„Tatort“ aus München: 30 Jahre Leitmayr und Batic

Seit 30 Jahren sind Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl als Münchner Kommissare Batic und Leitmayr auf Verbrecherjagd.
Seit 30 Jahren sind Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl als Münchner Kommissare Batic und Leitmayr auf Verbrecherjagd.

Markus Scholz/dpa

27.12.2020 09:56 Uhr

Kurz nach den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der liebsten Krimireihe der Deutschen gibt es schon wieder ein „Tatort“-Jubiläum - dieses Mal in München.

„Das ist was für Dich, Laura: Junger Mann, 30, wünscht, eine unberührte Nichtraucherin zu ehelichen“. Als die Münchner „Tatort“-Kommissare Franz Leitmayr und Ivo Batic das erste Mal auf dem Bildschirm erscheinen, liest Batic im Auto Kontaktanzeigen vor und singt „Only You“. Leitmayr krümelt den Beifahrersitz voll und knutscht seine Freundin.

Die Botschaft ist klar: Hier erscheinen zwei betont unkonventionelle Kriminalbeamte auf der Bildfläche. Beide lockig, keiner grau. Zwei junge Wilde, weit entfernt von den grauen „Tatort“-Eminenzen, die sie heute sind.

Ihr erster Fall mit dem Titel „Animals“ jährt sich an diesem Neujahrstag zum 30. Mal. In dem 1991 erstmals ausgestrahlten Film müssen sie sich mit einer weniger verbreiteten Todesart befassen: Eine Frau, die vorher versucht hatte, die Ermittler auf illegale Tierversuche aufmerksam zu machen, wird tot aufgefunden. Todesursache: Hundebiss.

Der Film zeigt sie nicht etwa – wie das oft bei neuen „Tatort“-Kommissaren der Fall ist – an ihrem ersten Arbeitstag. Sie sind bereits Münchner Kommissare und Kollegen, so als seien sie das schon immer gewesen.

30 Jahre später stimmt das für eine ganze Generation von „Tatort“-Fans. Nur Ulrike Folkerts als Lena Odenthal in Ludwigshafen ist länger im TV-Dienst. Mehr Fälle als Udo Wachtveitl (62) und Miroslav Nemec (66) in ihren Paraderollen Leitmayr und Batic hat aber kein „Tatort“-Gespann bislang gelöst. 86 Krimis haben die beiden auf dem Buckel – 14 mehr als Odenthal.

Dutzende Fälle rund um „Liebe, Sex und Tod“ (1997), „Starkbier“ (1999), den „Viktualienmarkt“ (2000) und „Die letzte Wiesn“ (2015) folgten auf „Animals“. Vom Amtsantritt bis zu ihrem 25. Dienstjubiläum vor fünf Jahren starben mehr als 150 Menschen im Münchner „Tatort“. Das macht im Schnitt mehr als zwei Tote pro Folge. Sieben Assistenten, der langlebigste unter ihnen Michael Fitz als Carlo Menzinger, haben die Kommissare dabei verschlissen. Aktuell im Dienst ist die Nummer acht, Ferdinand Hofer als Kalli.

Batic und Leitmayr hatten in ihren ersten 25 Jahren jeweils acht Liebesgeschichten: Batic eine Beziehung und sieben Affären, Leitmayr drei Beziehungen und fünf Affären. Und es gab auch bemerkenswerte Gastauftritte – darunter Rio Reiser, Bela B von den Ärzten, Rudolph Moshammer, Karl Moik und Die Toten Hosen.

Die beiden Schauspieler gehören zu den beliebtesten Ermittlern im ARD-Kultformat. Zuletzt beeindruckten sie in einer Doppelfolge, der Dortmund-München-Koproduktion „In der Familie“ zum 50-jährigen Bestehen der „Tatort“-Reihe, und laut dem Bayerischen Rundfunk (BR) sollen die Münchner Kommissare auch im kommenden Jahr wieder sehr präsent sein. Ihre drei Krimis fürs zweite Halbjahr 2021 sollen erst im Frühjahr und Sommer gedreht werden. Der schon abgedrehte Fall „Kehraus“, bei dem es wegen Corona zu Verzögerungen kam, soll für die Faschingszeit 2022 aufbewahrt werden.

„Enorm professionell, aber immer mit der unterliegenden Münchner Lockerheit“, beurteilt Regie-Altmeister Dominik Graf das Duo in der Dokumentation „30 Jahre Leitmayr und Batic“, die der Bayerische Rundfunk am 29. Dezember zeigt. Danach wird die erste Folge von damals noch einmal ausgestrahlt. „Beide tonangebend“, sagt ihr junger Kollege Ferdinand Hofer, der ihren jungen Kollegen Kalli spielt.

Und auch die beiden Jubilare selbst kommen ins Erzählen – über ihre Anfänge, die Unzulänglichkeiten und Vorteile des jeweils anderen. „Ihm haftet etwas Häusliches an“, sagt Wachtveitl über Nemec und erklärt, dass er schon noch unterscheiden kann zwischen sich und seiner langjährigen Rolle: „Ich gehe nicht abends im Viertel rum und schau, ob da noch Leichen irgendwo rumliegen.“

Kollegin Lisa Wagner sieht darin, wie die beiden „zetern und sich kabbeln“, etwas Allgemeingültigeres: „So ein bisschen stehen sie auch für eine klassische deutsche Ehe.“

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