Samstag, 17. Februar 2018 19:30 Uhr

Berlinale: „Transit“, eine Edelprostituierte und ein „Happy Prince“

Jetzt wird’s spannend: Bei der Berlinale geht heute der erste deutsche Wettbewerbsbeitrag ins Rennen. Das Flüchtlingsdrama „Transit“ von Regisseur Christian Petzold basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Anna Seghers aus dem Jahr 1944.

Berlinale: "Transit", Edelprostituierte und ein "Happy Prince"

Franz Rogowski in „Transit“. Foto: Schramm Film/ Marco Krüger

Mit Franz Rogowski und Sandra Hüller in den Hauptrollen verwebt Petzold das Schicksal von Exilsuchenden in der NS-Zeit mit der heutigen Flüchtlingssituation. 2012 hatte der Filmemacher mit „Barbara“ einen Silbernen Bären für die beste Regie gewonnen.

Die deutschen Truppen stehen vor Paris. Georg entkommt im letzten Moment nach Marseille. Im Gepäck hat er die Hinterlassenschaft des Schriftstellers Weidel, der sich aus Angst vor seinen Verfolgern das Leben genommen hat: ein Manuskript, Briefe, die Zusicherung eines Visums durch die mexikanische Botschaft. In der Hafenstadt darf nur bleiben, wer beweisen kann, dass er gehen wird. Einreisegenehmigungen für die möglichen Aufnahmeländer werden gebraucht. Georg nimmt die Identität von Weidel an, versucht eine der wenigen Schiffspassagen zu ergattern. Flüchtlingsgespräche in den Korridoren des kleinen Hotels, in den Wartezimmern der Konsulate, in Cafés und Bars am Hafen. Georg freundet sich mit Driss an, dem Sohn seines auf der Flucht verstorbenen Genossen Heinz. Seine Pläne ändern sich, als er der geheimnisvollen Marie begegnet.

Berlinale: "Transit", Edelprostituierte und ein "Happy Prince"

„Transit“. Foto: Schramm Film / Christian Schulz

Transit beruht auf Anna Seghers’ im Exil verfassten gleichnamigen Roman. Schauplatz des Films ist das heutige Marseille, in dem sich die Figuren aus der Vergangenheit bewegen. Geflüchtete von damals treffen auf Geflüchtete von heute, die Geschichte trifft auf die Gegenwart, und alle Erzählungen verbinden sich zu einem ewigen Transitraum.

Isabelle Huppert als Edelprostituierte

Ebenfalls im Wettbewerb um einen der begehrten Bären-Preise läuft am Samstag der russische Beitrag „Dovlatov“. Regisseur Alexey German jr. porträtiert den russisch-jüdischen Schriftsteller Sergei Dovlatov (1941-1990), dessen ironische Texte in der Sowjetunion der Breschnew-Zeit nicht gedruckt werden durften. Das Porträt ist zugleich das Panorama einer bedrückenden Zeit Anfang der 70er Jahre.

Berlinale: "Transit", Edelprostituierte und ein "Happy Prince"

Isabell Huppert in „Eva“. Foto: MACASSAR PRODUCTIONS – EUROPACORP – ARTE France CINEMA – NJJ ENTERTAINMENT – SCOPE PICTURES / Guy Ferrandis

Dritter Wettbewerbsbeitrag am Samstag ist der französische Film „Eva“ von Regisseur Benoit Jacquot. Superstar Isabelle Huppert („Elle“) spielt eine Edelprostituierte, die einen betrügerischen Schriftsteller in eine emotionale Gefangenschaft und schließlich in die Katastrophe treibt. Die Romanverfilmung sei als Konversationsstück über die moralischen Abgründe in der Welt der Reichen und Schönen inszeniert, kündigt die Berlinale an.

Berlinale: "Transit", Edelprostituierte und ein "Happy Prince"

Colin Morgan und Rupert Everettin „Happy Prince“. Foto: Wilhelm Moser

Rupert Everett mit „Happy Prince“

Und noch ein Schriftstellerporträt: In der Reihe Berlinale Special stellt der britische Schauspieler und Regisseur Rupert Everett seinen Film „The Happy Prince“ vor. Er spielt darin selbst den späten Dandy und Lebemann Oscar Wilde, der sich durch seine skandalumwitterten Beziehungen mit Männern selbst ins Unglück stürzte.

Insgesamt sind bei dem Festival bis zum kommenden Wochenende 385 Filme aus 78 Ländern zu sehen. 19 Titel bewerben sich um den Goldenen und die Silbernen Bären. Die Auszeichnungen werden am 24. Februar vergeben. (dpa)

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