Mittwoch, 30. Mai 2018 11:10 Uhr

„Roseanne“: Serie trotz Topquoten abgesetzt – das steckt dahinter

Nach wüsten Beschimpfungen gegen eine Vertraute von Barack Obama verliert die US-Komikerin Roseanne Barr ihre Erfolgsshow. Es ist nicht das erste Mal, dass die 65-Jährige mit solchen Kommentaren auffällt.

"Roseanne": Serie trotz Topquoten abgesetzt - das steckt dahinter

Foto: Nicky Nelson/WENN.com

Die US-Komikerin Roseanne Barr (65) verliert nach judenfeindlichen und rassistischen Äußerungen ihre erfolgreiche Fernsehshow. Barr hatte die Afro-Amerikanerin Valerie Jarrett, früher Beraterin des damaligen US-Präsidenten Barack Obama, mit einer Twitter-Nachricht beleidigt: „Die Muslimbruderschaft und der Planet der Affen haben ein Baby bekommen.“ Zuvor war die 65-Jährige bereits den Milliardär und Holocaust-Überlebenden George Soros mit einem Tweet angegangen. Der TV-Sender ABC setzte Barrs Sitcom „Roseanne“ daraufhin ab. Damit verschwindet ein Erfolgsformat des US-Fernsehens. Die Schauspielerin bat in mehreren Nachrichten um Entschuldigung.

„Roseannes Twitter-Mitteilung ist abscheulich, abstoßend und stimmt nicht mit unseren Werten überein, und wir haben entschieden, ihre Show abzusetzen“, wurde die ABC-Präsidentin Channing Dungey am Dienstag (Ortszeit) in einer Mitteilung zitiert. Auch Barrs Agentur ICM Partners beendete die Zusammenarbeit mit der Komikerin.

Empörung in den USA

Die beschimpfte Jarrett sagte dem Sender MSNBC, man müsse aus diesem Moment Lehren ziehen. Ihr gehe es gut, betonte sie. Sie sorge sich jedoch um die Opfer von Rassismus, die „keinen Kreis von Freunden oder Anhängern um sich haben, der ihnen sofort zur Hilfe eilt“.

Barr hatte den Tweet am Dienstag gelöscht und sich bei Jarrett und „allen Amerikanern“ entschuldigt. „Es tut mir wirklich leid, dass ich einen schlechten Witz über ihre Politik und ihr Aussehen gemacht habe. Ich hätte es besser wissen sollen. Vergebt mir, mein Witz war schlechter Geschmack.“ Später entschuldigte sie sich auch bei den Mitwirkenden der Show, die wegen ihr den Job verloren hätten.

Stunden zuvor hatte die 65-Jährige zunächst mit einer antisemitischen Twitter-Nachricht Empörung in den USA ausgelöst. Darin hatte sie den jüdischen US-Milliardär George Soros als „Nazi“ beleidigt, der während des Zweiten Weltkriegs andere Juden verraten habe, um sich an ihnen zu bereichern. Soros ist immer Ziel von Anfeindungen aus rechtsextremen Kreisen. Der Investor wies die Aussagen von Barr in einer Mitteilung entschieden zurück. Solche falschen Anschuldigungen seien beleidigend für alle Opfer des Holocausts, hieß es darin.

Barr stellt sich immer mehr ins abseits

US-Medienberichten zufolge waren es nicht die ersten Tweets dieser Art, die Barr absetzte. Bereits im Jahr 2013 habe sie Susan Rice, ebenfalls Afro-Amerikanerin und ehemalige Obama-Beraterin, mit einem Affen verglichen. Auch diese Nachricht habe die 65-Jährige später gelöscht. Barr betonte in der Vergangenheit wiederholt ihre Unterstützung für Donald Trump, Obamas Nachfolger im Weißen Haus. Immer wieder wurde ihr vorgeworfen, dass sie Verschwörungstheorien wie „Pizzagate“ verbreite. „Pizzagate“ war eine Kampagne mit falschen Anschuldigungen gegen Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton.

Barrs Kolleginnen und Kollegen wie Patricia Arquette, Zoe Saldana und Don Cheadle reagierten empört auf den Tweet. Auch Barrs Ex-Mann, der Schauspieler Tom Arnold, zeigte sich entsetzt und lobte zugleich die rasche Reaktion des Senders, die Serie abzusetzen.

Schauspieler und Mitarbeiter der Serie distanzierten sich per Twitter von Barr. „Es ist unglaublich traurig und schwierig für uns alle, denn wir haben eine Show geschaffen, an die wir glauben, auf die wir stolz sind und die die Zuschauer lieben – eine Show, die anders ist als die Meinungen und Wörter eines Mitglieds der Besetzung“, schrieb die Schauspielerin Sara Gilbert. Sie würde nicht mehr für die Show arbeiten, verkündete Wanda Sykes, die als beratende Produzentin an Bord war, in einem Tweet.

Die „Roseanne“-Show, in der Barr die Hauptrolle spielt, erzählt die Geschichte der Arbeiterfamilie Conner. Sie hatte zunächst in den 80er und 90er Jahren Erfolge gefeiert und war vor einigen Wochen neu aufgelegt worden – mit herausragend guten Quoten. (Christina Horsten und Barbara Munker, dpa)

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