Geheimniskrämerei um Charly Hübners Abschied im „Polizeiruf 110“

dpadpa | 22.11.2021, 20:07 Uhr
Geheimniskrämerei um Charly Hübners Abschied im „Polizeiruf 110“
Geheimniskrämerei um Charly Hübners Abschied im „Polizeiruf 110“

© NDR/Christine Schroeder

Wenn TV-Kommissare eine Serie verlassen, spielen sie im Drehbuch mit ihrem Leben. Siegfried Lowitz wurde von Christoph Waltz erschossen. Christian Ulmen endete als Fernseh-Gespenst. Was blüht Charly Hübner?

2022 wird der letzte Rostocker „Polizeiruf 110“ mit Charly Hübner als Sascha Bukow laufen. Doch wie seine Figur aus der Serie ausscheidet, soll bis zum letzten Moment streng geheim bleiben.

Deswegen zeigt der Norddeutsche Rundfunk (NDR) nicht einmal den Fernsehkritikern das Ende des Sonntagabendkrimis vor der Ausstrahlung.

Geheimniskrämerei um Charly Hübners Abschied im „Polizeiruf 110“

© NDR/Christine Schroeder

Presse darf Film vorab nicht komplett sehen

„Um die Spannung zu halten und jeden Spoiler darüber auszuschließen, wie sich diese Figur aus der Reihe verabschiedet, bitten wir um Verständnis, dass wir den Film ohne die letzten 15 Minuten zur Ansicht in den Vorführraum stellen.“ In einem solchen virtuellen Raum können TV-Rezensenten für gewöhnlich einen Film sichten, bevor er im Fernsehen läuft, um Empfehlungen auszusprechen. Sie bekommen diesmal nur die ersten 75 der 90 Minuten Krimi zu sehen. Der Sonntagabendkrimi „Keiner von uns“ läuft am 9. Januar im Ersten.

Unter Spoilern versteht man unerwartete Ausblicke auf einen wichtigen Clou oder Handlungsumschwung in einer Sendung. Journalisten, die eine Fernsehsendung, einen Kinofilm oder ein Buch besprechen, setzen Spoiler in der Regel nur sehr zurückhaltend ein. Oder sie warnen Leser, die sich überraschen lassen wollen, mit einer Ankündigung vor, dass Vorgriffe auf wichtige Teile der Handlung sie im Text erwarten.

Rätselraten um Charly Hübner geht weiter

Nun dürfen die Fans rätseln. Denn das Ausscheiden eines TV-Kommissars aus einer Krimiserie hat im deutschen Fernsehen schon viele Varianten erlebt. Zuweilen bedeutete es den Tod für die Ermittlerfigur. Ein kleiner Schock für das Publikum waren etwa die tödlichen Schüsse auf ZDF-Kommissar Erwin Köster (Siegfried Lowitz) 1986. Der Schütze in dem Krimi war übrigens der spätere James-Bond-Bösewicht Christoph Waltz. „Tatort“-Ermittler Christian Ulmen geisterte jüngst sogar noch als Gespenst durch seine letzte Folge in der Rolle von Kommissar Lessing. Oft passiert es aber ganz unblutig. Die „Tatort“-Kommissare Paul Stoever (Manfred Krug) und Peter Brockmöller (Charles Brauer) verabschiedeten sich 2001 mit einer Swing-Einlage und Cheerleadern.

Geheimniskrämerei um Charly Hübners Abschied im „Polizeiruf 110“

© NDR/Christine Schroeder

„Keiner von uns“ ist nach fast zwölf Jahren der letzte „Polizeiruf 110“ aus Rostock mit Charly Hübner als Kommissar Sascha Bukow. Der Ausstieg des Schauspielers war im Mai bekanntgeworden. Dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ sagte Hübner damals: „Irgendwann hat die Figur angefangen, meine gesamte Arbeit zu dominieren. Dann kommen Regisseure in ganz anderen Arbeitszusammenhängen und sagen: „Komm, mach doch mal den Bukow!“ Das ist konträr zu dem, was ich will.“