Kekse aus der Urne: Der ZDF-Krimi „Friesland“

dpadpa | 28.02.2022, 16:24 Uhr
Insa Scherzinger (Theresa Underberg) nimmt ihren Undercover-Auftrag ernst.
Insa Scherzinger (Theresa Underberg) nimmt ihren Undercover-Auftrag ernst.

Julia Feldhagen/ZDF/dpa

Eine Polizistin geht über Bord und ist tot. Doch betrübt über den Vorfall beim Rudern ist nur den Chef. Schwarzer Humor aus dem Norden.

Die Polizistin und Spitzensportlerin Claudia stirbt beim Rudertraining an Herzversagen. Aber schnell wird klar, dass dieser Todesfall keine natürliche Ursache hat. Claudia war die große Hoffnung der Polizei in Leer.

Der sonst so griesgrämige Chef Jan Brockhorst ist untröstlich und zeigt sogar unerwartete Anflüge von Mitgefühl. Ein Fall für das „Friesland“-Ermittlerteam – „Aus dem Ruder“ (Mittwoch, 20.15 Uhr, ZDF) lief bereits vor zwei Jahren im TV.

Während der knuffige Streifenpolizist Henk Cassens (Maxim Mehmet) und sein fast immer übelgelaunter Vorgesetzter Brockhorst (Felix Vörtler) auf Spurensuche gehen, schaltet sich wie gewohnt die ortsansässige Apothekerin Insa (Theresa Underberg) ein. Insa nimmt eine Blutprobe von der Leiche, die beim Bestatter Habedank (Holger Stockhaus) zwischengelagert wird. „Auf keinen Fall lasse ich Dich an meine Leiche“, protestiert der Mann in Schwarz, aber zu diesem Zeitpunkt hat die flinke Insa ihre Beweise schon in der Ampulle.

Im schier endlosen Reigen der ZDF-Krimis ist die „Friesland“-Serie so etwas wie der kleine, vorlaute Bruder, der sich nicht um die Regeln schert, aber mit Humor punkten kann. Seit 2014 wird im pittoresken Städtchen Leer ganz im Westen von Ostfriesland ermittelt, und die Zuschauer bleiben den schrulligen Ermittlern aus dem hohen Norden treu.

Diese Episode (Regie: Martina Plura, Kamera ihre Schwester Monika Plura) hat nicht immer wahnsinnig viel Tiefgang, kommt aber schön schwarzhumorig und wenig pietätvoll daher. Und ab und an tun sich auch in der glattgefegten Ostfriesen-Idylle einige Abgründe auf.

Das ist der Reiz von „Friesland“: Provinzpolizisten ermitteln zwischen der Fischbude auf dem Marktplatz und blumengeschmückten Altstadtgassen, unterstützt von einer neunmalklugen Apothekerin und einem Bestatter, der längst verstanden hat, dass sich sein Augenmerk nicht auf die Toten, sondern die Hinterbliebenen richten muss. Auf seinem Schreibtisch steht eine kleine Urne, gefüllt mit köstlichen, selbst gebackenen Keksen.

Nicht zuletzt Hauptdarsteller Maxim Mehmet als unterschätzter Streifenbulle – seine Kollegin Süher Özlügül (Sophie Dal) ist diesmal auf Fortbildung – hält die Episode zusammen. Er ist persönlich involviert, tappt lange im Dunkeln, und bekommt dann doch die Kurve. Aber in ein Ruderboot kriegen ihn danach keine zehn Pferde mehr.