Filmkritik: Lügen und Manipulationen im „Usedom-Krimi“

dpadpa | 04.11.2021, 12:11 Uhr
Ellen (Rikke Lylloff) hat das falsche Kind in den Armen (mit Max Hopp) in einer Szene aus «Der Usedom-Krimi: Entführt».
Ellen (Rikke Lylloff) hat das falsche Kind in den Armen (mit Max Hopp) in einer Szene aus «Der Usedom-Krimi: Entführt».

Oliver Feist/NDR/Razor Film/dpa

Zurück aus der Babypause erlebt Kommissarin Ellen Norgaard im „Usedom-Krimi“ einen Alptraum, als ihr Kind entführt wird. Ein spannender Film mit vielen Handlungsebenen erwartet die Zuschauer.

Eine psychisch kranke Entführerin setzt im neuen „Usedom-Krimi“ die Polizei unter Druck: Die Frau hat den Sohn von Kommissarin Ellen Norgaard in ihrer Gewalt.

Schatten der Vergangenheit

Ex-Staatsanwältin Karin Lossow (Katrin Sass) ist natürlich auch involviert: Ellen ist für sie wie eine Tochter und außerdem kennt sie die Entführerin von früher. Zu sehen ist die 14. Folge des „Usedom-Krimi“ an diesem Donnerstag um 20.15 Uhr im Ersten. Star des Krimis ist Marion Kracht, die mit feiner Mimik glaubwürdig die gefährlich gestörte Entführerin gibt. Krachts sehenswertes Spiel gleicht Schwächen im Drehbuch locker aus.

Es ist der erste Arbeitstag von Ellen (Rikke Lylloff) nach ihrer Babypause. Schweren Herzens übergibt sie ihren kleinen Jesper der Tagesmutter Britta (Ulrike Röseberg). Die junge Frau verbringt die Zeit mit drei Kindern auf einem Spielplatz am winterlich kalten Strand von Usedom. Plötzlich gesellt sich eine unbekannte Frau hinzu. Sie verwickelt Britta in ein Gespräch, gewinnt schnell deren Vertrauen.

Schwäche im Buch

Damit die Unbekannte Jesper entführen kann, braucht es einige Zufälle und eine höchst unwahrscheinliche Reaktion der Tagesmutter – die wohl größte Schwäche des Drehbuches: Denn zufällig hat ihr eigenes Kind Karl die Windel voll und Britta bittet die Unbekannte, auf Jesper und das dritte Kind aufzupassen, während sie mit Karl zum Windelwechseln geht. Welche Tagesmutter würde die ihr anvertrauten Kinder einfach einer Unbekannten überlassen? Unklar ist anfangs auch, ob die Unbekannte Jesper gezielt entführt oder ob sie zufällig ausgerechnet den Sohn der Kommissarin mitnimmt.

Letztlich sind diese Schwächen der Handlung aber Nebensache – Marion Kracht, die einst in den 1980er Jahren mit den ZDF-Familienserien „Diese Drombuschs“ und „Ein Heim für Tiere“ einem großen Publikum bekannt wurde, überzeugt mit reduzierter Gestik und Mimik als Entführerin. Der Zuschauer merkt schnell, dass die Frau hinter der freundlichen Fassade so gar nicht harmlos ist.

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Alles Lüge und Manipulation

Die Entführerin lügt wie gedruckt, sie tischt anderen Märchen auf, sie manipuliert ihre Mitmenschen, macht sie sich zunutze. Sie schwankt zwischen boshaft und allzu liebenswürdig. Hinter all dem scheint eine tiefe Unzufriedenheit mit sich selbst und dem eigenen Leben zu stecken. Aber warum entführt sie Jesper? Der Fall entwickelt sich zu einem Familiendrama und irgendwie dreht sich bald alles um Vergangenheitsbewältigung.

Regisseur Felix Herzogenrath gelingt es, die zahlreichen Handlungsstränge zu verknüpfen, ohne sie dabei zu verwirren. Karin kennt die Entführerin aus der gemeinsamen Jugend in der DDR. Ihre Beziehung zum polnischen Kollegen Lucjan Gadocha (Merab Ninidze) wird auch auf eine Probe gestellt. Und dann will sie ihr Haus loswerden. Sie bietet es zum Verkauf an. Was sagt Marion Kracht zu ihrem Part im „Usedom-Krimi“? „Ich bin für die Rolle unendlich dankbar.“ Dem Publikum sei verraten: Sie taucht in der übernächsten Folge (18. November) wieder auf.