Wieder ein düsterer „Tatort“ aus Dortmund

dpadpa | 16.02.2022, 19:11 Uhr
Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann)  in einer Szene aus «Tatort: Liebe mich».
Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) in einer Szene aus «Tatort: Liebe mich».

Thomas Kost/WDR/Bavaria Fiction GmbH/dpa

Nur ein Zufall bringt die Dortmunder „Tatort“-Ermittler auf die Spur eines Mörders - und in große Gefahr. Dabei ist das Privatleben der Kommissare aus dem Ruhrgebiet schon alles andere als Nebenschauplatz.

Schon die erste Szene kündet von großem Unheil. Vier Geburtstagskerzen auf der zuckersüßen Torte, Mikrowellen-Popcorn, Luftschlangen – all das wirkt im Dämmerlicht eher unwirklich als fröhlich.

Noch bevor ein Windstoß die Kerzen erlöschen lässt, streift die Kamera eine Kinderzeichnung an der Wand, die an eine blutige Gewalttat zu erinnern scheint. Der neue „Tatort“ aus Dortmund mit dem Titel „Liebe mich“ am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten ist eine in weiten Teilen düstere Episode. Es geht um enttäuschte Gewissheiten, schmerzhafte Echos der Vergangenheit und verhängnisvolle Entscheidungen. Das eingespielte Spitzenteam Faber und Bönisch (Jörg Hartmann und Anna Schudt) ermittelt bereits im zehnten Jahr.

Bei Vorbereitungen für eine Urnenbeisetzung in einem Bestattungswald wird zufällig eine Leiche gefunden, die dort nichts zu suchen hat: Die Tote ist vor einem Jahr als vermisst gemeldet worden. Nach Recherchen beim Bestattungsunternehmen finden die Hauptkommissare Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) und Jan Pawlak (Rick Okon) heraus, dass die Grabstelle wenige Tage vor Verschwinden der Frau reserviert wurde – unter falschem Namen, bar bezahlt. Schon kurz darauf wird auf dem idyllischen Urnenfriedhof unter Bäumen ein weiteres Mordopfer geborgen. Unheimliche Parallelen nähren die Befürchtung, es hier mit einer Mordserie zu tun zu haben. Bedrohlich: Zwischen beiden Taten lag genau ein Jahr. Und bald sind wieder zwölf Monate vergangen.

Geradezu kontrastreich zum eher schaurig inszenierten Fall, der in die farblose Tristesse eines Bestattungsunternehmens führt, zeigt sich ein fast schon gut gelaunter, mindestens in sich ruhender Peter Faber. Er scheint Zynismus und Bitterkeit abgelegt zu haben. Ob es daran liegt, dass Martina Bönischs Beziehung zum obersten Spurensicherer der KTU Sebastian Haller (Tilman Strauss) vorbei ist? 

Faber jedenfalls flirtet unverhohlener denn je mit seiner Kollegin – und sieht zugleich die Chance, sich als ihr Beschützer aufzuspielen. Tatsächlich entwickelt sich Haller zum übergriffigen Ekelpaket, das die Abfuhr der starken Kollegin nicht wahrhaben will. Er greift zu drastischeren Methoden – und setzt Bönisch mit emotionalem Terror zu.

Und auch andere sind konfrontiert mit einer Vergangenheit, die sie abgeschlossen glaubten: Rosa Herzogs Mutter taucht unvermittelt auf und bringt die Jung-Ermittlerin aus dem Gleichgewicht. Offensichtlich schützt sie ein dunkles Familiengeheimnis. Weitererzählt wird auch Hauptkommissar Jan Pawlaks Auseinandersetzung mit dem schrecklichen Geschehen, um das sich die vorangegangene Episode drehte: Seine Frau sitzt nach tödlichen Stichen auf einen Nachtclubbesitzer weiter in Untersuchungshaft. Eine Tatsache, die er gerne verdrängen würde.

Bei soviel Anspruch an serielles Forterzählen aller vier Ermittlerfiguren wird der durchaus in den Bann ziehende Mordplot – ein schauriges Rache-Drama um verzweifelte Liebe, Enttäuschung und Loyalität – zunehmend zur Begleitmusik. Doch wer den Dortmunder „Tatort“ gerade für seine Typen und seine horizontale Erzählweise, die die Geschichte der Hauptcharaktere stets über mehrere Folgen weiterspinnt, schätzt, sollte unbedingt einschalten.