01.12.2020 08:55 Uhr

Ildikó von Kürthys Aufforderung zum Schreiben

„Schreiben ist ein Segen“, sagt Ildikó von Kürthy. Deshalb will die Bestsellerautorin mit ihrem neuen Buch ihre Leserinnen zum Tagebuch-Schreiben ermutigen. Sie selbst will auch wieder anfangen.

Markus Scholz/dpa

„Dieses Buch ist eine Baustelle. Es ist nicht fertig und wird es nie sein“, so beginnt das neue Buch „Es wird Zeit. Das Tagebuch“ von Ildikó von Kürthy. Und tatsächlich: Rund zwei Drittel der Seiten sind leer und warten darauf, gefüllt zu werden. Womit?

Dazu gibt die Autorin von Bestsellern wie „Unter dem Herzen“, „Endlich!“ und „Es wird Zeit“ jeweils verschiedene Denkanstöße. „Dieses Buch ist eine Ermutigung zum Schreiben, es steckt voll mit Texten zu Themen, die mich jetzt bewegen, mit Angeboten und Anregungen, Zitaten und der Einladung, gemeinsam zu schreiben“, sagt Kürthy im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Die gebürtige Rheinländerin fing an, Tagebuch zu schreiben, als sie zehn Jahre alt war. „Früher schrieb ich auf, was ich erlebt hatte. Mit den Jahren wurden daraus Betrachtungen und Gedanken über das Leben und die Liebe – insbesondere natürlich die unerwiderte“, erzählt die 52-Jährige.

Mit Fünfzehn habe sie sich für eine Reinkarnation von Hermann Hesse gehalten und wuchtige Teenager-Lyrik verfasst. „Wie jede Heranwachsende war ich der Meinung, ich hätte bereits überproportional viel gelitten und begriffen“, erinnert sie sich. Leider schreibe sie schon lange kein Tagebuch mehr. „Aber ich will jetzt wieder anfangen, den ersten Satz habe ich schon!“

In ihrem neuen Buch geht es um große Themen wie Kindheit, Wahrheit, Liebe, Vergebung, Hoffnung, Freundschaft und unerwünschte Gefühle. Auf einer „Sonntagsseite“ können die Leserinnen ihre Gedanken dazu aufschreiben und unter „eswirdzeit.de“ nachlesen, was die Autorin dazu denkt.

Ergänzt wird das Tagebuch mit einem Podcast, auf dem sich Kürthy mit prominenten Frauen wie Regisseurin Doris Dörrie, Schauspielerin Maria Furtwängler oder Kabarettistin Gerburg Jahnke über Themen wie Schreiben, Selbstfindung und Abschiednehmen unterhält. In einzelnen Videos gibt es Kochtipps von Sterneköchin Léa Linster und Schminktipps von Schauspielerin Yasmina Filali.

Im Gegensatz zu Live-Auftritten – „wenn der Vorhang sich öffnet, ist mein Puls auf 220“ – ist ihre Homepage für die Autorin kein öffentlicher Raum. „Da bin ich Gastgeberin und lade die Leute ein, Zeit mit mir zu verbringen. In meiner Küche oder beim Meditieren fühle ich mich sicher und habe Freude an dem Gefühl, mit anderen Frauen ein Stück des Weges gemeinsam zu gehen“, sagt die Autorin, die mit ihrem Ehemann und ihren zwei Söhnen in Hamburg lebt.

Als Social-Media-Fachfrau sieht sich die Bestseller-Autorin jedoch noch lange nicht, obwohl es sie reizt, über die sozialen Medien Verbindungen zu ihren Leserinnen herzustellen. „Ich hänge der romantischen Vorstellung an, dass über diese Kanäle eine Gemeinschaft und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entstehen kann“, sagte Kürthy. „Ich will vermitteln: Du bist nicht allein. Wir teilen unsere Sorgen, wir ringen gemeinsam um Antworten und wir halten zusammen, besonders jetzt, wo es ernst wird.“

Ildikó von Kürthy: Es wird Zeit. Das Tagebuch, Wunderlich Verlag, 240 S., 18 Euro, ISBN: 978-3-499-00380-6

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