„Late Night Berlin“ laufen die Zuschauer davon. Warum?

Late Night Berlin: Die langweiligste Show der Welt?
Late Night Berlin: Die langweiligste Show der Welt?

Foto: Weiya Yeung/ProSieben

13.10.2021 22:41 Uhr

Während Joko die beste Show der Welt suchte, hat Klass vielleicht schon die langweiligste gewonnen. So richtig unterhaltsam will Late Night Berlin immer noch nicht werden: Das beweist vor allem die letzte Folge mit den Stargästen von Coldplay.

„Late Night Berlin“ kämpf seit der Ausstrahlung der ersten Folge der neuen Staffel mit den Quoten: Zur Jubiläums-Folge am späten gestrigen Dienstag (12. Oktober) schauten nur 520.000 Zuschauer zu – ein Marktanteil von 5,5 Prozent.

Doch warum kann „Der Schwarm“-Schauspieler Klaas Heufer-Umlauf (38) als Showmaster nicht so recht überzeugen?

Ein Quotentief nach dem nächsten

Seit dem Start 2018 kämpft die Show  mit der abtörnenden Edel-Baumarkt-Kulisse  um Zuschauer und gute Quoten. Dabei fing alles so vielversprechend an: Die erste Folge erreichte damals bei den jungen Zuschauern einen Marktanteil von 12,1 Prozent. Zuvor gab das Blödelbarden-Duo Joko und Klaas das Ende vom erfolgreichen Format „Circus Halligalli“ bekannt – die Vorfreude auf ein mindestens genauso witziges Sequel war also groß.

Leider kann die Show bis heute die Erwartungen nicht wirklich erfüllen: Sehr bemüht orientiert sie sich zwar an den amerikanischen Late-Night-Formaten, aber schrammt dann doch immer wieder an deren Originalität vorbei. Letzte Woche erreichte „Late Night Berlin“ ein Quotentief von 3,6 Prozent bei den 14- bis 49-jährigen.

Foto: Weiya Yeung/ProSieben

Trotz Coldplay: Die langweiligste Show der Welt

„LNB“ – wie Klaas‘ Show abgekürzt wird, feierte erst kürzlich ihr 100. Folgen-Jubiläum – und das sollte natürlich gebührend gefeiert werden. Welche Band eignet sich da besser als Coldplay? Das dachte sich auch die Redaktion und lud die Musiker zu sich in die Show ein. Der Schuss ging aber nach hinten los, denn so spritzig und erfolgreich die Band in der Musikwelt auch ist, so langweilig waren Chris Martin und sein Kollege Will Champion leider als Talkshow-Gäste.

Wenn die Antworten des Frontmann Chris Martin (44) auf die Fragen von Klaas eine Farbe bekommen würden, wären sie definitiv beige. Ja gut, Martin liebt Berlin, fährt gern U-Bahn, hat 20 gute Songs auf dem Handy – schnarch. Obendrauf gab‘s nach fast einer Stunde Smalltalk und nach der neuen Coldplay-Single noch eine Stunde Coldplay drauf, weil‘s so schön war. Spätestens da griffen die verbleibenden Zuschauer zur Fernbedienung.

Joko räumt mit „Wer stiehlt mir die Show“ ab

Wenn die beiden privat nicht noch eine gemeinsame Firma hätten, würde sich Joko wahrscheinlich wegen Klaas‘ Quoten ins Fäustchen lachen.

Der Entertainer hat mit seinem eigenen Prime-Time-Format „Wer stiehlt mir die Show?“ deutlich größeren Erfolg, auch dank prominenter Gäste wie Elyas M‘Barek oder Shirin David. Mit 17,7 Prozent Marktanteil bei den für Werbevermarktung wichtigen 14- bis 49-Jährigen, kann sich die Show echt sehen lassen.

Prominente Gäste hat „Late Night Berlin“ auch. Aber woran liegt dann der Misserfolg? Sind die Deutschen einfach immer noch nicht bereit für Late Night? Oder fehlt es Klaas Heufer-Umlauf einfach an Charme?

Foto: IMAGO / Eventpress

Ist Klaas einfach der falsche für den Job?

So richtig will der Funke bei Klaas einfach nicht rüberspringen: Ein wenig zu hölzern, zu steif, zu gewollt wirkt seine Stand-Up Performance in der eigenen Show. Ein paar einschläfernde Gags über Armin Laschet und die Koalitionsverhandlungen machen den Braten eben nicht fett und reichen Ikonen wie Conan O‘Brien (58) oder Jimmy Kimmel (53) nicht das Wasser.

Late Night Berlin: Die langweiligste Show der Welt?

Foto: IMAGO / Christian Spicker

Auch wenn die Ami-Produktionen mit internationalen Stars aufwarten und eine lange Produktions-Tradition nachweisen können, gibt es ein noch viel deutlicheres Qualitätsmerkmal, das Klaas Heufer-Umlauf von echten Talkshow-Mastern unterscheidet: Echte Spontanität und echte Schlagfertigkeit.

Die richtig erfolgreichen TV Hosts waren selbst einmal Komiker und beherrschen ihr Handwerk. Heufer-Umlauf kommt immer eine Spur zu abgehoben rüber, die Einspielfilme und Spiele sind einfallslos, gar nicht mehr innovativ wie einst bei „Circus Halligalli“. Vermutlich hat der Sender strengste Sparmaßnahmen verordnet.

Es wirkt immer alles wie hingeschludert – uninspiriert und unlustig. Doch der dumme Zuschauer frisst halt nicht alles. Für den Vater zweier Söhne und sein Team ist also noch viel Luft nach oben. Nur: Über sich selber lachen reicht halt nicht.