#metoo und Victimblaming: Carolin Kebekus räumt mit Vorurteilen auf

Carolin Kebekus Anfang 2020 in Köln (mia/spot)
Carolin Kebekus Anfang 2020 in Köln (mia/spot)

imago images/Future Image

09.07.2021 18:06 Uhr

Caroline Kebekus ist meistens lustig. Doch die Komikerin kann auch anders. In ihrer aktuellen Show spricht sie über MeToo-Skandale und über die absurden Vorwürfe, denen betroffene Frauen ausgesetzt sind.

Es ist erst wenige Tage her, dass Bill Cosby (83) frühzeitig aus der Haft entlassen wurde. Der Schauspieler wurde verurteilt, weil ihm insgesamt 60 Frauen Missbrauch und Nötigung vorwerfen. Das Gericht hob die Verurteilung nun auf. Ein Schock für die Betroffenen und für viele andere Frauen auf der Welt. Auf Twitter teilen seitdem etliche Promis ihre Empörung. Auch Komikerin Carolin Kebekus (41) fasst das Thema in ihrer Fernsehshow auf und zeigt die Absurdität hinter dem Gedanken, Frauen würden sexualisierte Gewalt nutzen um die eigene Karriere zu pushen.

Carolin Kebekus bei einem Live-Auftritt

IMAGO / Eibner

Carolin Kebekus spricht sich gegen Victimblaming aus

Im Rahmen der achten Ausgabe ihrer Show spricht die 41-Jährige über sogenanntes „Victimblaming“. Dabei wird Frauen, die sexuelle Übergriffe erlebt haben, vorgeworfen selbst schuld zu sein. Der Grund? Falsche Kleidung, man habe sich nicht ausreichend gewährt, nicht oft genug nein gesagt (denn ein einziges „nein“ zählt ja schließlich nicht) oder man würde schlicht und einfach lügen. Eine Methode, an der sich auch Hollywood-Star Bill Cosby vor Gericht bediente.

Carolin Kebekus in der 1. Live Show der 2. Staffel The Masked Singer

IMAGO / Future Image

Karriere-Boost durch sexueller Belästigung

Oftmals geht es sogar so weit, dass den Opfern, die offen über ihre Erfahrung mit sexueller Gewalt sprechen, die Gier nach Medienaufmerksamkeit vorgeworfen wird. Das sei einer „der bescheuertsten Vorwürfe“ überhaupt, erklärt Carolin Kebekus am Donnerstagabend in ihrer Sendung. „Wo und wann zur Hölle, hat sowas je funktioniert? Welche Frau auf der Welt hat bitte jemals als Opfer Karriere gemacht?“ fügt sie hinzu. Wie absurd das Ganze tatsächlich ist, zeigt die Komikerin in einem Film, der an Sarkasmus nicht zu übertreffen ist.

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„Goldene Aubergine“ für Opfer

In dem kurzen Einspieler spielt Carolin Kebekus die Chefin der „Fame by MeToo“-Agentur, die ihren Kunden, darunter Schauspielerinnen, Sängerinnen und Models, die ganz große Karriere verspricht. Alles, was sie dafür tun müssen, ist bekannten Männern öffentlich sexuelle Belästigung vorzuwerfen. „Talent braucht kein Mensch. Oder besser gesagt: keine Frau. Der einzige Karriere-Boost für eine Frau ist immer noch der persönliche Übergriff.“, erklärt Kebekus in ihrer Rolle als Agentur-Chefin an. Denn eine belästigte Frau wird mit „Aufmerksamkeit, Rollen und Preisen“ nur so überschüttet. Das Ganze endet schließlich in einer absurden Preisverleihung. Wer am schlimmsten belästigt wurde, gewinnt die „Goldene Aubergine“ und bekommt obendrein auch noch eine eigene Fernsehshow.

Eine leere Liste sagt mehr als tausend Worte

Wer die Message bis hierhin noch nicht verstanden hat, dem wird sie spätestens in der nächsten Sequenz klar. Nämlich dann, wenn Carolin Kebekus die Liste von Frauen präsentiert, die durch ihre #MeToo-Erfahrungen tatsächlich Ruhm und Reichtum erlangt haben. Wer auf dieser Liste steht? Niemand. Der Bildschirm bleibt leer. „Ich hoffe, jetzt hat wirklich jeder verstanden, wie absurd diese Vorstellung ist“, fasst die 41-Jährige zusammen. (AB)