21.07.2020 12:08 Uhr

Autotest: Wird der VW Caddy zum besseren Golf?

Geräumig und variabel war er schon immer. Doch bislang hatte der VW Caddy einen eher spröden Charme. Bei der fünften Generation greifen die Autobauer nun tief in den Baukasten des VW Golf und machen ihn so zur praktischen wie auch schicken Alternative.

Volkswagen AG/dpa-mag

Die VW-Nutzfahrzeugsparte mischt die Karten in der Kompaktklasse neu: kurz bevor Renault den nächsten Kangoo bringt, legen die Niedersachsen jetzt den Caddy neu auf – und machen dabei einen gewaltigen Sprung.

Wenn im November für etwa 23.000 Euro für die zivile und etwa 22.000 Euro für die gewerbliche Variante mit Kastenaufbau die fünfte Generation des Kleintransporters in den Handel kommt, dann besteht er erstmals aus dem Modularen Querbaukasten (MQB), aus dem auch der VW Golf konstruiert ist. Zudem kann der Caddy endlich bei der Technik aufholen. Denn er bekommt jede Menge neuer Geräte für Information, Assistenz und Effizienz.

Hightech hilft beim Fahren und Sparen

Das fällt bereits beim Einstieg auf. Denn genau wie im neuen Golf blickt man nun auch im Caddy in ein komplett animiertes Cockpit mit digitalen Anzeigen hinter dem Lenkrad, einem großen Touchscreen daneben und jede Menge Sensortasten drum herum. Dazu gibt es reichlich Online-Funktionen für das Infotainment und eine App als Fernsteuerung für das Auto. Ebenfalls neu sind zwei Dutzend Assistenzsysteme. So gibt es Unterstützung beim Lenken, Rangieren, oder Abstand-Halten. Bekommt der Fahrer Gesundheitsprobleme, wird der Wagen selbstständig abgestellt. Technisch modernisiert wurden auch die Motoren, die den Verbrauch zusammen mit dem aerodynamischem Feinschliff um bis zu 12 Prozent senken sollen.

Die Diesel sind besser als ihr Ruf

Insbesondere beim Diesel haben die Niedersachsen nachgelegt und ihren 2,0-Liter-TDI mit dem so genannten Twindosing-Verfahren zu einem der saubersten Triebwerke seiner Art gemacht: Weil die Harnstofflösung AdBlue nun gleich zweimal eingespritzt wird, sinken die Stickoxid-Emissionen um bis zu 80 Prozent. Angeboten wird der Motor in drei Varianten mit 55 kW/75 PS bis 90 kW/122 PS und Fahrleistungen auf Pkw-Niveau. Im besten Fall beschleunigt der Caddy in 11,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht maximal 186 km/h.

Daneben bieten die Niedersachsen einen Benziner an: Er hat 1,5 Liter Hubraum und kommt auf 84 kW/114 PS. Zudem wird es den Caddy bald auch wieder mit Erdgasantrieb geben und ein gutes Jahr nach dem Start – dem Golf GTE sei Dank – erstmals auch als Plug-in-Hybrid mit rund 50 Kilometern rein elektrischer Reichweite.

Auch beim Fahrverhalten tut sich etwas: Zwar behält der Caddy hinten seine Starrachse, weil sonst die Nutzlasten von bis zu 800 Kilo nicht zu halten wären. Doch fliegen zumindest die Blattfedern raus. Mit moderner Dämpfung und mehr Feingefühl in der Lenkung fährt der Kastenwagen deshalb ruhiger und wird spürbar handlicher. Was ihn auch für lange Urlaubsfahrten zum geeigneten Kandidaten macht.

Mehr als ein Golf mit hohem Dach

Zwar nähert sich der Caddy mit dem Generationswechsel weiter dem Golf an, doch soll er seine Vorzüge als Nutzfahrzeug behalten und praktisch, geräumig und variabel bleiben. Das gilt im Kleinen für die vielen Ablagen etwa im Armaturenbrett und im Großen für die Sitzaufteilung: In der zweiten Reihe hat er wie bisher drei Einzelsitze, die man umklappen, aufstellen oder ausbauen kann. Auf Wunsch gibt es für die dritte Reihe statt einer Bank, wie früher, nun ebenfalls zwei separate Sessel, die dann noch leichter zu handeln sind.

Wie bisher wird der Caddy als gewerblicher Kastenwagen oder ziviler Kombi in zwei Längen mit Schiebetüren und Heckklappe angeboten. Allerdings ändert sich mit dem Wechsel zum MQB das Format: Der kurze Caddy legt im Radstand um 7,3 Zentimeter auf 2,76 Meter zu und streckt sich außen von 4,41 auf 4,50 Meter, der Caddy Maxi hat nun 2,97 Meter zwischen den Achsen und ist 4,85 Meter lang. Und besser aussehen tut der Caddy jetzt auch: Die LED-Leuchten vorn und hinten aufwändig geformt, die Kanten fein modelliert – die Zeiten des schnöden Kasten-Designs sind offenbar vorbei.

Fazit: Ein Golf mit Mehrwert

Mehr Möglichkeiten als im Golf und trotzdem fast so viel Fahrkomfort und technische Ausstattung – so wird der Caddy in der fünften Auflage zu einer echten Alternative für Praktiker und Familien, die mehr Raum brauchen als Golf und Co zu bieten haben, den Touran zu bieder finden und sich ein SUV wie den Tiguan wegen des Geldes oder des Gewissens nicht leisten wollen.

Datenblatt: VW Caddy 2.0 TDI 122 PS

Motor und AntriebVierzylinder-Turbodiesel-Direkteinspritzer
Hubraum:1968 ccm
Max. Leistung:90 kW/122 PS bei 2 750 bis 4250 U/min
Max. Drehmoment:320 Nm bei 1600 – 2500 U/min
Antrieb:Frontantrieb
Getriebe:Sechsgang-Schaltgetriebe
Maße und Gewichte
Länge:4501 mm
Breite:1855 mm
Höhe:1797 mm
Radstand:2755 mm
Leergewicht:k.A.
Zuladung:ca. 800 kg
Kofferraumvolumen:bis zu 3300 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit:186 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h:11,2 s
Durchschnittsverbrauch:k.A.
Reichweite:k.A.
CO2-Emission:k.A.
Kraftstoff:Diesel
Schadstoffklasse:EU6dtemp
Energieeffizienzklasse:k.A.
Kosten:
Basispreis des VW Caddy:ca. 23.000 Euro
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit:Sechs Airbags, Aktiver Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner
Komfort:Zentralverriegelung, Tempomat
Spritspartechnik:Start-Stopp-Automatik

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