„Das Geheimnis des Totenwaldes“: Die Geschichte hinter den Göhrde-Morden

"Das Geheimnis des Totenwaldes": Die wahre Geschichte hinter den Göhrde-Morden
"Das Geheimnis des Totenwaldes": Die wahre Geschichte hinter den Göhrde-Morden

andreiuc88/Shutterstock

29.11.2020 20:15 Uhr

"Das Geheimnis des Totenwaldes" - so der Titel des dreiteiligen Kriminaldramas, das ab 1. Dezember im Ersten ausgestrahlt wird. Die Geschichte beruht auf Motiven eines der mysteriösesten Kriminalfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte, der bis heute alle Beteiligten in Atem hält. Und ja, dieser Fall ist einmalig in der deutschen Kriminalgeschichte.

1989 verschwindet die Schwester eines hochrangigen Hamburger Polizisten spurlos aus einer Kleinstadt in Niedersachsen. Kurz zuvor sind in einem nahegelegenen Erholungsgebiet zwei Paare grausam ermordet worden. Einen Zusammenhang zwischen den Mordfällen und dem Verschwinden sieht die örtliche Polizei nicht. Ein Irrtum, wie sich 28 Jahre später herausstellt.

Hier die wahre Geschichte.

"Das Geheimnis des Totenwaldes": Die wahre Geschichte hinter den Göhrde-Morden

Kurt-Werner Wichmann, Mörder von Birgit Meier und der Göhrde-Opfer © NDR

Sommer 1989: Sonne, blauer Himmel, der Mauerfall steht kurz bevor. Doch in Niedersachsen steht zu dieser Zeit die Welt still. Der Grund? Innerhalb von wenigen Wochen werden zwei Paare im selben Waldgebiet ermordet. Der Täter vermutlich ein und der selbe. Besonders fatal: Der zweite Doppelmord findet statt, während die Polizei nur 800 Meter entfernt, am Tatort des ersten Mordes, die Spuren sichert. Vergebens, denn fast drei Jahrzehnte lang bleibt der Fall ungeklärt.

Der erste Doppelmord

Als Ursula und Peter Reinhold, ein Ehepaar aus Hamburg, sich am 21. Mai 1989 auf den Weg nach Lüchow–Dannenberg machen, ahnt  niemand, dass die beiden von ihrem Ausflug nie wieder zurückkommen werden. Die 45-Jährige und ihr 51 Jahre alter Mann begeben sich auf einen Spaziergang durch das Waldgebiet der Göhrde. An einer Lichtung machen sie Rast, vermutlich um zu picknicken. Doch daraus wird nichts: Das Ehepaar wird umgebracht. Der Täter versteckt die Leichen in einer nahegelegnen Senke, entwendet ihnen den Picknickkorb, die Autoschlüssel und parkt das Fahrzeug der beiden an einem Bahnhof in der Nähe von Hamburg.

Erst sieben Wochen später, am 12. Juli 1989, werden die bereits verwesten Leichen von zwei Spaziergängern entdeckt. Wie genau die beiden ums Leben kamen, kann auch eine spätere Obduktion nicht feststellen. Sicher ist nur: Es handelt sich nicht um Suizid oder einen Unfall, sondern um einen Mord. Mögliche Ursache? Erschießen, Erwürgen oder Erschlagen. Die genauen Umstände des Tathergangs sind bis heute, 28 Jahre nach dem schrecklichen Verbrechen, ungeklärt. Und es kommt noch schlimmer: Während die Polizei am 12. Juli 1989 die Spuren am Tatort untersucht, schlägt er Täter erneut zu. Nur wenige Meter von dem Ort entfernt, an dem die Beamten ihrer Arbeit nachgehen.

Der zweite Doppelmord

Ingrid Warmbier und Bernd-Michael Köpping sind ein Liebespaar. Ihre beiden Ehepartner wissen nichts von der heimlichen Affäre. Doch im Sommer 1989 kommen die Versteckspiele ans Licht und die beiden ums Leben. Die Hausfrau und der Bezirksleiter machen am 12. Juli gemeinsam einen Ausflug. Ihr Weg führt sie in die Göhrde. Dort werden die 46–Jährige und der 43 Jahre alte Mann gewaltsam mit einer Schusswaffe ermordet. Der Täter stranguliert Bernd außerdem und zertrümmert Ingrid den Schädel. Auch diesmal entwendet er seinen Opfern den Autoschlüssel und nutzt das Fahrzeug um dem Tatort zu entkommen.

Wie sich später herausstellen solle, fährt der Täter noch ungefähr eine Woche mit dem Auto herum, bevor er es in Bad Bevensen abstellt. Erst zwei Wochen nach der Tat, am 27. Juli, entdecken die Polizeibeamte im Rahmen der Spurensuche des ersten Doppelmordes, zufällig die Leichen von Ingrid Warmbier und Bernd-Michael Köpping.

