Gewalt in Luxusvilla: Dresdner „Tatort“ geht unter die Haut

dpadpa | 04.06.2022, 11:15 Uhr
Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach, l) befragt Simon Fischer (Christian Bayer) in einer «Tatort»-Szene.
Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach, l) befragt Simon Fischer (Christian Bayer) in einer «Tatort»-Szene.

Hardy Spitz/MDR/MadeFor/dpa

Keine Leiche, aber viel Blut und ein cholerischer Ehemann auf der Suche nach seiner Frau. Der neue Fall des Dresdner „Tatort“-Teams zehrt an den Nerven.

Zwei Kriminalkommissarinnen stehen im Glitzer-Outfit in einer gespenstisch verwaisten Villa: Die Stimmung im „Tatort“-Krimi aus Dresden geht unter die Haut.

Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und ihre Kollegin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) sind nicht begeistert, als sie auf dem Weg zum Feiern Zwischenstopp an diesem Ort machen müssen. Nicht nur sie und ihren schnell genervten Chef bringt „Das kalte Haus“ an die Grenzen: physisch, psychisch, emotional. Der Fall läuft am Pfingstmontag um 20.15 Uhr im Ersten.

Grusel statt Party – die Ansage von Chef Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) über Handy war deutlich: „Wenn der Staatsanwalt mich anruft und bittet, mich zu kümmern, dann spielen Sie jetzt Streife.“ Gorniak und Winkler stellen Bier und Champagner ab, fahren zum parkähnlichen Anwesen von Simon Fischer, einem machtversessenen Geschäftsmann, der seine Frau als vermisst gemeldet hat.

Die gespenstische Leere in Zimmern, Kammern, Ecken, eine klappernde Wintergartentür und komplette Dunkelheit können einen genauso beunruhigen wie die blutbesudelte weiße Satinwäsche auf dem Designerbett – und aus den Boxen dröhnt Popmusik. Keine Kampfspuren, keine Leiche. „Mord, Selbstmord, ein okkultes Ritual, Entführung?“ Gorniak und Gröschel rätseln.

Ganze Passagen sind improvisiert

Schnitt. Ein Mann im verrutschten Anzug rennt, sichtlich verzweifelt, durch die Gegend. Es ist Fischer (Christian Bayer), der sich nach dem Notruf selbst auf die Suche gemacht hat. Porträts der Vermissten hängen an Wänden und in Nischen, ein leeres Kinderzimmer ganz in Pink ist verstörend anzusehen. Die getragene Musik unterstreicht die gedrückte Stimmung, die im ganzen Haus spürbar ist. Und dann ist da noch eine Speicher-Karte mit erschreckendem Inhalt.

„Ich kenne den Polizeipräsidenten, ein Anruf genügt“, macht Fischer den Ermittlern Druck. Es geht ihm zu langsam, er will Helikopter, Suchmannschaften, „eine Armada von Leuten“ – und verliert langsam die Kontrolle über sich. Er geht auf die Polizisten los, behindert die Ermittlungen. Bis in alte Stollen reicht die großangelegte Suche nach seiner Frau Kathrin. Die Psychologin ist im Internet bekannt, ihr Studio im Gartenhaus und dort liegt auch ein gepackter Koffer.

Für Gorniak ist Fischer, der bei Stress schnell nervös wird, der Hauptverdächtige. „Es ist was faul an dem“, sagt Gorniak. „Ich spüre, dass da was nicht stimmt, so einem rutscht leicht die Hand aus.“ Nachbarn berichten von Streit und Gewalt in der nach außen harmonischen Ehe, auch Kathrins Freundin Beate spricht von Gewalt – und der Drohung, dass „er“ sie tötet, „in einem Stollen“.

Der Film ist sehr persönlich, emotional. Dabei hat die Regisseurin Anna Zohra Berrached den Darstellern viel Freiraum gelassen, ganze Passagen sind improvisiert. Die Kommissarinnen sind trotz Disputen einander zugewandt. Schnabel indes ist für Gorniak ein rotes Tuch.