die Wahl steht vor der Tür, und wir müssen aufeinander aufpassen UND einander lieben!“, so Aniston.

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