Masud oder Linus: Zoff um Kindernamen ist filmreif

dpadpa | 05.11.2021, 11:41 Uhr
Eigentlich eine glückliche Familie: Faraz (Reza Brojerdi) und Viola Helmrich (Amelie Kiefer) mit ihrem Sohn Linus.
Eigentlich eine glückliche Familie: Faraz (Reza Brojerdi) und Viola Helmrich (Amelie Kiefer) mit ihrem Sohn Linus.

Martin Rottenkolber/ARD Degeto/dpa

Am Anfang steht die Liebe, am Ende ein Kulturkampf. Der Film „Familie ist ein Fest - Taufalarm“ überzeugt nur durch sehenswerte Schauspieler und kleine Ideen.

Welchen Namen ein Neugeborener bekommt, ist häufig eine heikle Frage. Auch für Viola (Amelie Kiefer): Sie ist noch von der anstrengenden Geburt des Sohnes mitgenommen. Ihr Wunsch ist der Name Linus.

Der persischstämmige Vater Faraz (Reza Brojerdi) und Oma Anoushe (Sima Seyed) würden den Vornamen von Faraz‘ muslimischem Großvater Masud (Ramin Yazdani) vorziehen – allein schon der Tradition wegen. Das wäre schon genug Zündstoff für die ARD-Komödie „Familie ist ein Fest – Taufalarm“ am Freitag um 20.15 Uhr im Ersten.

Heimliche Beschneidung

Doch das ist nicht der einzige Streitpunkt: Violas katholische Eltern – Beatrice (Victoria Trauttmansdorff) und Holger (Dominic Raacke) – möchten ihren Enkel unbedingt getauft sehen, die muslimischen Großeltern wollen jedoch auf jeden Fall eine rituelle Beschneidung ihres ersten Enkelsohnes, zur Not auch heimlich.

Den bislang unverheirateten, frisch gebackenen Eltern ist Religion eigentlich nicht so wichtig. Aber genau deshalb geraten sie unversehens von einem Dilemma in das andere und müssen sich bald fragen, ob sie wiederum von ihren jeweiligen erstaunlich dickköpfigen Eltern untergebuttert werden. Vollkommen unverhofft dürfen sie sich zudem mit ihren eigenen Identitäten auseinandersetzen und unter sich ausmachen, was sie wirklich wollen. Die Suche nach einem Kompromiss, dem möglichst alle Familienmitglieder zustimmen können, stellt ihre Beziehung auf eine unerwartete und schmerzhafte Probe.

Langatmig inszeniert

Regisseur Sebastian Hilger (37, „Liebe verjährt nicht“) hat seine leider teilweise holzschnittartig geratene Komödie etwas langatmig inszeniert, was auch am fehlenden Biss und an der sich schnell erschöpfenden Frage um die Taufe liegen könnte. Dabei weiß das Thema des Films durchaus zu überzeugen: Was ist wichtiger – Tradition oder Moderne? Patriarchat oder Freigeist? Werden sich am Ende doch die dominanten Großeltern durchsetzen? Doch ehe es soweit kommt, fliegt Faraz in den Iran zu seiner Familie, um Grundlegendes zu klären – während der vermögende Holger seiner Tochter mal eben eine geräumige Wohnung überschreibt.

Der Film wird von den gut aufgelegten Darstellern getragen, die in ihren Rollen schon mal locker gegen das eine oder andere Klischee anspielen nach dem Motto: Was ist nun richtig – oder eben falsch? Gibt es das überhaupt? Zudem sind völlig bürgerliche, also als normal geltende Szenen bei Familienfeiern daheim oder im Schrebergarten zu sehen, die Dialoge sind ziemlich klar und überwiegend sensibel.

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Ende gut, alles gut?

Fazit: Familie kann anstrengend sein, denn jeder muss für sich entscheiden, wie wichtig ihm Glaube, Religion und Herkunft sind. Das seltsam unentschiedene Ende dieses Filmes liefert auf all das keine Antwort – vermutlich gibt es die aber auch gar nicht.