03.09.2020 13:46 Uhr

Tiger-Notebooks und Outdoor-TVs zur IFA

Die IFA ist wohl die einzige Tech-Messe des Jahres, die nicht ganz ins Netz verlagert oder gestrichen worden ist. Ein Messe-Motto: Home Electronics machen die neue Corona-Normalität angenehmer.

Samsung/dpa-tmn

Man nehme eine begrenzte Zahl Fachbesucherinnen und Fachbesucher, ein Konferenzprogramm sowie zahllose digitale Präsentationen: Fertig ist die Technikmesse IFA als sogenannte Special Edition 2020 (3. bis 5. September).

Fachfremdes Publikum, sprich Verbraucherinnen und Verbraucher, haben wegen Corona keinen Zutritt zum Messegelände. Macht aber fast nichts: Die Neuheiten, um die es beim Branchentreff geht, kommen trotzdem bald auf den Markt.

Und ganz gleich, ob vor Ort in Berlin oder nicht: Mehr Unternehmen denn je nutzen das Fahrwasser der IFA, um ihre Neuheiten auch ohne offizielle Teilnahme an der Messe zu präsentieren – in diesem Jahr nahezu ausschließlich virtuell.

Und ob von den Herstellern beabsichtigt oder nicht: Die meisten Neuheiten passen einfach sui generis zur neuen Corona-Normalität. „Die Branche bietet Produkte für zuhause. Und wenn Menschen mehr Zeit daheim verbringen, steigt der Bedarf an Technik, die das Leben produktiver, unterhaltsamer und angenehmer macht“, formuliert es die Messeveranstalterin gfu.

Fernseher für drinnen und draußen

Samsung bringt nun etwa mit The Terrace einen Outdoor-Fernseher für Garten, Terasse oder Balkon auch auf den deutschen Markt. Für den Sommer kommt der zu spät. Aber in Pandemie-Zeiten dürften so ein Gerät all jene schätzen, die mit ihren Gästen auch im Herbst lieber an der frischen Luft sitzen, um etwa Fußball zu schauen.

Spritzwasser und Staub (Schutzklasse IP55) sollen dem in den Größen 55, 65 und 75 Zoll erhältlichen QLED-TV mit 4K-Auflösung ebenso wenig anhaben können wie Temperaturen zwischen plus 50 und minus 30 Grad. Gegen das Sonnenlicht behauptet sich The Terrace mit einer maximalen Helligkeit von 4000 Nits. Preise? Ab 3900 Euro aufwärts.

Quasi als Indoor-Gegenstück für Cineasten haben die Koreaner den Laser-Ultrakurzdistanzprojektor The Premiere vorgestellt, der fast direkt vor der Wand stehen kann und je nach Modell trotzdem ein 120 oder 130 Zoll riesiges 4K-Bild darstellt, was einer Diagonale von bis zu 3,30 Metern entspricht. Surroundsound und Bassbox sind bereits im Gehäuse integriert, Preise noch nicht bekannt.

3D-Klang für jedes Ohr

Für Heimkino-Fans, die Rücksicht auf andere nehmen möchten, aber trotzdem keine Abstriche bei Lautstärke und Klang machen wollen, kommt eine Innovation von JVC: der kabellose Kopfhörer Exofield (XP-EXT1). Er erzeugt dreidimensionalen Surroundsound im 7.1.4-Format, für den man sonst ein Dutzend Lautsprecher benötigt. Das Klangfeld wird für jeden Hörer individuell anhand seiner Ohr-Physiognomie berechnet.

Das geschieht mit der Hilfe von im Kopfhörer integrierten Mikrofonen und einer Smartphone-App. Bis zu vier Benutzerinnen oder Benutzer lassen sich abspeichern. Das System besteht aus den Kopfhörern, deren Akku bis zu zwölf Stunden durchhalten soll, und einer Basis mit digitalem Signalprozessor. Es soll noch im September für 1000 Euro zu haben sein.

Mulitroom-Klang über Herstellergrenzen

Um vernetzte Heimkino- und Hi-Fi-Komponenten, die Ton oder Musik nicht nur drahtlos, sondern bei Bedarf auch gemeinsam über verschiedene Räume hinweg wiedergeben, geht es bei Philips. Der Hersteller hat mit seinem Wireless Home System ein neues Multiroom-System auf Basis des Standards DTS Play-Fi vorgestellt. Kompatibel sind alle 2020er-Fernseher der Marke mit Android-Betriebssystem, so auch das neue 4K-Topmodell OLED+935 (ab 2300 Euro) sowie viele WLAN-Soundbars und -Lautsprecher von Philips.

