Schwarzer Humor„Bestattungsunternehmen“ begeistert mit rabenschwarzer Satire das Netz

Isabell KilianIsabell Kilian | 08.07.2022, 20:24 Uhr
Hin und Weg-Bestattungen
Hin und Weg-Bestattungen

© Hin und Weg-Bestattungen/Twitter

Ein virtueller Bestatter sorgt mit zynischen und sozialkritischen Inhalten für Begeisterung bei Instagram und Twitter. Das steckt hinter dem Satire-Account...

„Ich weiß, ich muss gar nichts – außer sterben und Steuern zahlen“, sagte einst Rock-Musiker Müller-Westernhagen. Dem Tod entkommen wir nicht, warum ihm nicht also einfach mit einer großen Portion Humor und Ironie begegnen?

Das dachte sich offenbar auch das vermeintliche Bestattungsunternehmen „Hin & Weg Bestattungen“ aus Münster. Mit einem äußerst bissigen und sozialkritischen Satire-Projekt sorgen vermeintlichen Totengräber auf Instagram und Twitter für Spaß. Da bekommt „schwarzer Humor“ eine völlig neue Bedeutung. Zum Totalachen sozusagen.

Bestatter oder nicht Bestatter?

Da denkt man, man hat schon alles gesehen und dann taucht im Netz ein virtueller Bestatter auf: Auf Instagram und Twitter macht grad das Bestattungsunternehmen „H&W Bestattungen“ mit aberwitzigen und zynischem Content die Runde.

Was nach einem Betrieb aus Münster aussieht, ist in Wahrheit aber „nur“ ein Satire-Account in den sozialen Medien, der verschiedene politische und soziale Debatten auf zynische und sarkastische Weise auf die Schippe nimmt. Wer hinter dem Account steckt soll geheim bleiben. Der Mann, der dahintersteckt ist wohl Münsteraner und erklärte gegenüber dem WDR zur Motivation:

„Mein Ziel ist Aufmerksamkeit. Und das erreiche ich
durch die Grenzüberschreitung bei meinen Posts.“

Und weiter sagte er: „Ich möchte sensibilisieren mit meiner Satire“. Und das scheint ihm zu gelingen.

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Sozialkritische Totengräber werben um Pflegekräfte

Bei seinen originellen Kreationen bekommt nicht nur die AFD ihr Fett weg, auch rasende oder alkoholisierte Fahrer, Raucher oder Eltern, die ihr Kind bei Sommerhitze im Auto lassen, werden mittels Ironie hopps genommen. Das Konzept: Plakatkampagnen fotografieren, mit Photoshop bearbeiten und mit neuen Botschaften versehen.

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Mit einem weiteren Post macht „Hin und Weg Bestattungen“ außerdem auf den Pflegenotstand aufmerksam und ruft zum Umstieg zum Bestatter auf: „Du bist eine Pflegekraft? Überarbeitet? Zu wenig Gehalt? Kündige bitte“, heißt es auf dem vermeintlichen Werbebanner. „Faire Bezahlung, kein Burnout und ruhige Kunden“, werben die virtuellen Totengräber. Na, welche Pfleger können bei den Konditionen noch nein sagen!

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Netz reagiert mit gleichem Sarkasmus

Die Resonanz in den sozialen Medien ist großartig: „Aber es wäre doch viel besser, wenn die sich weiterhin überarbeiten und eure Kunden werden“, postet ein User unter die vermeintliche Abwerbung von Pflegepersonal.

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Man kann geradezu Stunden auf dem Account der Fake-Bestatter verbringen – Posts wie Kommentare bieten viel Unterhaltung. „Raucher sind unsere liebsten und coolsten Kunden“, lautet die Bildunterschrift zur Raucher-„Werbung“. Ein Nutzer scherzt: „Asche zu Asche – Staub zu Staub!“

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Gleichzeitig kommen aber auch nicht alle Gags gut an. Ein Post zum Thema fehlende Therapieplätze stößt auf Widerstand: Bisschen geschmacklos ehrlich gesagt“, findet ein User. Ein anderer: Als selber betroffene Person, die eigentlich auch schwarzen Humor hat und versteht, muss ich sagen, dass geht schon ein wenig weit und hat echt einen Faden Beigeschmack.“ Funktionieren tut die Strategie dennoch, schließlich reden die Leute. Wir finden’s super!