Sonntag, 18. August 2019 15:57 Uhr

Sarah Jane Scott: „Die Schlager-Szene ist ähnlich wie die HipHop-Szene“

Foto: Jens Sage

Die Amerikaner machen gerne alles groß – auch Schlager. Das gilt jedenfalls für die Amerikanerin Sarah Jane Scott (31), die der Liebe wegen nach Deutschland kam. Dort verliebte sie sich in den Schlager und begann eine Karriere in diesem Feld. Mit „Hallo Hallo“ gelang ihr in der Schlagerszene ein ziemlich großer Achtungserfolg. Nun ist sie mit ihrem dritten Album „Sarah Jane Scott“ am Start und will an diesen Erfolg anknüpfen. Klatsch-tratsch.de traf sie zum Talk.

Du hast ein neues Album am Start …
Ja, das ist mein mittlerweile drittes Album und es heißt genau wie ich – „Sarah Jane Scott“, weil es mein persönlichstes Album ist. Man sieht auf dem Cover eine große amerikanische Flagge und ich singe ganz viel über meine Heimat. Allerdings wohne ich seit neun Jahren in Berlin und fühle mich teilweise schon sehr deutsch. Ich war 22 als ich nach Deutschland kam – jetzt bin ich 31. Das war also ein sehr großer Teil meines Lebens. Ich singe sehr viel darüber wie es für mich ist als Amerikanerin hier zu leben. Mein Album ist kein politisches Album, aber ich singe auch darüber wie die Situation gerade da ist. Ich singe viel über meine Kindheit und über meine Beziehungen.

Du hast gerade angesprochen dass du dich selbst ziemlich deutsch fühlst. Was ist denn für dich typisch deutsch? Und was ist deine deutscheste Eigenschaft?
Seit ich in Deutschland wohne bin ich viel direkter geworden. In den USA ist man ja nicht so direkt. Man benutzt sehr viele relativierende Worte wie „Wahrscheinlich“ oder „vielleicht“. Hier ist alles aber ganz klar. Anfangs war das für mich ein Schock, weil ich es nicht gewohnt war. Ich mag diese Eigenschaft sehr. Ich glaube, mittlerweile bin ich meiner Familie in den USA schon fast etwas zu direkt. (lacht)

Was vermisst du am Leben in den USA?
Da ist alles sehr praktisch. Da kannst du beispielsweise auch Sonntags in einen Laden und alles kaufen. Das ist zwar hier nicht der Fall, aber es ist auch schön einen Ruhetag zu haben. Das vermisse ich aber manchmal.

Wie bist du eigentlich mit Schlager in Berührung gekommen?
Als ich nach Deutschland kam, konnte ich die Sprache nicht und habe einen Intensivkurs gemacht. Ich hatte die Idee deutsche Musik zu hören und so die Sprache zu lernen. Dann habe ich viel Schlager gehört und das hat mir sehr geholfen.

Dein Schwiegervater war Mitglied der Gruppe Trio. Du hättest ja auch NDW-Hits wie „Da Da Da“ hören können …
Neue deutsche Welle habe ich auch sehr viel gehört und höre das immer noch.

Schlager hat ja bei vielen immer noch das Image, keine Musikrichtung für junge Leute zu sein. Was sagst du diesen Menschen?
Es stimmte einfach nicht. Wenn man auf ein Schlager-Festival geht, dann sieht man da sehr viele junge Menschen. Ich selbst bin nicht mit Schlager aufgewachsen, aber man merkt Schlager wird immer größer.

In kaum einem Musik-Genre sprießen die Newcomer so aus dem Boden wie im Schlager-Biz. Fühlt man da als Schlager-Künstlerin nicht sehr unter Druck gesetzt? 
Ja, doch. Ich denke, in jeder Branche gibt es einen gewissen Konkurrenzkampf. Aber ich versuche nach vorne zu schauen und weiß, dass ich meinen Platz habe. Andere Künstler haben ihren Platz in der Branche. Jeder geht seinen Weg und ich denke man sollte sich da nicht verrückt machen.

