Dienstag, 20. August 2019 21:37 Uhr

Youtuber Rezo und die dämlichen Fragen von der FAZ

Foto: imago images / Sven Simon

Sein Video „Zerstörung der CDU“ hat hohe Wellen geschlagen. Jetzt greift Rezo die Medien frontal an. Ihn stört die eine oder andere Schlagzeile, aber manchmal auch, worüber Medien überhaupt berichten.

Drei Tage vor der Europawahl wurde Youtuber Rezo durch ein Video mit harter Kritik an der CDU berühmt, jetzt nimmt er sich die Medien vor.

Rezo liest keine Zeitungen

Als Gast bei dem Youtube-Kanal „Space Frogs“ zog er nun über Journalisten her, über die er sich geärgert hat. „Journalisten sind teilweise so dumm“, jammerte Rezo. Er kritisierte, dass die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ihn allen Ernstes um eine Stellungnahme zur Flugzeugnutzung von Menschen gebeten habe, die in einem seiner Videos zu sehen gewesen seien. Die Anfrage fand der gerne auf besonders intellektuell gekämmte Rezo so gar nicht nachvollziehbar. Aus seiner Sicht war es die „unnötigste Mail, die ich seit Langem erhalten habe“.

Der Deutsche Journalisten-Verband kritisierte das Rezo-Video am Dienstag zunächst, zog die entsprechende Pressemitteilung kurz darauf aber zurück. Hach Gottchen, da isser wieder der nächste Rezo-Skandal!

Rezo hat mit Print nichts am Hut

Rezo lässt in dem Video aktuelle Zeitungsausgaben durchblättern (fast sie selber gar nicht erst an) und regte sich dabei über manches auf: „Ey, wer liest das, wer kauft das, wer unterstützt das finanziell?“, fragte er angesichts der Schlagzeile einer Boulevardzeitung über gewaltbereite Flüchtlinge. Der Youtuber beschwerte sich außerdem über einen unangemeldeten Besuch von Journalisten, wunderte sich darüber, dass Tageszeitungen noch Fernsehprogramme veröffentlichen und machte sich lustig darüber, dass Boulevardzeitungen berichteten, was es bei Heidi Klums Hochzeit zu essen gab.

„Es gibt auch gute Journalisten“, räumte Rezo kleinlaut ein, um sich wohl nicht mit der ganzen schreibenden Zunft anzulegen. „Das ist wie bei Youtube“. Aber dann legte er mit harter Kritik nach: „Ich bin so froh, dass das kein Teil von meinem Leben ist, dass diese ganze Printwelt ganz fern von mir ist, Alter.“ Soviel zum Thema geistige Armut eines überheblichen Youtubers.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte Rezo in einer Pressemitteilung scharf, nahm die Kritik aber später zurück. Innerhalb des Verbandes gebe es unterschiedliche Einschätzungen dazu, sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner zur Begründung.

„Problematische Diffamierung“

DJV-Vorsitzender Frank Überall sagte der Deutschen Presse-Agentur, er halte die pauschale Diffamierung, dass Printmedien von gestern seien, nach wie vor für problematisch. Gerade jungen Leuten bei Youtube mit auf den Weg zu geben, Tageszeitungen seien etwas für Ewiggestrige, finde er traurig. Aber nicht alle im DJV hätten die Kritik Rezos als pauschale Diffamierung wahrgenommen.

Rezo, der in dem Video mit den blauen Haaren zu sehen ist, die womöglich als sein lächerliches Markenzeichen gelten, hat auf seinem eigenen Youtube-Kanal 1,7 Millionen Abonnenten. Im Mai machte er mit seinem „Zerstörung der CDU“-Video von sich reden, in dem er der Partei unter anderem vorwarf, beim Klimawandel untätig zu sein, Politik für Reiche zu machen und „krasse Inkompetenz“ beim Thema Urheberrecht und Drogenpolitik an den Tag zu legen. (dpa/KT)

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