"Das Geheimnis des Totenwaldes": Die wahre Geschichte hinter den Göhrde-Morden

Birgit Meie kurz vor ihrem Verschwinden © NDR

Ermittlungen

Die Ermittlungen der Kriminalpolizei laufen ins Leere. Über 10.000 Menschen werden befragt, ein Phantombild gezeichnet, Psychologen hinzugezogen – doch vom Täter fehlt jede Spur. Der Fall wird zu einem sogenannten „Cold Case“. Erst im Dezember 2017, 28 Jahre nach den Morden, kann ein dringend Tatverdächtiger ausfindig gemacht werden: Der Friedhofsgärtner Kurt–Werner Wichmann. Laut der Polizei kann eine, in dem entwendeten Fahrzeug des Ehepaares Reinholds, sichergestellte DNA-Spur dem Friedhofsgärtner zugeordnet werden. Wichmann ist kein unbeschriebenes Blatt. Im April 1993 wird er wegen Mordes an einer 41-Jährigen Frau verurteilt. 10 Tage später begeht er in seiner Zelle Suizid. Nach seinem Tod endete die Mordserie in den Wäldern rund um Lüneburg. Wichmann hinterließ mysteriöse Abschiedsbriefe, in denen er unter anderem seinen Bruder aufforderte, die Dachrinne zu reinigen.

Auf Grund verschiedener Ungereimtheiten der Göhrde-Morde geht die Polizei von einem Mittäter aus. Wer Kurt–Werner Wichmann möglicherweise geholfen haben könnte, ist bis heute ungeklärt. Doch das ist nicht dass Ende der Geschichte.

"Das Geheimnis des Totenwaldes": Die wahre Geschichte hinter den Göhrde-Morden

Das Haus von Kurt-Werner Wichmann. © NDR

Der Fall Birgit Meier

Entscheidende Hinweise zur Identifizierung des Täters der Göhrde-Morde ergaben sich aus dem Fall der verschwundenen 41-jährigen Birgit Meier aus Lüneburg. Sie 1989, kurz nach der Trennung von ihrem Ehemann spurlos verschwunden.

Schnell fand Dieb Polizei raus, dass Kurt-Werner Wichmann die Verschwundene zuvor auf einer Party kennengelernt hatte. Außerdem hatte er zuvor Gartenarbeiten auf dem Nachbargrundstück von Meier verrichtet.

1993 wurde wegen Mordverdachts im Fall Birgit Meier gegen den Gärtner erhoben und die Polizei nahm eine Hausdurchsuchung vor. Wichmann war aber kurz zuvor geflohen. Die Ermittler fanden diverse Handffeuerwaffen, Elektroschocker, Schalldämpfer, Handschellen, Beruhigungs- und Schlaftabletten, Folterwerkzeug in einem mit einer schallisolierten Tür verschlossenen Geheimraum, den nur er und sein Bruder betreten konnten. Im Garten fand sich ein vergrabenes neues Ford-Sportcoupé, auf dessen Rücksitz dem Anschein nach Blut klebte. Man fand aber keine Leichen.

"Das Geheimnis des Totenwaldes": Die wahre Geschichte hinter den Göhrde-Morden

Die verdächtige KFZ-Grube in der Garage. © NDR

Ende September 2017 entdeckte die Polizei unter der ungewöhnlich seichten Montagegrube der Garage menschliche Knochen und eine DNA-Analyse ergab: Bei den sterblichen Überreste handelte es sich um die vermissten Birgit Meier.

Anfang 2018 wurde bekannt, dass das Opfer erschossen wurde. Die Polizei kündigte eine gründliche Überprüfung von Altfällen an, für die Wichmann als Täter in Frage komme. So wurden 24 ungeklärte Taten herausgefiltert – Tötungsdelikte und auch Vermisstenfälle. Ergebnis: offen.

Dreiteiler und TV-Doku

Mit dem Fernsehfilm „Das Geheimnis des Totenwaldes“ bringt die ARD die schreckliche Mordserie, die auch 30 Jahre später nicht vollständig aufgeklärt werden konnte, wieder an die Öffentlichkeit. In drei Teilen wird die Geschichte aus Sicht der Angehörigen der Opfer erzählt.

Die Serie wird am 2., 5. und 9. Dezember um 20:15 Uhr ausgestrahlt und ist bereits jetzt schon in der ARD–Mediathek und auf Youtube (siehe Clip oben mit dem 1. Teil) abrufbar.

„Eiskalte Spur“ – Die Dokumentation zum Event-Dreiteiler erzählt die wahre Geschichte, die Grundlage der Fernsehfilm-Trilogie ist. Es ist die Geschichte von einem Polizisten, der nie aufgab und nach 28 Jahren ein Rätsel löst, an dem vor ihm schon viele gescheitert waren. Mit exklusivem Material zeigt diese Dokumentation eindrucksvoll, wie seine mühevolle Ermittlungsarbeit zu einem der brutalsten Serienmörder Deutschlands führte. Zu dem Mann, der auch hinter den rätselhaften Göhrde-Morden steht, die nicht nur Norddeutschland erschütterten. Das NDR-Team durfte drei Jahre lang Wolfgang Sielaff und seine Mitstreiter, aber auch Ermittler und Angehörige der Opfer exklusiv begleiten und war bei allen entscheidenden Momenten mit der Kamera dabei.

Zu sehen ab 9. Dezember, 21.45 Uhr im Ersten. Als dreiteilige, ausführliche Lang-Fassung bereits in der ARD-Mediathek zu finden. (AB/PV)