Vater von Olivia Jones war Bankräuber: „Er hat unsere Familie zerstört!“

Olivia Jones: Ihr Vater war ein Bankräuber
Olivia Jones: Ihr Vater war ein Bankräuber

IMAGO / Andre Lenthe

06.05.2021 09:46 Uhr

Olivia Jones hatte einen Bankräuber zum Vater. Die 51-jährige Drag-Queen ist eine Institution auf dem Hamburger Kiez. „Ich bin die heimliche Bürgermeisterin von St. Pauli, ein Leuchtturm, eine Leitkuh“, sagt Olivia scherzhaft über ihre Bedeutung für die Reeperbahn.

Doch hinter ihrer lustigen Art steckt eine schlimme Familiengeschichte, wie Entertainerin Olivia Jones jetzt im „Bunte“-Interview verriet. Als sie elf war floh ihr Vater, der als Bankangestellter arbeitete, nämlich mit zwei Millionen Mark nach Brasilien.

Olivia Jones: „Plötzlich war ich der Sohn eines Kriminellen“

Olivia dazu: „Ja, plötzlich war ich der Sohn eines Kriminellen. Ich war elf und hätte damals einen starken Vater gebraucht, aber er war ein Bankräuber ohne Reue und hat unsere Familie zerstört. Ich fühlte mich damals so hintergangen und habe später versucht, mich mit ihm auszusöhnen, aber es gab nie eine Entschuldigung von ihm, keine Erklärung.“

Und auch die Beziehung zu ihrer Mutter war nicht immer einfach, wie sie im Gespräch weiter erzählt: „Ich sollte Versicherungskaufmann werden, aber das ging gar nicht. Sie wurde angefeindet und unter Druck gesetzt. Einmal sagte sie in ihrer Verzweiflung zu mir, ich wäre Abschaum. Das hat mich sehr verletzt.“

Sie wurde in der Schule gemobbt

Und weiter: „Es hat Jahrzehnte gedauert, bis wir uns versöhnt haben. Heute ist sie eine meiner besten Freundinnen. Und versteht mich. Ich habe ja nichts verbrochen damals.“ Olivia Jones gestand auch, dass sie lebenslang unter Anfeindungen gelitten hat. In ihrer neuen Biografie „Ungeschminkt“ gibt die 51-Jährige preis, dass sie bereits zu Schulzeiten gemobbt wurde.

„Ich kenne mein Leben gar nicht ohne Intoleranz und Ausgrenzung, weil ich das eben schon sehr früh erlebt habe“, gesteht sie im Gespräch mit ,t-online.de‘. „Schon einige meiner Lehrer sind mir mit Abneigung begegnet, das hat mich sehr verletzt. Aber auch auf der Straße musste ich Angst haben. Mich haben Nazis verfolgt, mir mit Gewalt gedroht und Beschimpfungen muss ich auch immer wieder erleiden.“

Olivia Jones nützt Gegenwind als Rückenwind

Aus dieser schweren Zeit zog Olivia einige wertvolle Lektionen, die bis heute nützlich für den Travestie-Star sind. „Ich habe mir schon sehr früh einen dicken Panzer angelegt und versucht, diesen Gegenwind in Rückenwind umzuwandeln. Ich lasse mir nicht diktieren, wie ich zu leben habe. Frei nach dem Motto: jetzt erst recht“, stellt sie klar.

Den Hass gegen sich kann die Wahl-Hamburgerin nicht begreifen. „Ich kann das auch nicht verstehen, warum Leute mich zusammenschlagen wollen, nur weil ich anders aussehe und homosexuell bin“, zeigt sie sich fassungslos. „Umso wichtiger ist der Kampf für eine tolerante Gesellschaft.“ (Bang/KT)