Ellen Pompeo: „Grey’s Anatomy“ oder Karriere-Ende

Leni HübnerLeni Hübner | 11.01.2022, 16:16 Uhr
Ellen Pompeo: „Grey's Anatomy“ rettet ihr Leben
Ellen Pompeo: „Grey's Anatomy“ rettet ihr Leben

Foto: IMAGO/ Cover-Images

Ohne Ellen Pompeo würde die berühmte Arztserie nicht funktionieren, aber ist die Schauspielerin nicht umgekehrt längst abhängig davon, immer neue Staffeln zu drehen.

Es gibt wohl kaum jemanden in den USA und Deutschland, der noch nie etwas von „Grey’s Anatomy“ gehört hat. Die Arztserie läuft seit 2005 und erfreut sich auch nach fast 400 Folgen in 18 Staffeln immer noch großer Beliebtheit. Immer mit dabei: Ellen Pompeo als Hauptfigur Meredith Grey. Jetzt gibt die 52-Jährige zu, dass sie vor allem das Geld gelockt hat, immer weitere Staffeln zu drehen.

Ein Leben nach Drehplan

Während die junge Assistenzärztin Meredith Grey zur Oberärztin und Leiterin der Allgemeinchirurgie wurde und außerdem im Vorstand des Grey Sloan Memorial Hospitals sitzt, ist Ellen Pompeo nach wie vor eine Seriendarstellerin und nicht die Oscarpreisträgerin, wie sie es sich vielleicht als Schauspielschülerin erträumt hat.

Es ist sinnlos zu versuchen, in einem Absatz die gesamte Seriengeschichte zusammenzufassen, nur für die drei Menschen, die noch gar nichts darüber wissen: Die Serie erzählt das Leben von Dr. Meredith Grey, die als Anfängerin in die Klinik in Seattle kam und nun bei den ganz Großen mitspielt. Sie hat die Liebe ihres Lebens Dr. Shepard (gespielt von Patrick Dempsey) nach 11 Staffeln durch einen Unfall verloren und ist seither als attraktive dreifach Mutter immer wieder auf dem Singlemarkt.

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Vom Pech zum großen Glück

Ellen Pompeo hat sich mit ihrem Schicksal arrangiert. Ihre Anfänge im Showbusiness waren vielversprechend, aber unglücklich. Die meisten Szenen mit ihr wurden aus den Kinofilmen wieder herausgeschnitten, nachdem sie mit Mühe eine kleine Rolle ergattert hatte. Die Grey-Rolle war für sie dann die große Chance, endlich bekannt zu werden. Die dritte Staffel brach in den USA sämtliche Zuschauerrekorde und Pompeo wurde 2007 für den Golden Globe nominiert.

Das war die Zeit, in der sie hätte abspringen sollen. Sie blieb. Heute hat sie nur noch die Wahl, weiter zu spielen oder den Beruf aufzugeben. Auch so mancher deutsche Star hängt auf ewig in der Serienfalle fest. So steht Erdogan Atalay (55) seit 1996 eigentlich nur noch für „Alarm für Cobra 11“ vor der Kamera, Hans Sigl verbinden die meisten Zuschauer seit 13 Jahren in erster Linie mit dem „Bergdoktor“ und kaum jemand erinnert sich daran, dass Mutter Beimer eigentlich Marie-Luise Marjan heißt, die die Rolle ganze 35 Jahre spielte.

Sicherheit statt Karriere

Es ist also Fluch und Segen zugleich, mit einer Serie berühmt zu werden. Man wird ein Star, man erhält gute Gagen, man weiß, dass man jedes Jahr wieder neue Drehs hat. Ohne eine feste Rolle in einer Serie oder Reihe besteht der Schauspielberuf vor allem aus Unsicherheiten. Man weiß nie, ob das nächste Projekt gut oder schlecht ist für die Karriere, ob es ein Flop wird oder ein Kultfilm. Während der Arbeit gehen ja alle davon aus, einen Erfolg zu produzieren.

Als Schauspielerin hat sich Ellen Pompeo also in eine Sackgasse manövriert. „Ich bin geblieben, um Geld zu verdienen“, erzählt sie im Podcast der Journalistin Jemele Hill. Eine Aussage, die hohe Wellen schlug. So viel Ehrlichkeit tut manchmal nicht gut. Zum Glück nehmen die Fans es ihr nicht übel und auch die Zahlen stimmen noch, so dass Pompeo nun den Vertrag für Staffel 19 unterschrieben hat.

Immer weiter und weiter

Vielleicht war die zu hohe Welle auch der Grund, dieses Mal die Verlängerung ganz leise und fast selbstverständlich anzugehen. Dass die Serie ausläuft, wie letztes Jahr behauptet, scheint nämlich auch vom Tisch. Ellen ist bereit, die Rolle so lange zu spielen, wie die Zuschauer es zulassen. „Für mich persönlich war ein gesundes Privatleben wichtiger als die Karriere“, betont sie. Das Geld bietet die Sicherheit, nicht den großen Reichtum.

„Ich bin nicht mit einer besonders glücklichen Kindheit aufgewachsen“, erzählt sie weiter im Podcast. Darum war und ist ihr ein intaktes Familienleben mit ihrem Ehemann Chris Ivery und den drei Kindern Stella (12), Sienna (7) und Eli (5) wichtig, um – wie sie es sagt: „das Loch in meinem Herzen zu schließen“.

Gesund und glücklich

Ob sie jemals eine andere Rolle spielen wird, wenn die Serie ausläuft, ist fraglich, aber für Ellen Pompeo unwichtig. „Grey’s Anatomy“ hat ihr das Leben ermöglicht, dass ihr guttut – fernab von spannenden Rollen und großen Preisen. Aber so bleiben ihr jenseits von Hollywood auch viele Sachen erspart, mit denen sich andere Stars herumplagen: von Drogensucht, über Alkoholmissbrauch bis hin zu Abhängigkeit von falschen Menschen.