04.11.2020 08:21 Uhr

Mehr Platz für Friedrich Nietzsche

«Gott ist tot»: Mit diesen Worten wird Nietzsche bis heute weltweit assoziiert. In seiner Kindheitsstadt Naumburg soll eine Ausstellung über sein Leben erneuert werden. Und auch nebenan gibt es Pläne.

Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa

Die Ausstellung zu Leben und Werk des Philosophen Friedrich Nietzsche (1844-1900) in Naumburg soll erneuert werden. Es sei geplant, in den kommenden zwei Jahren die umfangreiche Schau im Nietzsche-Haus audiovisuell – wie etwa mit Hörstücken und Filmen – zu modernisieren, sagte Ralf Eichberg, Leiter des Nietzsche-Dokumentationszentrums.

Das Nietzsche-Haus, in dem der Denker einen Großteil seiner Kindheit und Jugend verbrachte und das sich in direkter Nachbarschaft zum Dokumentationszentrum befindet, sei seit diesem Jahr in Trägerschaft der Friedrich-Nietzsche-Stiftung. Zuvor gehörte es der Stadt. Nun gebe es große Pläne mit dem Museum.

Die ersten Projektanträge zur Modernisierung der Ausstellung im Nietzsche-Haus seien bereits gestellt worden, sagte Eichberg. Im kommenden Jahr soll mit der Erneuerung begonnen werden. Bereits im Sommer wurde im Nietzsche-Haus erste Hand angelegt. „Wir haben dabei im hinteren Bereich des Museums zwei Abstellräume entdeckt“, erklärte Eichberg. Diese seien ausgeräumt und zu Arbeitsbereichen samt neuer Bibliothek umgestaltet worden.

In den Räumlichkeiten befänden sich nun Teile des Nachlasses des im vergangenen Jahr in Freiburg verstorbenen Philosophen Ludger Lütkehaus, sagte Eichberg weiter. Die Witwe des Nietzsche-Kenners habe die gesammelten Werke ihres verstorbenen Mannes dem Nietzsche-Dokumentationszentrum übertragen – etwa zweieinhalb Tonnen Bücher.

Forschende sollen sich künftig in den historischen Mauern, in denen einst Nietzsche selbst lebte, zur globalen Philosophiegeschichte belesen können. Die ersten Interessierten nutzten die neue, so genannte Philosophische Forschungsbibliothek Ludger Lütkehaus bereits in den vergangenen Monaten, wie Eichberg erklärte. Künftig sollen sich noch mehr Forschende – und möglicherweise auch Stipendiaten und Stipendiatinnen – in den Räumen einfinden.

Aber nicht nur im Nietzsche-Haus gab es jüngst Veränderungen. Auch im nur rund 100 Meter entfernten Nietzsche-Dokumentationszentrum habe sich Einiges getan, so Eichberg. Das Archiv – das Herzstück des Forschungszentrums – sei „aus allen Nähten geplatzt“, erklärte der Zentrumsleiter. Etwa 520 laufende Meter an Schriften und Dokumenten, darunter auch wertvolle Nietzsche-Unikate, lagerten in dem Archiv im untersten Teil des mehrstöckigen, modernen Gebäudes.

Das 2010 eröffnete Nietzsche-Dokumentationszentrum mit Archiv, Tagungs- und Ausstellungsbereichen sowie Arbeitsplätzen wird den Angaben zufolge – wie auch das in direkter Nachbarschaft befindliche Nietzsche-Haus – von der Friedrich-Nietzsche-Stiftung betrieben. Die 2008 in Naumburg errichtete Stiftung hat es sich nach eigenen Angaben zur Aufgabe gemacht, die Nietzsche-Stätten in Sachsen-Anhalt zu erhalten und zu beleben.

Nietzsche wurde 1844 im rund 30 Kilometer von Naumburg entfernten Röcken geboren, wo er auch begraben ist. Der Denker beschäftigte sich unter anderem mit Themen wie Moral und Religion. Nietzsche starb 1900 in Weimar.

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