12.11.2020 15:29 Uhr

Das Auge Afrikas

Hans Schomburgk war ein Mann mit vielen Talenten. Über Jahrzehnte erkundete er Afrika und hielt die Besonderheiten des Kontinents mit der Filmkamera fest. In Europa erreichte er ein Millionenpublikum.

--/NDR/Leibniz-Institut für Länderkunde - IfL/dpa

Am Ende des 19. Jahrhunderts ist Afrika größtenteils noch unentdeckt. Während die europäischen Großmächte dort Kolonien errichten, bricht der Deutsche Hans Schomburgk als erst 17-Jähriger auf, um den Kontinent auf eigene Faust zu erkunden.

1898 beginnt eine sechs Jahrzehnte währende Schaffensperiode mit Höhen und Tiefen.

Der gebürtige Hamburger ist ein Abenteurer, wie er im Buche steht. Schomburgk verdingt sich zunächst als Kartograf und Großwildjäger, erleidet harte Schicksalsschläge, wird zum Forscher und Entdecker, schreibt Reiseliteratur und avanciert schließlich zum gefeierten Filmemacher. Diesen atemberaubenden Werdegang zeichnet an diesem Samstag (20.15) eine Arte-Doku nach, die auf bewährte Mittel setzt.

In chronologischer Reihenfolge macht der Film Halt an den wichtigsten Lebensstationen und stellt den Hamburger Tausendsassa ebenso wie dessen Arbeit in außergewöhnlichen Archivbildern vor. Zwischendurch kommen Wissenschaftler und Historiker zu Wort, die das Werk des Filmpioniers vor dem Hintergrund der Kolonialzeit einordnen.

Mit seiner Kamera fing Schomburgk Tiere und Pflanzen in ihren natürlichen Lebensräumen ein. Er hielt die Kultur der Menschen fest und porträtierte Stämme, die damals noch nicht von der westlichen Zivilisation beeinflusst waren. Seine Filme werfen einen kolonialen Blick auf Afrika, der heute befremdlich wirkt.

Trotzdem schätzen Historiker Schomburgks Leistung als enorm ein, zumal die Bedingungen für einen Filmdreh damals ungeheuer schwierig waren und er sich dabei permanent Gefahren aussetzte.

Zu Hause im Deutschen Reich kommen die überwältigenden Bilder gut an. Mit seinen Naturaufnahmen füllt Schomburgk die Kinos und löst eine große Faszination aus. Den gleichen Effekt stellt die Regisseurin Anna Schmidt fest, wenn sie in der Dokumentation beobachtet, wie die Afrikaner seine Filme heute schauen. Auch für sie erscheint die eine oder andere Szene als anachronistisch. Dennoch spürt man ihren Stolz auf die Heimat, der in Anbetracht der authentischen Bilder aufflammt.

Die Dokumentation erweist sich auf diese Weise nicht nur als spannendes Porträt und zeitgeschichtlicher Exkurs, sondern auch als eine ethnografische Studie. Sie fördert neue Erkenntnisse zu Tage und versetzt die Zuschauer ins Staunen – sowohl innerhalb als auch außerhalb ihres filmischen Rahmens.

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