„You“ auf Netflix: Kontroverses Impf-Thema erhitzt die Gemüter

Sophia VölkelSophia Völkel | 27.10.2021, 19:00 Uhr
"You" auf Netflix: Kontroverses Impf-Thema erhitzt die Gemüter
"You" auf Netflix: Kontroverses Impf-Thema erhitzt die Gemüter

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In der dritten Staffel "YOU" geht es dieses Mal nicht nur um Stalking und Mord, sondern um ein weitaus wichtigeres und brisanteres Thema: Impfungen.

Auch die dritte Staffel der Serie „YOU“ sorgt für Begeisterung bei den Fans und einem riesigen Erfolg auf Netflix. Doch die Geschichte rund um Joe Goldberg (gespielt von Penn Badgley) und Love Quinn (Victoria Pedretti) ist in diesem Fall nicht nur wahnsinnig schwarzhumorig und bitter-böse, sondern versteckt offenbar auch die eine oder andere politische Botschaft.

Nicht nur, dass die Serie ganz nebenbei um die Corona-Pandemie herum spielt und dies auch mit kleineren Andeutungen relativ klar etabliert ist, wird auch ein weiteres Thema stark beleuchtet. Zu Beginn der Staffel nehmen Joe und Love an der Geburtstagsfeier eines ihrer Nachbarn teil, an der die Elite von Madre Linda teilnahm. Ein paar Tage später werden bei ihrem Sohn Henry Masern diagnostiziert und er landet schwerkrank im Krankenhaus, kämpft dort sogar um sein Leben. Auch Joe erkrankt und in Throwbacks wird deutlich, dass auch er als Kind nicht gegen die tückische Krankheit geimpft wurde.

"You" auf Netflix: Dieses kontroverse Thema erhitzt die Gemüter

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Das passiert mit Impfgegnern in „YOU“

Am Ende von Episode 3 wird bekannt, dass Henry sich bei Gils (Mackenzie Astin) ungeimpften Töchtern mit Masern angesteckt hat. Nach Henrys Genesung besucht Gil Love in ihrer Bäckerei, um sich zu entschuldigen und erklärt seine Haltung gegenüber dem Impfstoff und dass damit „fremde, giftige Stoffe“ in den Körper der Kleinen gelangen würden – aus diesem Grunde lassen die beiden ihre Töchter nicht impfen.

In typischer Love-Manier schlägt sie Gil in einem Wutanfall mit einem Nudelholz nieder und sperren ihn in den berüchtigten Glaskäfig im Keller ihrer Bäckerei ein, absolut wütend darüber, dass er Henrys Leben gefährdete.

Für Eltern ein wichtiges Thema

Die Anti-Impfstoff-Storyline in „YOU“ könnte kulturell nicht relevanter sein. Regierungen auf der ganzen Welt versuchen, die Coronavirus-Pandemie mit einem Impfstoffprogramm zu bekämpfen, das auch auf jede Menge Widerstand bei Impfgegnern stößt. Die Anti-Impfstoff-Haltung ist allerdings kein neues Phänomen. Es gibt Menschen, die ihre Kinder aus vielen Gründen nicht impfen lassen, wodurch Krankheiten wie Masern wieder auf dem Vormarsch sind und dabei selten als eine hochansteckende und potenziell lebensbedrohliche Krankheit angesehen werden – besonders nicht bei Menschen, die diese Impfungen für ihre Kinder ablehnen.

"You" auf Netflix: Dieses kontroverse Thema erhitzt die Gemüter

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Die Idee entstand durch eine wichtige Frage

Showrunnerin Sera Gamble sagte gegenüber „Newsweek“, dass die Anti-Impfstoff-Storyline in „YOU“ nicht beabsichtigt und einfach ein Zufall inmitten des Ausbruchs der COVID-19-Pandemie gewesen sei. Sie sagte: „In Bezug auf die Masernepisode haben wir allerdings die Autoren bereits im Februar 2020 los schreiben lassen, also war es vor Beginn der Pandemie. Die Idee zu dieser Geschichte entstand aus Gesprächen, in denen es wirklich darum ging: ‚Wenn ihr Eltern seid, was macht euch am meisten Angst?‘ Und die unmittelbare Antwort so vieler Eltern war: ‚Wenn mein Kind krank ist und ich ihm nicht helfen kann.‘ Und das ist die Hilfloseste, die ich je in meinem Leben gefühlt habe.“

„Die offensichtliche nächste Frage, wenn ihr mit Eltern wie Joe und Love zu tun hättet, ist: In welcher Situation müsste sich euer Kind befinden, dass ihr in Extreme abdriftet, zu denen ihr vorher nie fähig wart?“ Sie fügte hinzu: „Die Leute werden wirklich viel mehr hineinlesen und reininterpretieren, was in Ordnung ist. Ich meine, es fühlt sich an, als ob es erstaunlich psychisch beabsichtigt von den Autoren ist, aber es ist einfach ein schreckliches, katastrophales, weltweites Timing, dass wir uns alle so auf Impfstoffe konzentrieren im Augenblick.“

Was sagt das Netz?

In den sozialen Netzwerken erregt die Thematik Aufsehen, deutsche User empfinden es als schwierig, dass es in der Serie eine Rolle spielt. Ein User schreibt unter einer Serien-Kritik auf YouTube. „Fand die Folge 3 so dermaßen daneben, das ich ab Folge 4 abgebrochen habe. Hatte so den Geschmack von: es ist ok zu töten wenn es Menschen sind die Ihre Kinder nicht impfen (überspitzt).“

Eine andere schreibt: „Propaganda in Serien und Filmen ist nichts neues. Was mich viel mehr stört, ist, dass Menschen häufig dazu neigen ihren Verstand auszuschalten, wenn sie Unterhaltungsmedien konsumieren. Sie wollen einfach nur abschalten und lassen diesen manchmal fragwürdigen Botschaften aus Serien und Filmen alle Türen zu ihrem Hirn offen stehen, damit sie sich gemütlich einnisten können“.

Letztendlich sollte man vielleicht auch gerade deswegen seine Lieblingsserie so konsumieren, dass man nicht über die alltäglichen Probleme auf dieser Welt nachdenkt.