06.11.2020 10:29 Uhr

App soll Corona-Infektion an der Sprache erkennen

Auch wenn inzwischen die ersten Corona-Schnelltests zum Einsatz kommen - einen Test für Jedermann gibt es bisher nicht. Forscher arbeiten zurzeit an einer App, die das Problem lösen soll.

Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Noch klingt es kurios: Eine App soll eine
Corona-Infektion an der Stimme eines Erkrankten erkennen – zumindest,
wenn es nach Forschern des Universitätsklinikums Augsburg geht. „Die
App könnte in Echtzeit Daten über Bewegungs- und Ausbreitungsmuster
von Corona-Infizierten darlegen“, sagt Björn Schuller, Leiter der
Studie an der Universität Augsburg.

Seit März arbeitet Schuller mit seinem Team an der
Spracherkennungs-App und wertete zunächst Daten aus dem chinesischen
Wuhan aus. Seitdem das Virus verstärkt auch Deutschland erreicht hat,
sprechen auch Probanden aus Augsburg einen Text mit vielen Vokalen in
ein Handy. Die Sprachmuster werden mit Stimm-Mustern von Personen mit
und ohne Corona-Infektion mittels tiefer neuronaler Netze verglichen.
„Die Sprache ist hier quasi das neue Blut – wir verwenden es zur
Analyse, brauchen es aber auch dringend als Spende, um unsere Systeme
für Alle verbessern zu können“, sagt Schuller.

Im Moment komme die App nach Angaben der Universität und des
Universitätsklinikums auf eine Trefferquote von über 80 Prozent.
Dennoch wolle man zunächst weitere Daten sammeln. Ziel sei es, die
Spracherkennungs-App auf den öffentlichen Markt zu bringen.
„Natürlich steht die Privatsphäre und Ethik dabei stets an erster
Stelle.“ 

Bevor die Anwendung auf Endgeräten genutzt werden könne, gebe es aber
noch Hürden zu überwinden: Pro Land sei nur eine offizielle App bei
Anbietern wie Google Play erlaubt, erklärt Schuller. „Somit müssten
wir es in der offiziellen App integrieren oder als allgemeinere
Gesundheitsanalyse-Applikation bewerben.“

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