Pimmel-Affäre: Twitter-User beleidigt Innensenator und wird von Polizei besucht

Die Pimmel-Affäre: Twitter-User beleidigt Innensenator und wird von Polizei besucht
Die Pimmel-Affäre: Twitter-User beleidigt Innensenator und wird von Polizei besucht

IMAGO / Chris Emil Janßen

09.09.2021 21:20 Uhr

Man muss sich neuerdings anscheinend wirklich in Acht nehmen, wenn man etwas auf Twitter oder Instagram zum Besten gibt: Ein lächerlicher Kommentar eines Twitter-Users über den Hamburger Innensenator Andy Grote hatte nun fatale Folgen.

Wahrscheinlich hat jeder schon mal eine schlimmere Beleidigung gehört als „Du bist so ein Pimmel!“ Das mutet schon eher ein wenig kindergärtlich an. Aber Innen- und Sportsenator Andy Grote konnte diese öffentliche Bloßstellung eines Twitter-Users zu seiner Person nicht auf sich sitzen lassen – und hetzte ihm die Polizei auf den Hals.

Duell zweier Hitzköpfe auf Twitter

Man könnte meinen, dass sich Herr Innensenator das ganze Phallus-Drama eigentlich selbst eingebrockt hat. Ende Mai hatten nämlich ein paar Feierlustige sich dazu durchgerungen, ihrem Bedürfnis nach Geselligkeit im Hamburger Schanzenviertel nachzugehen – ganz zum Unmut des betroffenen Politikers. Der twitterte nämlich prompt: „In der Schanze feiert die Ignoranz! Manch einer kann es wohl nicht abwarten, dass wir alle wieder in den Lockdown müssen.“

Grotes Tweet sorgte natürlich für heftige Reaktionen auf der Plattform. So betitelte der Twitter-User „ZooStPauli“ den Hamburger Innensenator kurzerhand als „Pimmel“. Drei Monate später gab es nun bittere Konsequenzen für den Fan einfach gebackener Humoristik: Polizisten tauchten in der Früh vor seiner Tür auf…

Polizeieinsatz wegen „1 Pipi-Kaka-Humor“

Da hat sich der gute „ZooStPauli“ bestimmt heftig erschrocken, als plötzlich einige Polizisten um 6 Uhr morgens seine Wohnung stürmten. Auch die Polizei bestätigte die Hausdurchsuchung: „Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat das Amtsgericht Hamburg einen Durchsuchungsbeschluss erlassen, welcher heute Morgen in der Bernhard-Nocht-Straße vollstreckt wurde“, heißt es in der Hamburger Morgenpost. Anscheinend gehört der Twitter-Account des Users „ZooStPauli“ zu einer Kneipe in St.Pauli. Besagter User klagte nach der Hausdurchsuchung öffentlich sein Leid auf Twitter mit den Worten:

„Heute morgen um 6.00 gab es eine Hausdurchsuchung. 6 Beamt*innen in der Wohnung. Gesucht wurde das Gerät, mit dem „du bist so 1 Pimmel“ unter einen Tweet von Andy Grote geschrieben wurde. Sie wissen, dass zwei kleine Kinder in diesem Haushalt leben. Guten Morgen, Deutschland.“

Berechtigte Kritik an Polizei-Methoden

Natürlich entfachte der Polizeieinsatz eine heftige Diskussion auf Twitter: Wie verhältnismäßig ist denn ein solcher Einsatz, nur weil jemand betont sarkastisch den Tweet eines Politikers kommentiert, der sogar kurz zuvor selbst noch in der Kritik stand, weil er während der Pandemie eine Party für 30 Personen veranstaltete?

Natürlich darf an der Sinnhaftigkeit einer solchen Aktion gezweifelt werden, weshalb die gesamte Twitter-Community unter dem Hashtag #pimmelgate nun eine Grundsatzdebatte über Polizeieinsätze in Deutschland ausgelöst hat.

Die fatalen Pimmelgate-Konsequenzen

Laut Polizeibericht kam es nach dem Schmäh-Tweet vom 30. Mai zu einer Strafanzeige: Die wurde komischerweise aber nicht vom betroffenen Senator gestellt, sondern von einem Polizisten. Andy Grote hat sich dann auf Anraten der Polizei dazu entschlossen, einen Strafantrag zu stellen. Erst danach war es der Polizei möglich, die Ermittlungen aufzunehmen und den Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des Herrn„ZooStPauli“ vom Amtsgericht Hamburg genehmigen zu lassen.

Die Moral von der Geschicht: Manchmal lohnt es sich auch, eine Hausdurchsuchung über sich ergehen zu lassen, wenn man für sein eigenes Recht auf Meinungsfreiheit einstehen will. Denn immerhin leben wir ja hier in 1 Demokratie 11Elf!!.