Menowin Fröhlich: Zwischen Drogensucht, Alkoholiker-Vater und Psychiatrie

Serena ShtreziSerena Shtrezi | 02.12.2021, 22:10 Uhr
Menowin Fröhlich: Zwischen Drogensucht, Alkoholiker-Vater und Psychiatrie
Menowin Fröhlich: Zwischen Drogensucht, Alkoholiker-Vater und Psychiatrie

Foto: IMAGO/ Eventpress

So sehr man Trash-TV auch liebt: Irgendwie wirkte die Doku-Reihe von Menowin Fröhlich „Mein Dämon und ich“ eher traurig, als unterhaltsam. Die Lebensgeschichte des gepeinigten Sängers ist geprägt von Gewalt, psychischen Problemen und einer sehr dramatischen Kindheit.

Die Doku „Menowin – Mein Dämon und ich“, die 2020 startete und nun nach 66 Folgen abrupt endet, hat den ein oder anderen Zuschauer wohl ziemlich überrascht. Denn Menowin Fröhlich (34) war wegen seiner Drogeneskapaden und dem arbeitsscheuen Lebensstil ziemlich in Verruf geraten. Welch tragische Geschichte aber eigentlich hinter seiner Erfolglosigkeit steht, wissen die Wenigsten.

Vom DSDS-Megastar zum Kokain-Junkie

Vor genau 17 Jahren schien sich ein neuer Superstar am DSDS-Himmel anzubahnen. Mit seiner engelsgleichen Stimme und vor allem seinem verrückten und selbtbewussten Auftreten, sorgte Menowin Fröhlich für viele Lacher, aber auch erstaunte Gesichter. Sogar Dieter Bohlen war sich sicher, ein wirkliches Ausnahme-Talent in seiner Show zu haben. Doch leider stieg der Erfolg Menowin schnell zu kopf: Er kam zu spät oder nie zu Proben, wurde wegen Körperverletzung verhaftet und schoss letztendlich den Vogel ab, als er auf Koks zu einer Live-Show erschien.

Seine Eskapaden wurden ihm zum Verhängnis, denn auch wenn seine Fanbase recht groß war, verlor er am Ende gegen seinen Mitstreiter Mehrzad Marashi (41). Menowins Lebenstraum platzte und mit ihm auch jeglicher Lebenswille: Von da an war sein Leben nur noch geprägt von Gefängnisaufenthalten, Entzugskliniken und Arbeitslosigkeit.

Menowin Fröhlich: Zwischen Drogensucht, Alkoholiker-Vater und Psychiatrie

Foto: IMAGO / Rene Traut

Der seltsame Fall des Menowin Fröhlich

Seinen tiefen Fall, und den Kampf zurück ins Leben, hat Menowin von einem RTL-Kamerateam begleiten lassen. In der Dokuserie „Menowin – Mein Dämon und ich“, lässt sich der Sänger in 66 Folgen sehr tief in die Seele blicken. So sieht man ihn beispielsweise heulend zu Besuch bei seiner Mutter, in der rechten Hand eine Tüte Kokain, die er sich in der Nacht zuvor fast vollständig reingezogen hat. Dem Nervenzusammenbruch nahe beichtet Menowin dem Kameramann: „Wenn ich da jetzt nicht bald rauskomme, werde ich sterben!“

Menowins Mutter schaut hilflos dabei zu, wie ihr Sohn das kleine Tütchen Kokain vom Balkon wirft. Seine feste Absicht: Nach tausenden erfolglosen Entzugstherapien, will er sein Leben nun endlich in den Griff bekommen und ein für alle Mal clean werden.

Menowin Fröhlich: Zwischen Drogensucht, Alkoholiker-Vater und Psychiatrie

Foto: IMAGO / Future Image

Menowin als Dauergast in Entzugskliniken

Das RTL-Kamerateam begleitet Menowin jeden Tag bei diesem schweren Schritt in die Klinik. Denn auch wenn Menowin in seinen seltenen Momenten sein Leben in die Hand nehmen will, verpuffen die guten Absichten am nächsten Tag in Schall und Rauch. Immer wieder flüchtet er sich in Ausreden und bringt vor allem seine Frau Senay (30) an ihre Grenzen. Nicht nur einmal spricht sie in der Serie von ihrem Wunsch, sich von ihrem Mann zu trennen, mit dem sie immerhin drei gemeinsame Söhne hat.

Das nächste Baby ist auch schon unterwegs, während sich Menowin anscheinend in der Psychiatrie aufhält. Und damit endet auch die Dokuserie des 6-fachen Vaters völlig unerwartet und abrupt. Ist es womöglich ganz um die geistige Gesundheit des Sängers geschehen? Eigentlich nicht. Denn die unzähligen Entzugskliniken haben das Übel in Menowins Leben – seinen inneren Dämon wie er ihn nennt – nicht wirklich an der Wurzel gepackt.

Erst jetzt widmet sich der Familienvater dem wahren Grund seiner lebenslangen Drogensucht: Das Kokain half ihm, die Schrecken seiner Kindheit zu vergessen und mit den emotionalen und physischen Traumatisierungen umzugehen, die wie Narben auf seiner Seele brennen.

Menowin Fröhlich: Zwischen Drogensucht, Alkoholiker-Vater und Psychiatrie

Foto: IMAGO/ Christian Schroedter

Die Schrecken seiner Kindheit verfolgen ihn noch heute

Wenn man sich Menowin Fröhlich während seiner Erzählungen als kleines Kind vorstellt, kann man eigentlich nur noch Mitgefühl empfinden. Er wuchs in den 90er Jahren mit seiner drogenabhängigen Mutter im Ghetto München-Hasenbergl auf. Eigentlich würden diese Voraussetzungen allein schon ausreichen, um einen kleinen Jungen sein Lebtag lang zu traumatisieren. Denn nicht nur einmal sah Menowin seiner Mutter dabei zu, wie sie sich selbst eine Spritze setzte und danach lethargisch auf dem Sofa dahinvegetierte.

Leider schwappten die unguten Lebensentscheidungen von Menowins Mutter auch in ihre Liebesbeziehungen über, denn sie führte eine sehr gewalttätige Ehe. Menowins alkohol -und drogenabhängiger Vater machte es sich zur Lebensaufgabe, das Leben seiner Frau und seines Sohnes zu zerstören. Brutalste Schläge, emotionaler Missbrauch und extremste Verwahrlosung waren an der Tagesordnung. Nicht selten sah der kleine Menowin dabei zu, wie sein Vater die Mutter bewusstlos schlug. Als Sinti-Familie mit Drogenproblemen, war an Hilfe oder soziale Sicherheit natürlich nicht zu denken. So verbrachte Menowin den Großteil seiner Kindheit auch in verschiedenen Kinderheimen.

Im Gespräch mit seinem noch lebenden Onkel beichtet dieser im Gespräch über Menowins traurige Kindheit: „Mein Bruder hat dieses Kind gehasst. Manchmal dachte ich, er würde ihn umbringen!“

Auch wenn Drogensucht keine Entschuldigung für Menowins Fehlverhalten ist: Eine Erklärung für sie bietet sich jedenfalls allemal.