Samstag, 14. Oktober 2017 09:53 Uhr

Weinstein-Skandal: Auch Amazon-Filmboss jetzt im Visier

Der Fall Harvey Weinstein zieht weiter Kreise. Langsam wird deutlich: Machtmissbrauch mit sexuellen Mitteln scheint in Hollywood kein Einzelfall. Und das renommierte Filmstudio Weinstein Company wankt. Eine Bilanz der ersten Woche nach Bekanntwerden der Vorwürfe.

Weinstein-Skandal: Auch Amazon-Filmboss jetzt im Visier

Harvey Weinstein. Foto: FameFlynet/WENN.com

Die Vorwürfe von sexuellen Belästigungen bis Vergewaltigungen gegen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein (65) reißen nicht ab. Zuletzt bezichtigte Rose McGowan (44, „Death Proof – Todsicher“) Weinstein der Vergewaltigung.

Amazon-Filmboss auch mit sexuellen Avancen?

Und noch ein weiterer ranghoher Studio-Chef wird der sexuellen Belästigung bezichtigt: Roy Price, Chef des zum Onlineriesen Amazon gehörenden Filmstudios, habe sie taktlos angeflirtet und mit sexuellen Bemerkungen bloßgestellt, sagte eine Mitarbeiterin der Amazon Studios dem „Hollywood Reporter“. Price habe ihr 2015 in einem Taxi gesagt, sie werde seinen Penis lieben. Vor Kollegen auf einer Party habe er außerdem laut „Analsex“ in ihr Ohr gesagt. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe suspendierte das Filmstudio Price am Donnerstagabend (Ortszeit).

Auch Schauspielerin Rose McGowan kritisiert Amazon-Mann Price scharf. Sie wirft ihm vor, auf ihre Beschuldigungen gegen Weinstein nicht reagiert zu haben. Sie habe Price „wieder und wieder“ gesagt, dass „HW“ sie vergewaltigt habe, ohne dass dieser reagiert habe, schrieb sie in einem an Amazon-Chef Jeff Bezos gerichteten Tweet (wir berichteten).

Weinstein-Skandal: Auch Amazon-Filmboss jetzt im Visier

Roy Price. Foto: Derrick Salters/WENN.com

Kate Beckinsale wurde im Bademantel empfangen

Immer mehr Schauspielerinnen melden sich mit Vorwürfen gegen Harvey Weinstein zu Wort. Als 17-Jährige habe sie der Produzent im Bademantel in einem Hotelzimmer empfangen und ihr Alkohol angeboten, schrieb die Schauspielerin Kate Beckinsale (44) auf Instagram.

Ihre Kollegin Cara Delevingne (25) berichtete, Weinstein habe sie in einem Hotelzimmer aufgefordert, eine andere Frau zu küssen und dann selbst versucht, sie zu küssen. Eine Sprecherin von Weinstein hatte die Anschuldigungen nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe vor gut einer Woche zurückgewiesen: „Jegliche Vorwürfe von Sex, der nicht in beiderseitigem Einverständnis stattgefunden hat, werden von Herrn Weinstein eindeutig verneint.“

Branchen-Kollegen wenden sich ab

Ungeachtet dessen wenden sich auch mehr und mehr Branchen-Kollegen von Weinstein ab. Hollywood-Star Ryan Gosling (36) will Opfer unterstützen, die sich im Sex-Skandal um Weinstein öffentlich äußern. Filmstars wie Tom Hanks und Leonardo DiCaprio haben sich deutlich gegen Weinstein positioniert. Auch Weinsteins langjähriger Freund, Regisseur Quentin Tarantino distanzierte sich. Der frühere US-Vizepräsident Joe Biden nannte die Vorfälle „ekelhaft“.

Quelle: instagram.com

Für Model und Moderatorin Heidi Klum (44) weist der Skandal um Weinstein auf ein weit größeres Problem hin (wir berichteten). „Ich wünschte, die grausamen Geschichten, die ich über Harvey Weinstein lese, seien eine seltene Erscheinung in unserer Gesellschaft. Aber das stimmt einfach nicht.“ Klum moderiert in den USA seit Jahren die Castingshow „Project Runway“, die von Weinsteins ehemaliger Firma „The Weinstein Company“ mitproduziert wird.

Neben den verheerenden privaten Folgen seiner mutmaßlichen sexuellen Ausfälle – seine Frau hat ihn bereits verlassen – drohen Weinstein auch juristische Konsequenzen. Die Polizeibehörden in New York und London kündigten an, Ermittlungen gegen Weinstein aufnehmen zu wollen. Die New Yorker Polizei wolle eine eigentlich bereits abgeschlossene Ermittlung gegen Weinstein aus dem Jahr 2004 neu aufrollen. Einzelheiten wollte die Polizei zunächst nicht nennen.

Oscar-Academy berät über Ausschluss

Auch die Polizei in London erwägt nach britischen Medienberichten ein Ermittlungsverfahren gegen den Produzenten. Scotland Yard bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass die Polizei den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs prüfe, der von den Kollegen in Liverpool weitergeleitet worden sei. Es handele sich um einen Vorfall aus den 80er Jahren.

Am heutigen Samstag (Ortszeit) will darüber hinaus die Oscar-Akademie in Los Angeles über den möglichen Ausschluss von Weinstein beraten. Das in den Vorwürfen beschriebene Verhalten Weinsteins sei „widerlich, abscheulich und gegensätzlich zu den hohen Standards der Akademie und der kreativen Gemeinschaft, für die sie steht“, zitierte der „Hollywood Reporter“ aus einem Statement der Academy. Eine entsprechende Petition auf der Kampagnenplattform change.org fand in kürzester Zeit 80.000 Unterstützer, die Zahl wächst rasant.

Weinstein Company steht vor dem Verkauf

Und wie geht es weiter mit der Weinstein Company, deren Name irreparabel beschmutzt scheint? Der Branchendienst dwdl.de schreibt: „Inzwischen diskutiert Hollywood über die Frage, wer zu welchem Zeitpunkt etwas wusste – und auch darüber, wie Sender und Streamingdienste künftig mit der Weinstein Company umgehen sollen, schließlich gilt der Name nach all den Schlagzeilen um den Produzenten als verbrannt. Auch bei Amazon Studios ist die Diskussion in vollem Gange: So sollen mehrere Verantwortliche das Unternehmen dazu drängen, dem Produktionshaus die Aufträge zu entziehen.“

Dem Filmstudio droht nun im Zuge des Skandals wohl das Aus. Das „Wall Street Journal“berichtet, das Filmstudio könne verkauft oder sogar ganz geschlossen werden. Angeblich gebe es schon erste Gespräche mit Kaufinteressenten. Als Alternative sehe man auch die Schliessing. Von der ‚Weinstein Company‘ kommen Filme wie „Outlander“, Tarantino-Filme wie „Pulp Fiction“ und „Hateful Eight“. (dpa/KT)

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