Für 2019er-Fernseher soll es Firmware-Updates geben. Praktisch: DTS Play-Fi steckt auch in vielen Hi-Fi-Geräten von Arcam, Klipsch, Rotel, McIntosh, Polk, Definitive Technology, Pioneer oder Onkyo, so dass Nutzerinnen und Nutzer herstellerübergreifend einen Streaming-Verbund einrichten können.

Alltagsmake mit App

Wer sich schon wieder ins Kino wagt, häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist oder beruflich viel mit Menschen zu tun hat, interessiert sich vielleicht für LGs elektronische Schutzmaske Puricare. Der Mund-Nasenschutz ist mit zwei Hepa-Filtern und zwei Lüftern ausgestattet, deren Drehgeschwindigkeit davon abhängt, wie schnell man atmet.

Den Status der E-Maske sowie Wartungshinweise erhalten Trägerinnen und Träger per App. Zwischen zwei und acht Stunden soll der Akku die Lüfter antreiben können. Danach wandert die Maske in eine Lade-Schutzhülle mit LEDs, die UV-Licht zum Abtöten von Keimen ausstrahlen. Puricare soll im vierten Quartal auf den Markt kommen – zu welchem Preis und in welchen Ländern, steht noch nicht fest.

Evo-Notebooks folgen den Ultrabooks

Stichwort Beruf: Notebooks gehören ebenso zum Homeoffice in Corona-Zeiten wie zur ganz persönlichen Standard-Ausstattung für Alltagsorganisation und Unterhaltung. Zuletzt feierte Chiphersteller AMD etwa mit seinen Ryzen-4000-Prozessoren für Notebooks große Erfolge.

Nun will Intel wieder aufschließen und präsentiert passend zur IFA die elfte Generation mobiler Core-i-Prozessoren (Codename Tiger Lake) mit neuer integrierter Grafik namens Iris Xe. Ebenfalls neu: Intels Evo-Plattform für leichte und dünne Notebooks, quasi eine Neuauflage der erfolgreichen Ultrabook-Zertifizierung.

Hersteller dürfen ihre Notebooks nur so nennen, wenn unter anderem diese Kriterien erfüllt sind: Ein Core-i5- oder -i7-Tiger-Lake-Chip mit Iris Xe, maximal 15 Millimeter Bauhöhe, mindestens neun Stunden Akkulaufzeit, Schnellladefunktion (viereinhalb Stunden oder weniger), Wi-Fi 6 (ax-WLAN) und Thunderbolt-4-Schnittstelle.

Tiger-Lake-Modelle von Asus und Lenovo

Um so ein Evo-Notebook handelt es sich etwa beim neuen Top-Modell von Asus, dem Zenbook Flip S (UX371). Das 4K-OLED-Touchdisplay des knapp 1,4 Zentimeter dünnen und 1,2 Kilogramm leichten Convertible-Notebooks lässt sich im 360-Grad-Winkel bis hinein in die Tablet-Position frei verstellen. Die Laufzeit beziffert Asus auf bis zu 15 Stunden. Clever ist der digitale Ziffernblock im Touchpad.

Das Flip S soll inklusive Stylus von Anfang Oktober an ab 2500 Euro verfügbar sein. Die Preise für das verwandte Zenbook Flip 13 (UX363) starten bei 1800 Euro.

Lenovo wartet auch mit neuen Tiger-Lake-Notebooks auf, darunter das knapp 1,4 Zentimeter dünne und 1,3 Kilogramm leichte 14-Zoll-Gerät Yoga Slim 9i. Es steckt in einem Aluminiumgehäuse, als Besonderheit ist bei dem Oberklasse-Geräte der Rücken des 4K-Touchscreens mit Leder bezogen. Bei der Convertible-Variante Yoga 9i ist der Lederrücken als Option verfügbar. Die Preise für die beiden ab November erhältlichen Lenovo-Laptops starten bei 1800 Euro.

Grundig erinnert an den Heinzelmann

Vom Tiger zum Heinzelmann – einem Radio, mit dem Grundig zumindest optisch zurück ins Nachkriegsdeutschland blickt: Der Empfänger wurde so erfolgreich und legendär, weil ab 1945 Radiogeräte nicht frei verkauft werden durften und nur mit Bezugsschein erhältlich waren. Hier kam der Heinzelmann ins Spiel: Das Radio wurde als Selbstbausatz-Spielzeug ohne Röhren angeboten, womit Grundig alle Beschränkungen der Alliierten trickreich umging.

Die Neuauflage ist natürlich nur noch in der Form und mit seiner Walnuss-Front an das Original angelehnt, und kommt ab Mitte November schon fertig montiert für 330 Euro auf den Markt. Im Inneren werkelt Digitaltechnik mit UKW, DAB, Bluetooth, WLAN und Spotify Connect samt Farbdisplay.

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