Zahl der Toten bei Polizeieinsatz in Rio steigt auf 28

Eine Frau hebt eine Schuluniform mit einem Blutfleck hoch während eines Protests am Tag nach einem tödlichen Polizeieinsatz in der Favela Jacarezinho.
Eine Frau hebt eine Schuluniform mit einem Blutfleck hoch während eines Protests am Tag nach einem tödlichen Polizeieinsatz in der Favela Jacarezinho.

Andre Borges/dpa

08.05.2021 10:00 Uhr

Es ist die polizeiliche Operation mit den meisten Toten in der Geschichte Rio de Janeiros. Nun hat sich die Zahl der Opfer weiter erhöht.

Die Zahl der Toten nach einem der blutigsten Polizeieinsätze in der Geschichte der brasilianischen Millionenmetropole Rio de Janeiro ist offensichtlich auf 28 gestiegen. Dies berichteten brasilianische Medien unter Berufung auf die Polizei am Freitag.

Demnach handelte es sich bei den Opfern um 27 Verdächtige und einen Beamten der Anti-Drogen-Einheit.

Zuvor hatte es geheißen, mindestens 25 Menschen, unter ihnen 24 Verdächtige, seien bei heftigen Gefechten zwischen mutmaßlichen Mitgliedern von Drogenbanden und der Polizei in der Favela Jacarezinho getötet worden. Die drei weiteren Personen sind nach Angaben der Nachrichtenagentur „Agência Brasil“ im Krankenhaus an ihren Verletzungen gestorben.

Nach Angaben des Nachrichtenportals „G1“, das Informationen der staatlichen Universität UFF und der App „Fogo Cruzado“ (Kreuzfeuer) auswertete, die Daten über bewaffnete Gewalt sammelt, war dies die Polizei-Operation mit den meisten Toten in der Geschichte Rio de Janeiros.

Im Juli hatte der Oberste Gerichtshof in Brasília Polizei-Einsätze in Favelas während der Corona-Pandemie ausgesetzt. Diese sind nur in „absoluten Ausnahmefällen“ erlaubt. Aktivisten und Angehörige von Opfern protestierten, der Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro, Claudio Castro, verteidigte die Operation. „Die Landesregierung ist am meisten daran interessiert, die Umstände der Ereignisse in Jacarezinho aufzuklären“, sagte Castro.

Die Favela Jacarezinho gilt als einer der Stützpunkte des „Comando Vermelho“ (Rotes Kommando) im Norden Rios, den dieses unter anderem mit Barrikaden schützt. Mächtige Verbrechersyndikate wie das „Comando Vermelho“ und eine Reihe kleinerer Banden ringen in den Armenvierteln um die Kontrolle von Drogenhandel und Schutzgeldgeschäft. Die Gewalt schwappt immer wieder auch auf andere Teile Rios über.