01.02.2019 20:13 Uhr

Zum Tod von Ursula Karusseit

Foto: Britta Pedersen

Jahrelang spielte Ursula Karusseit in der Klinikserie „In aller Freundschaft“ mit. Sie hatte in ihrem Leben aber viele Rollen – und wurde von manchen vielleicht unterschätzt.

Zum Tod von Ursula Karusseit

Foto: Britta Pedersen

Viele Fernsehzuschauer kennen sie aus der Sachsenklinik: Ursula Karusseit als schlagfertige Cafeteria-Chefin, diese Rolle spielte sie in der ARD-Serie „In aller Freundschaft“ rund 20 Jahre lang. Noch länger aber stand „die Karusseit“ auf Theaterbühnen. Nun ist sie im Alter von 79 Jahren in Berlin gestorben, wie ihr Mann der Deutschen Presse-Agentur bestätigte (wir berichteten).

Die markanten Frauenrollen passten zu Karusseit. Zu DDR-Zeiten spielte sie im TV-Fünfteiler „Wege übers Land“ die Gertrud Habersaat – „eine kräftige, erwachende, herbschöne Frau“, wie der Eulenspiegel-Verlag am Freitag würdigte. Später spielte sie auch in „Daniel Druskat“ (1976) von Helmut Sakowski.

„Mir lag nie so sehr, wenn ich das jetzt arg und fahrlässig verallgemeinern darf, das Blauäugige“, sagte sie in dem Interviewband „Wege übers Land und durch die Zeiten“ (2009), „ich liebte eher das Schräge, das Kantige, auch das etwas Raue, Ruppige oder Burschikose.“

Als Stenotypistin fing sie an

Zur Bühne fand Karusseit über einen Umweg. Geboren wurde sie am 2. August 1939 im westpreußischen Elbing im heutigen Polen, später wurde sie in Mecklenburg eingeschult. Im thüringischen Gera machte sie ihren Abschluss und eine kaufmännische Ausbildung. Sie arbeitete als Stenotypistin und Sachbearbeiterin. Erst dann kam sie zur Bühne.

Karusseit ging nach Ost-Berlin an die Staatliche Schauspielschule. 1968 bekam sie die Fernsehrolle in „Wege übers Land“. Mit ihrem Team reiste sie auch nach Moskau. „Wir haben gesagt, in diesen vier Tagen müssen wir drei Dinge gemeinsam schaffen: Metro fahren, Piroggen essen und Taxi fahren“, erzählte sie in dem Buch.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von In aller Freundschaft (@inallerfreundschaft_official) am Feb 1, 2019 um 8:12 PST

Jahrelang trat Karusseit an der Berliner Volksbühne auf. Sie heiratete den Theaterregisseur Benno Besson. Beide haben einen gemeinsamen Sohn – Pierre Besson steht derzeit mit seiner Halbschwester Katharina Thalbach in Berlin auf der Bühne.

„Die größte Schauspielerin der letzten 50 Jahre“

Karusseit arbeitete in all den Jahren an mehreren Theatern und führte auch selbst Regie. Sie spielte zum Beispiel in Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ und „Mutter Courage“. Später war sie viel im Fernsehen präsent. In der Sachsenklinik (siehe Foto unten) spielte sie seit der ersten Folge 1998 die Cafeteria-Chefin Charlotte Gauss, die oft braune Uniform trug und die dunklen Haare mit einem leichten Rotstich.

Offiziell war Karusseit noch bis zuletzt Mitglied im Ensemble der Klinikserie „In aller Freundschaft„, wie eine Sprecherin der Produktionsfirma sagte. Karusseits Serienfigur Charlotte Gauss war aber mittlerweile im Ruhestand und trat nur noch sporadisch auf. Ende 2018 stand sie zuletzt vor der Kamera. Die letzte Folge mit der Schauspielerin werde am 19. März 2019 ausgestrahlt, teilte der MDR mit.

Zuletzt arbeitete Karusseit an einem Buch mit dem Titel „Zugabe“, das laut Eulenspiegel-Verlag im März erscheinen soll.

Zum Tod von Ursula Karusseit

von links: Jakob Heilmann (Karsten Kühn), Jonas Heilmann (Anthony Petrifke), Lisa Schroth (Ella Zirzow), Dr. Roland Heilmann (Thomas Rühmann), Charlotte Gauss (Ursula Karusseit), Otto Stein (Rolf Becker). Foto: MDR/Saxonia/Tom Schulze

Als der Schauspieler Jaecki Schwarz Karusseit 2009 den Medienpreis Goldene Henne für ihr Lebenswerk verlieh, sagte er etwas Besonderes über sie: Sie zähle zu den größten Schauspielerinnen der letzten 50 Jahre. „Ich frage mich, warum das so wenige wissen.“ Vielleicht liege es daran, dass sie nicht zickig sei und keine Skandale mache, zu lieb, zu nett oder dass sie zu vielseitig sei. „Sie ist eine Legende des Berliner Theaters.“ (Gerd Roth und Julia Kilian, dpa)