Quelle: instagram.com

Aktuell gibt es im Schlager den Trend mit Künstlern aus anderen Genres zu arbeiten, wie beispielsweise aus dem HipHop-Biz. Könntest du dir vorstellen auch so eine Crossover-Kollaboration zu machen?
Absolut. Wenn man mein neues Album hört, dann merkt man, dass das sehr amerikanisch ist und man hört, das es sehr inspiriert von Country und Rock ist. Künstler wie Lenny Kravitz, Tom Petty oder Shania Twain inspirieren mich. Ich habe eher solche Einflüsse mit Schlager gemischt und nicht mit Rap. Ob ich mir eine Zusammenarbeit mit jemandem aus dem Rap-Bereich vorstellen könnte? Warum nicht? Never say never.

Quelle: instagram.com

Für dein neues Album hast du mit Santiano zusammengearbeitet. Wie kam es dazu?
Ich war mit Santiano auf Tour und habe mich sehr gut mit Björn, dem Sänger der Gruppe, verstanden. Gemeinsam zu touren schweißt immer sehr zusammen, denn man ist ja über Wochen oder Monate ständig mit diesen Menschen unterwegs. Alle in der Band haben Töchter in meinem Album und es war einfach ein schönes Erlebnis. Als die Tour zu ende war, hat er vorgeschlagen etwas für mein Album zusammen zu machen. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich wieder mit Björn zusammenarbeiten darf.

Bleiben wir bei Backstage-Storys: Bei Techno-DJs hat man immer so eine Vorstellung, was die Backstage machen. Bei Rappern und Rockern auch … Aber was machen Schlagerstars Backstage, wenn die aufeinander treffen?
Es ist eigentlich ganz lustig, weil man ständig die gleichen Leute trifft. Dadurch fühlt man sich auch sehr verbunden mit diesen Menschen. Wir erleben ja etwas sehr ähnliches. (lacht) Ich glaube, es ist gar nicht so anders wie im Deutschrap oder einem anderen Genre. Mein Mann produziert Deutschrap und ich höre häufiger Geschichten von ihm und denke mir dann immer, dass das gar nicht so weit weg von dem ist, was bei uns hinter der Bühne passiert. (lacht)

Wer ist denn Backstage so am krassesten drauf?
(Lacht) Ich möchte nichts über jemanden sagen. Aber am krassesten Positiv sind Fantasy. Die sind sehr lustig und reißen Backstage ständig Witze. Man würde nicht denken, dass sie so urkomisch sind. (lacht) Das sind echt nette Typen.

Wenn ich mir Backstage total krass vorstelle sind die Amigos. Die gehen bestimmt voll ab. (lacht)
Ja, die Amigos sind geil!

Quelle: instagram.com

Was war dein abgefahrenstes Fan-Erlebnis?
Puh, meine Fans sind meistens ganz lieb und sehr aufmerksam. Ein Fan hat mir beispielsweise Tickets für den Berliner Fernsehturm geschenkt, weil ich irgendwo in einem Interview gesagt habe, dass ich Berlin noch nie von oben gesehen habe. Das fand ich sehr nett.

Du hast im letzten Jahr eine Auszeit genommen, an deinem neuen Album gearbeitet und geheiratet …
Ja, und das war echt schön etwas Zeit für mich zu haben und nachzudenken was ich machen möchte, wie ich mich verbessern kann, wie ich happy bleibe und das war sehr schön für meinen Kopf.

Hat sich durch die Hochzeit für dich etwas verändert?
Ich glaube, eine Hochzeit verändert alles und auch nichts. Die Beziehung an sich verändert sich nicht, aber gleichzeitig steigert es den Wert, da man sich dazu bekennt zusammen zu bleiben. Das fühlt sich echt schön an.

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