„Bild“ plant eigenen Fernsehsender

Das Axel-Springer-Hochhaus in Berlin.
Das Axel-Springer-Hochhaus in Berlin.

Christoph Soeder/dpa

12.04.2021 14:59 Uhr

Die Videostrategie im Internet hatte Axel Springer schon ausgebaut. Nun will „Bild“ auch Fernsehen machen. Anvisiert ist ein 24-Stunden-Programm.

Deutschlands größte Boulevardzeitung „Bild“ plant einen eigenen Fernsehsender. Noch vor der Bundestagswahl im Herbst wolle man an den Start gehen, der Sender solle unter der Marke BILD unter anderem über Kabel und Satellit empfangbar sein, teilte der Medienkonzern Axel Springer in Berlin mit.

Der Sendestart stehe noch unter dem Vorbehalt, dass die Medienregulierer eine Sendelizenz erteilen. Der TV-Sender soll frei empfangbar sein. Das Medienhaus baut schon länger seine Videostrategie aus.

24 Stunden Programm geplant

Laut einem Unternehmenssprecher ist anvisiert, ein 24-Stunden-Programm anzubieten. Kern des Ganzen: Ein Live-Programm von täglich bis zu sechs Stunden, das am Vormittag beginnt. Das Programm solle mit Dokus, Reportagen und anderen Formaten erweitert werden. Der Fernsehsender soll die Bereiche Politik, Sport, Kriminalität und Promis abbilden. Hinzu sollen Service-Themen kommen. Bei wichtigen News soll das Programm mit Live-Formaten unterbrochen werden.

Wenn Springer die Sendelizenz erhält, wäre das der dritte Fernsehsender im Konzern. Es gibt bereits die Kanäle WELT und N24Doku. Das Live-Programm des geplanten TV-Senders BILD soll den Angaben zufolge zeitgleich bei N24 Doku zu sehen sein. WELT bleibt mit seinem Live-Programm eigenständig.

Es liegt noch kein Antrag vor

Den Medienregulierern liegt noch kein Lizenzantrag zu dem geplanten Fernsehsender vor, er wurde aber angekündigt, wie die zuständige Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) auf dpa-Anfrage mitteilte. Üblicherweise dauere ein Lizenzverfahren etwa zwei bis drei Monate.

Springer hatte im Herbst 2019 angekündigt, Millionenbeträge in Projekte bei seinen Marken „Bild“ und „Welt“ investieren zu wollen. Damals hieß es: In den drei Folgejahren sollen insgesamt mehr als 100 Millionen Euro vor allem in eine Live-Video-Strategie von „Bild“ fließen.

Zu diesen Live-Formaten im Netz zählt eine Polit-Talksendung am Sonntagabend. Zudem gibt es seit einiger Zeit immer wieder über Stunden Live-Sendungen zu den Ministerpräsidentenkonferenzen mit der Kanzlerin zu Corona. Auch die Präsidentenwahl in den USA wurde mit einer langen Live-Sendung begleitet.

„Bild“ nutzt neue Studios bei Springer

Für die Sendungen will Springer auch die TV-Studioräume nutzen, die im großen Neubau am Hauptsitz in Berlin errichtet worden sind. Der Konzern will in einer neuen TV-Unit in der WeltN24 GmbH die Fernsehaktivitäten für alle drei Sender bündeln. Der Bereich kümmert sich dann um den technischen Sendebetrieb, die Sendeplanung oder den Programmeinkauf von Lizenzformaten. Der Live-Bereich des neuen Senders liegt wiederum in der Hand der „Bild“-Redaktion.

BILD-Programmchef wird nach Unternehmensangaben Claus Strunz. Er ist außerdem Geschäftsführer des Bereichs TV/Video bei Springer und Mitglied der „Bild“-Chefredaktion. Gemeinsam mit Frank Hoffmann ist er auch verantwortlicher Geschäftsführer der Welt N24 GmbH. Hoffmann ist dort Vorsitzender für die TV-Unit.