02.11.2020 16:33 Uhr

Vollbepackt unterwegs per Lastenrad

Lastenräder können gut und gerne einen Kleinwagen ersetzen. Doch wer sich eins anschaffen will, hat die Qual der Wahl. Was zu bedenken ist und wo man die Bikes erstmal ausprobieren kann.

r-m.de/pd-f/dpa-tmn

Lastenräder kennen viele vom Postboten oder als sogenanntes Bäckerrad. Doch sie werden längst nicht mehr nur gewerblich, sondern vermehrt auch privat genutzt. Inzwischen sieht man die Räder, die für manche ein kleines Auto ersetzen, immer öfter auf der Straße – in den verschiedensten Varianten.

So ist ein Long John kein Pirat, sondern ein zweirädriges Cargobike: Das Vorderrad ist meist etwas kleiner, direkt dahinter – vom Sattel aus gut im Blick – kommt die Ladefläche. „Man fährt fast wie auf einem normalen Fahrrad und kann sich auch schnell bewegen“, benennt Thomas Geisler vom Pressedienst Fahrrad (pd-f) den Vorteil der Long Johns. Er selbst hat mit so einem Modell kürzlich einen Wäschetrockner vom Elektromarkt nach Hause transportiert.

Jedes Lastenrad hat aber eine Maximalzulassung, diese liegt laut Geisler bei den Zweirädern in der Regel zwischen 150 und 250 Kilogramm, das Gewicht des Fahrrads miteinberechnet.

Long John und seine Laster-Kollegen

Neben dem Long John gibt es weitere Modelle. So kann sich die Ladefläche, etwa in Form eines doppelten Gepäckträgers, auch hinten befinden. Nicht so schnell, aber kippstabiler sind dreirädrige Lastenräder, in der Regel mit einem Kastenaufbau. „Sie sind relativ schwer und unhandlich“, sagt Geisler. „Dafür kann man mehr Lasten transportieren und auch problemlos vier Kinder unterbringen.“ Auch das zugelassene Maximalgewicht ist bei diesen Modellen höher.

Wer sich für solch ein Dreirad entscheidet, hat die Wahl zwischen drei Lenkungen, so der ADAC. Leicht zu lenken ist die Achsschenkellenkung, Räder und Lenker drehen sich mit, der Kasten vorne bleibt gerade. Bei der Drehschemellenkung dreht sich auch der Kasten mit, es fährt sich ungewohnter. Bei der Neigetechnik neigt sich der Fahrer mit dem Rad beim Abbiegen in die Kurve. Das brauche zwar etwas Übung, das Bike ist jedoch auch voll beladen wendig.

Unterstützung durch den E-Motor

Ob zwei oder drei Räder: Wer viel Gewicht transportiert, muss kräftiger treten. Daher sollte man sich vor dem Kauf durchaus die Frage stellen: Sollte es ein Rad mit Elektroantrieb sein? „Gerade das Anfahren, bis man die große Masse in Schwung gebracht hat, kann sonst dauern oder auch etwas wacklig werden“, sagt Geisler. „Auch wenn man leichte Anstiege hat, ist eine Unterstützung sinnvoll.“

Vor dem Kauf sollten sich Fahrer überlegen, wo und wie das Lastenrad eingesetzt wird. Wie viel Gewicht wird aufgeladen? Will ich große Einkäufe in einer geschlossenen Box befördern oder viele Kinder transportieren, die ich dabei im Blick habe? Bin ich vor allem in der Stadt unterwegs oder eher in der Landschaft? Das Gute: „Die meisten Lastenräder sind mittlerweile modular, man kann sie mit wenigen Handgriffen dem Einsatzzweck entsprechend umbauen“, sagt der pd-f-Experte.

Die Ausstattung ist wichtig

Wichtig ist die passende Ausstattung – das gilt vor allem, wenn man mit Kindern unterwegs ist. „Es gibt Sitzbänke mit entsprechenden Gurten, damit die Kinder angeschnallt werden können“, erklärt Petra Husemann-Roew vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Bayern. Zusätzlich könne laut ADAC ein Regenverdeck beziehungsweise ein Sonnendach sinnvoll sein oder eine Zusatzbeleuchtung für die Transportboxen, eine Feststellbremse und vieles mehr. Viele Dinge ergeben sich erst im praktischen Gebrauch.

Hilfreich ist, vor dem Kauf schon mal zu testen. Denn ganz günstig ist ein Lastenrad nicht. Räder ohne E-Antrieb sind laut den Experten ab rund 1500 Euro zu haben, E-Lastenräder kosten ab etwa 3000 Euro.

Nicht zuletzt sollte natürlich bedacht werden, wo das Lastenrad zu Hause untergestellt wird. Denn es kann nicht nur einen Kleinstwagen ersetzen, sondern ist mitunter fast genauso lang – und kann nicht immer aus dem Keller hochgetragen werden.

Copyright 2020, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten