Zum Jahrestag17. Todestag von Moshammer: Schrilles Leben und einsamer Tod – Neue Doku

Leni HübnerLeni Hübner | 13.01.2022, 21:15 Uhr
Modezar Rudolph Moshammer: Sein schrilles Leben und der einsame Tod
Modezar Rudolph Moshammer: Sein schrilles Leben und der einsame Tod

Foto: RTL

Bis heute bewegt die Geschichte des Modekönigs die Menschen, doch wer war Rudolph Moshammer? Eine neue Dokumentation gibt tiefe Einblicke und weckt Erinnerungen.

„Wenn man Liebe kaufen muss, ist man am Ende“, hat Rudolph Moshammer einmal gesagt, wenige Jahre später musste er erfahren, wie Recht er damit hatte. Sein Mörder war ein Stricher, den der damals 64-Jährige im Münchner Bahnhofsviertel aufgegabelt hatte. Der Mann, der aus dem Irak stammte, hat Moshammer 2005 mit einem Kabel erdrosselt. Am 14. Januar jährt sich der Tag von Mosis gewaltsamen Tod zum 17. Mal.

Eine Größe der Münchner Schickeria

Geblieben ist bis heute eine Legende. Zahlreiche Weggefährten wie Boulevardjournalist Michael Graeter, Schauspielerin Birgit Bergen oder Mosis Schulfreundin Veronique Aimee kommen in der Dokumentation „Der käufliche König“ zu Wort. So sagt Michael Graeter, dass Moshammer ein „Meister im Schaumschlagen“ gewesen sei. Aus seinem Mund kling das wie ein Kompliment.

Moshammer wollte immer ein berühmter Modeschöpfer werden, das ist ihm gelungen, obwohl er eigentlich nicht mehr war als ein Verkäufer in einer Herrenboutique. Aber er hatte den Mumm, über sich hinauszuwachsen. Er wollte das schöne Leben haben, dass andere Designer sich leisten konnten. Umgesetzt haben seine Ideen echte Direktricen.

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Mode war beinahe Nebensache

Er hatte auch kein Problem damit, Ware aufzukaufen und zu verbessern, um sie zu einem echten Moshammer-Stück zu machen. Das war dreist, aber die wenigen, die davon wussten, schwiegen, anderen war es egal. Denn Moshammer entwickelte sich zu einer pompösen Marke, von der der durchaus erfolgreiche Harald Glööckler (56) nur träumen kann.

Der Laden „Carneval di Venice“ in der Maximilianstraße, der später schlicht „Moshammer“ hieß, war mehr als ein Geschäft, er war ein Treffpunkt der Schickeria. „Die Schickeria ist alles, wer dabei ist, ist dabei“, meint Michael Graeter und man versteht, warum er das Vorbild für den Reporter Baby Schimmerlos in „Kir Royal“ war – aber das nur am Rande. Die Bussi-Gesellschaft war und ist ein funktionierendes Netzwerk. Und Moshammer überzeugte nach und nach alle von sich.

Ein Outing kam nicht in Frage

Seine Busenfreundin machte Mosi zur Alibi-Frau. „Er wollte sich mit mir schmücken, um zu zeigen, dass er nicht schwul ist“, erzählt Veronique Aimee, „aber geglaubt, hat ihm das eh keiner, die Münchner haben doch viel mehr gewusst als ich.“ Sie war nicht dabei, wenn er sich abends Kerle aufgerissen hat. Aber der Schein musste gewahrt werden, auch wegen der vielen konservativen Kunden, die sein Geschäft sonst gemieden hätten, meint Birgit Bergen.

Damals – vor knapp 20 Jahren – war schwul sein nicht hipp, es war „eine Schande“. Moshammers Angst, dass seine Homosexualität öffentlich wird und sein Lebenswerk zerstört, war nicht unberechtigt. Während die Schickeria recht offen war für alles, hielt man sich im Rest der Republik an kirchliche Gebote und den Mief der Spießigkeit.

Der König der Branche

Trotzdem strömten Busladungen an Fans zu Moshammer, um ein Autogramm zu ergattern, die Mode war den meisten zu teuer. Er war so etwas wie die Reinkarnation des Märchenkönig Ludwig II. Und Moshammer war ein Marketing-Genie. Er wusste, wie er Begehrlichkeiten weckte und sie deckte.

Seine engsten Vertrauten waren seine Mutter, sein Hund Daisy und sein Chauffeur. In der Reihenfolge, obwohl vermutlich Letzterer ihn am besten kannte. Mosis Beziehung zu seiner Mutter war eng, zu eng, sagen viele. Den Vater hatten sie gemeinsam verlassen, nachdem der „Top-Manager“ arbeitslos wurde und dem Alkohol verfiel. Später wurde er obdachlos und beging Selbstmord.

Seine treuen Begleiter

Seiner Mutter blieb Mosi bis zu ihrem Tod treu. Sie pushte ihn und verpfuschte ihn. Liebe von anderen ließ sie nicht zu, das behauptete mal ein angeblicher Liebhaber des Modezaren. Sie habe verhindert, dass ihre Liebe eine echte Beziehung wachsen konnte. Moshammer tanzte nach der Pfeife seiner Mutter. „Die hat ganz schön gedonnert, obwohl sie so klein war“, erinnert sich Birgit Bergen und lacht.

Gestritten haben Mutter und Sohn aber auch, sie gab ihm Zuckerbrot und Peitsche, damit er machte, was sie wollte. Und er baute sich ein Doppelleben auf. „Sein Glück war die Mama, die blau gewaschene Else“, analysiert Michael Graeter, „als die noch lebte, war sie das Rückgrat von Rudolph Moshammer.“ Nach ihrem Tod 1993 musste Mosi sich erst wieder finden, doch dann ging es schrill und extravagant weiter.

Vier Hunde und ein Name

Kurz darauf wurde Daisy seine ständige Begleiterin. Die kleine Yorkshire-Terrier-Hündin wurde selbst zu einer Ikone und angeblich nach ihrem Ableben dreimal von gleich aussehenden Nachfolgerinnen ersetzt. Für sie entwarf der Meister der großen Gesten eine Kosmetiklinie und eine Hundekollektion. Daisy lebte nach dem Mord an ihrem Herrchen bei Andreas Kaplan, dem Chauffeur des Modezaren.

Auf ihn konnte sich Moshammer verlassen. Er fuhr ihn elf Jahre lang im Rolls Royce überall hin, immer stilecht mit weißen Handschuhen, Mütze und Anzug – auch ins Bahnhofsviertel. Er war es auch, der die Leiche mit dem Kabel um dem Hals gefunden hat. Mosi hinterließ ihm nicht nur eine lebenslange Rente und eine Wohnung, sondern auch Werte wie Disziplin, Durchsetzungsvermögen, Sparsamkeit und Perfektionismus. Kaplan verstarb 2016.

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Die Schwäche zum Schluss

Im Film begibt sich Dragqueen Bambi Mercury auf Spurensuche und genau das ist der Schwachpunkt des Films. Sie kannte Moshammer nicht, aber ihr fehlt auch das Handwerk, ihre Geschichte mit Mosis Drama zu verknüpfen. Spannender ist das Archivmaterial und die Beiträge der, die ihn kannten. Von Roberto Blanco bis zum Testamentsvollstrecker Florian Besold. „Rudolph Moshammer – Der Käufliche König“ ist auf RTL + zu sehen.