Mittwoch, 30. Mai 2018 22:07 Uhr

„Back For Good“: Köstliche Komödie aus der erbärmlichen Welt der C-Promis

Die neue Kinokomödie „Back For Good“ zeigt, was für das Schlangengruben-Business die Welt der Reality Shows ist und wie schwer der „Beruf“, ein C-Promi zu sein. Wer rausfliegt, muss zurück nach Hause und das heisst für Angie: Ab, zurück in die Provinz zu Mutti!

"Back For Good": Köstliche Tragikomödie aus der erbärmlichen Welt der C-Promis

Foto: NFP marketing & distribution

Angie (Kim Riedle, war nomiert als beste Hauptdarstellerin für die Lola 2018) ist eine Macherin, sie ist dominant, sie scheint zu wissen, wie es geht, das Berühmtsein und – sie will ins Dschungelcamp, von irgendwas muss sie als Reality-TV-Star ja leben. Die Sache hat nur einen Haken, denn Angie ist auf Koks und alles, was peppt oder die Welt vergessen machen lässt.

Den Drogen- und Partysumpf sieht man Angie erst einmal nicht an, denn unter Spachtelschichten von Make-up und falschen Wimpern sieht sie eigentlich nur künstlich und vor allem billig aus. Das Dschungelcamp soll Angies Promminenz wieder nach oben katapultieren, aber bis dahin bleibt ihr nur der Rückzug zu Mama.

Die kontrollverliebte Mutter Monika (Juliane Köhler, 52, „Pünktchen und Anton“) und ihre schulpflichtigen Tochter Kiki (Leonie Wesselow, „Es war einmal Indianerland“) nehmen Angie ersteinmal auf; Kiki freut sich, die Mutter eher nicht, denn Angies 2. Vorname ist Troublemaker.

Angies kleine Schwester Kiki ist ganz das Gegenteil von Angie: sie ist introvertiert und leidet an Epilepsi, weshalb sie einen uncoolen gepolsterten Helm tragen muss. Es soll ja nicht für lange sein, sagt sich Angie und zieht zu Kiki ins Kinderzimmer. Aber natürlich kommt es anders: die resolute Mutter muss von jetzt auf gleich ins Krankenhaus und Angie hat muss ran an die Verantwortung fürs Schwesterchen. Geht ja so gar nicht!

"Back For Good": Köstliche Tragikomödie aus der erbärmlichen Welt der C-Promis

Foto: NFP marketing & distribution

Haifischbecken der C-Promis

Aber die beiden Schwestern robben eben charmant aufeinander zu, ganz behutsam und offen. Wenn da nicht Angies andauerndes Bestreben wäre, sich im Gespräch zu halte. Sie muss Präsenz zeigen, denn die Welt der C-Promis ist ein Haifischbecken. Und so drängelt sie sich auf jedes Event, was es so gibt.

Angie ist alles recht, sie zeigt ihre Brüste, sie säuft und kokst, was ihr angeboten wird, sie knutscht mit jedem – Hauptsache, eine Kamera hält drauf und die Sachen lassen sich irgendwie social-media-mäßig verwursten. Und Angie weiß genau, wie Scheiße das alles ist, so sind eben die Spielregeln und wenn jemand weiß, wie man vor Verzweiflung mit den Wölfen heult, dann sie.

"Back For Good": Köstliche Tragikomödie aus der erbärmlichen Welt der C-Promis

Foto: NFP marketing & distribution

Es geht abwärts

Die Regeln der Provinz sind Angie auch bekannt und alle kennen sich, so klein ist das Kaff, in dem sie mit ihrer Rolle rückwärts gelandet ist. Wieder bei Mama einziehen, das ist wohl die absolute Höchststrafe für jeden Gescheiterten. Und wenn Angie von der nächtlichen Tour wieder nach Hause kommt, muss sie für ihre kleine Schwester da sein, was nicht lange gutgeht.

Immer weiter zieht es Angie nach unten, sie ist verzweifelt. Wie lange hält sie diesen Affenzirkus noch durch?

"Back For Good": Köstliche Tragikomödie aus der erbärmlichen Welt der C-Promis

Foto: NFP marketing & distribution

Unser Fazit: So geht deutsches Kino! Kim Riedle ist Wahnsinn. Sie kriegt den Spagat zwischen Proll und Prinzessin hin. Ihre Angie berührt und macht es macht Spaß ihr dabei zuzusehen, wie sie versucht, die Kurve zu kriegen. An ihrer Seite sind die wunderbare Juliane Köhler und als spinnefeind ihr gegenüber die ebenso bewundernswerte Ulrike Krumbiegel („Der Untergang“, „Bloch“). (Katrin Wessel)

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