Markus Lanz will kein Studio-Publikum mehr

Paul VerhobenPaul Verhoben | 02.06.2021, 16:03 Uhr
Markus Lanz will kein Studio-Publikum mehr
Markus Lanz will kein Studio-Publikum mehr

© ZDF/Juliane Werner

Markus Lanz ist mit seiner Talkshow auch dank der Pandemie zu einer der wichtigsten Bühnen für die politische Debatte in Deutschland geworden. Der Mann hakt nach und ist gerne streitsüchtig.

Der 52-jährige Moderator selbst glaubt, mit seiner Art zu reden und zu gestikulieren „fürs Fernsehen eigentlich völlig ungeeignet“ zu sein. Das und mehr gestand er jetzt im Interview mit dem Medienmagazin „Journalist“: „Als Gastgeber so herumzuzappeln, wie ich das manchmal mache, und dabei immer näher an den Gast heranzurücken, wirkt über den Bildschirm viel zu raumgreifend und verstößt eigentlich gegen jede Fernsehregel.“

Lanz braucht die Nähe

Er mache das unbewusst, sagt Markus Lanz, er brauche wohl „diese Nähe zum Gegenüber“. Als beispielsweise Friedrich Merz zum ersten Mal auf dem Stuhl direkt neben ihm saß, habe er ihn ein bisschen provoziert und ihm prophezeit, er würde in seiner Partei ohnehin nichts mehr werden. „Da schoss Merz wie eine Kobra nach vorne und meinte: Das wollen wir doch erst mal sehen!“, erzählt Lanz, dem gerne eine gehörige Portion Selbstverliebtheit nachgesagt wird. „Bei Markus Söder vibriert die Luft genauso, ich mag das.“ Es gefällt Lanz, wenn es in der Sendung gelingt, Leute, die „komplett druckfest“ sind, aus dem Tritt zu bringen: „Wenn es zumindest gelegentlich mal einen Augenblick der Wahrhaftigkeit gibt, freue ich mich.“

„Ich sehe mir nichts von mir an, nie. Ich ertrage das nicht.
Wenn ich irgendwo auftauche, schalte ich sofort um.“
Markus Lanz

So wurde „Markus Lanz“ zur Instanz

Seit Beginn der Pandemie musste auch diese Show auf Publikum im Studio verzichten. Ginge es nach dem Gastgeber sollten die Studio-Zuschauer auch künftig wegbleiben. „Den populistischen Ausfallschritt für den schnellen Applaus traut sich heute kaum noch einer. Die Stille im Studio hat die Sendung intensiver gemacht.“ Das habe dabei geholfen, „eine Instanz zu werden“.

Markus Lanz will kein Studio-Publikum mehr

© Journalist/ Christian O. Bruch

Im Interview mit dem journalist kritisiert der 52-Jährige allerdings auch das haltlose Programmschema des ZDF am späten Abend. Die Talksendung, die von Dienstag bis Donnerstag läuft, startet mal um 22.45 Uhr, mal um 23.15 Uhr oder gerne auch kurz vor Mitternacht. „Wir werden da manchmal unglaublich herumgeschoben“, sagt Lanz. Das sorge nicht nur bei der Redaktion gelegentlich für Frust, sondern auch bei den Zuschauern. „Wer eine Sendung kaputtprogrammieren will, nimmt ihr jede Verlässlichkeit.“ Die „Kollegen im Ersten“ bekämen „komischerweise ein verlässliches Sendeschema hin“.

Zudem erzählt der frühere Radiomacher von „Radio Hamburg“ in dem „Journalist“-Gespräch, dass er mit dem Thema Podcast liebäugele: „Wir entwickeln zurzeit eine charmante Idee mit Richard David Precht.“

"Markus Lanz" künftig auch weiter ohne Studio-Publikum?

© ZDF/Juliane Werner

Seit 2008 gibt’s die Talkshow

Lanz moderierte seit 2008 die nach ihm benannte Talkshow im ZDF. 1992 absolvierte Lanz ein zweijähriges Volontariat bei Radio Hamburg. Der Durchbruch gelang ihm als er von September 1998 bis März 1999 Barbara Eligmann während ihrer Babypause als Moderator der RTL-Sendung „Explosiv“ vertrat. Von April 1999 bis März 2008 moderierte er die Sendung schließlich regelmäßig und war ab Ende 2004 auch Redaktionsleiter.

Lanz vertrat im ZDF Johannes B. Kerner mit dessen Talkshow während dessen Sommerpause 2008 und 2009 mit seiner eigenen Talksendung „Markus Lanz“. Seit Oktober 2009 wurde die Talksendung regelmäßig dienstags bis donnerstags ausgestrahlt.