Elegant erzählt: „Green Book – Eine besondere Freundschaft“

Der gefeierte Pianist Dr. Donald Shirley (Mahershala Ali, r) lässt sich vom Nachtklub-Türsteher Tony (Viggo Mortensen, l) im Cadillac DeVille chauffieren.
Der gefeierte Pianist Dr. Donald Shirley (Mahershala Ali, r) lässt sich vom Nachtklub-Türsteher Tony (Viggo Mortensen, l) im Cadillac DeVille chauffieren.

--/ARD Degeto/Universal Studios/dpa

16.07.2021 13:40 Uhr

Ein vielfach preisgekrönter Hollywood-Film über zwei ungleiche Männer in schwierigen politischen und gesellschaftlichen Zeiten läuft erstmals im Fernsehen. - Eine Reise durch die Südstaaten.

Zwei Männer – einer weiß, einer schwarz – begeben sich im Herbst 1962 auf eine lange und bemerkenswerte Autofahrt quer durch die USA bis tief in den rassistisch geprägten Süden hinein. „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ ist an diesem Montag um 20.15 Uhr in der Reihe „Sommerkino im Ersten“ zu sehen.

Tony Lip Vallelonga (Viggo Mortensen) ist ein guter Mensch, ein treuer Ehemann für seine Frau Dolores (Linda Cardellini) und ein lieber Vater für seine beiden Söhne. Aber er kennt auch die rauen Seiten des Lebens, insbesondere in New York, wo die italo-amerikanische Familie lebt. Tony arbeitet als Türsteher für einen Club, der nun wegen eines Umbaus für mehrere Monate schließen wird.

Da er dringend Geld verdienen muß, bewirbt er sich bei dem schwarzen Klassik-Pianisten Dr. Don Shirley (Mahershala Ali), der einen Chauffeur für seine Konzerttournee sucht, die ihn zwei Monate lang von New York bis in die Südstaaten führen soll. Obwohl Shirley nicht nur einen Fahrer, sondern auch einen Assistenten sucht, schlägt Tony ein, da ein gutes Honorar winkt.

Auf ihrer Reise in einem türkisfarbenen Cadillac DeVille nähern sich die beiden grundverschiedenen Männer langsam einander an. Der äußerst kultivierte Don versucht behutsam, Tonys eher schlichte Ausdrucksweise zu verbessern und hilft ihm beim Verfassen der Briefe an Dolores, in denen er dann sehr charmant über seine Gefühle und die Landschaft erzählt. Umgekehrt kann Tony ihn dazu überreden, auch mal Finger Food zu essen und sich die Musik anderer schwarzer Künstler wie Aretha Franklin oder Little Richard anzuhören, die ihm nach seinen Worten zuvor noch nie zu Ohren gekommen ist.

Regisseur Peter Farrelly (64, „Verrückt nach Mary“) und Drehbuchautor Nick Vallelonga (61) zeigen, wie zwischen diesen beiden Männern Respekt und Freundschaft langsam wachsen. Zu sehen sind auch die rassistischen Anfeindungen, denen Don mehrfach ausgesetzt ist. So darf er nicht mit Tony essen oder auch nur auf die Toilette gehen, wenn beides ausschließlich für Weiße erlaubt ist. Der Titel des Films geht auf das „Negro Motorist Green Book“ zurück, das im grünen Einband erschien und vom Autor Victor Green von 1936 bis 1966 in den USA herausgegeben wurde. Darin stand zu lesen, welche Ärzte, Hotels und Tankstellen auch schwarze Autoreisende bedienten.

Die beiden Hauptdarsteller spielen ihre Figuren, die es beide tatsächlich gegeben hat, sehr glaubwürdig. Viggo Mortensen (62, „Falling“) ist als robustes Kind der Arbeiterklasse genauso gut wie Mahershala Ali (47, „Moonlight“) als etwas versnobter und hochgebildeter Künstler.

Tony Lip Vallelonga (1930-2013) war im echten Leben später Schauspieler („Die Sopranos“), Don Shirley (1927-2013) trat tatsächlich stets als perfekt gekleideter Mann mit gewählter Ausdrucksweise in Erscheinung. Auch diese gemeinsame Autofahrt hat es gegeben – allerdings musste Tony dabei (anders als im Film) als Fahrer eine Uniform tragen. Tragische und komische Momente wechseln sich ab in diesem ebenso ergreifenden wie sehenswerten Film, Ausstattung und Musik sind exzellent, und vor allem die elegante, stilvolle und ruhige Erzählweise vermag zu überzeugen.