27.10.2020 14:45 Uhr

Mord in der Küche

Ein kleiner Kurort in den bayerischen Alpen wird immer wieder zum Schauplatz skurriler Morde. Jedenfalls in den Krimis von Jörg Maurer. Auch in seinem neuen Roman lässt der Autor wieder abenteuerlich morden, diesmal in der Spitzengastronomie.

-/Fischer Scherz Verlag/dpa

Ein Spitzenrestaurant, einsam gelegen auf einer Waldlichtung in der Nähe eines Kurortes in den bayerischen Alpen. Normalerweise kommen die Besucher, um exquisite Speisen zu genießen. Aber am Beginn von Jörg Maurers neuem Krimi ist ein neuer Besucher im Haus. Er ist gefährlich, denn „Den letzten Gang serviert der Tod“.

„Hubschmidts“ heißt das Lokal, das auch über den Kurort hinaus für seine Pilzgerichte bekannt ist. Dienstags ist das Lokal geschlossen. Dann trifft sich dort ein exklusiver Kochclub. An genauso einem Dienstag lässt Jörg Maurer seinen neuen Roman beginnen.

Als eines der Clubmitglieder zum fröhlichen Kochen im Lokal eintrifft, findet er vier Leichen. Alle sind offenbar in einer Art und Weise ums Leben gekommen, die mit Kochen zu tun haben. Ein Opfer wurde mit einer Bratpfanne erschlagen, eines mit einem Filetiermesser erstochen, ein Drittes in einem Topf mit Fischsuppe ertränkt. Und der Restaurantbesitzer wurde mit einer Pilzsuppe vergiftet.

Wie schon in zahlreichen Maurer-Romanen zuvor muss der eigenwillige Kommissar Hubertus Jennerwein mit seinem Team den Fall lösen. Sie sind ein eingespieltes Team. Die Polizisten Jennerwein, Schwattke und Hölleisen, die Psychologin Schmalfuß und der Kriminaltechniker Becker kennen sich aus mit noch so aberwitzigen Fällen.

Aber diese Tat birgt besondere Tücken. Spurenermittler Becker ist ratlos: „Von der derzeitigen Spurenlage her ist es eine total spontane, völlig ungeplante Tat gewesen. Das glaube ich aber nicht.“ Er ist überzeugt, „dass die Tat durchorganisiert ist bis ins Letzte. Vielleicht war genau das der Plan des Täters. Er wollte uns beschäftigen, um Zeit zu gewinnen. Man könnte fast meinen, er kennt sich mit Polizeiarbeit aus.“

Alle Mitglieder des Kochclubs müssen unter die Lupe genommen werden, und dabei kommen so einige Überraschungen und Intrigen ans Licht. Aber reicht das für einen Mord? Und passen die Kochfans zu den Schritten des Mörders, deren Klang das Handy eines der Opfer aufgenommen hat? Aber auch andere Romanfiguren kommen als Täter infrage, so der mysteriöse Ehrengast des „Löffelführenden“ im Kochclub, der seltsame Pilzmaler, der „vegane Förster“ oder auch die beiden, die nur als „schrille Brille“ und „geschmacklose Krawatte“ auftauchen. Es könnte aber auch ein Konkurrent sein, der dem Gastronomen Hubschmidt die überschwänglichen Kundenbewertungen auf dem Portal schmackofatz.de neidet, die der Roman immer wieder zitiert.

Maurer nutzt die Gelegenheit, zahlreiche Nebenhandlungen einzubauen, in denen weitere Verdächtige auftauchen und ihr recht amüsantes Unwesen treiben. Klar ist aber: Der Koch war es nicht. Denn, wenn Eines feststeht, dann dies: „Ein echter Koch, der mit Leib und Seele dabei ist, schlägt nicht mit der Bratpfanne um sich.“

Einen so komplizierten Fall kann nur ein Kommissar Jennerwein lösen. Natürlich schafft er es auch. Aber die Art und Weise, wie er die Täter dingfest macht, ist schon so spektakulär und im wahrsten Sinne des Wortes abgehoben, dass man es kaum glauben kann.

– Jörg Maurer: Den letzten Gang serviert der Tod. Fischer Scherz Verlag, Frankfurt/Main, 408 Seiten, 16,99 Euro, ISBN 978-3-651-02589-9.

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