Dennis Aogo zieht sich bei Sky zurück: Neue Empörung nach der Empörung

Dennis Aogo zieht sich zurück: Neue Empörung nach der Empörung
Dennis Aogo zieht sich zurück: Neue Empörung nach der Empörung

© IMAGO / MIS

07.05.2021 11:55 Uhr

Dennis Aogo ist vorerst als Sky-Experte nicht mehr zu sehen. Grund ist nicht Jens Lehmann, sondern eine verbale Entgleisung vor laufender Kamera.

Der 34-jährige ehemalige deutsche Ex-Bundesliga-Profi analysierte bei Sky am Dienstag das Champions-League-Halbfinale zwischen Manchester City und Paris Saint-Germain. Über die Leistung der Briten urteilte er: „Es ist einfach unglaublich schwer, sie zu verteidigen. Weil, davon gehe ich aus, sie das trainieren bis zum Vergasen.“

Nachdem der Spruch auf Twitter thematisiert wurde, stand Aogo selbst in einem Shitstorm, es folgte flugs eine Entschuldigung via „Bild“-Zeitung. Aogo: „Dieses Wort darf man selbstverständlich in überhaupt keinem Zusammenhang verwenden. Das war ein großer Fehler, ich kann mich dafür nur aufrichtig entschuldigen.“

Sky nimmt Dennis Aogo aus der Schusslinie

Sky nimmt den jungen Experten, Sohn eines nigerianischen Vaters und einer deutschen Mutter, zunächst mal aus der Schusslinie, erklärte am Donnerstag: „Dennis Aogo hat sich entschieden, seine Expertentätigkeit bei Sky vorerst ruhen zu lassen. Dies halten wir für richtig“.

Was hat es mit dem Wirbel um das Wort Vergasung“ auf sich?

Die umgangssprachliche Redewendung „bis zur Vergasung“ sollte in der Regel ausdrücken, dass man „einer Sache so überdrüssig ist, daß man sich lieber durch Giftgas töten ließe“, heißt es bei Wikipedia.

„Verbrannte Wörter“

In seinem Nachschlagewerk „Verbrannte Wörter. Wo wir noch reden wie die Nazis – und wo nicht“ erklärte der Berliner Journalist Matthias Heine über den Hintergrund, dass sich bis in die Dreißigerjahre ausschließlich im Zusammenhang mit chemischen Prozessen nachweisen ließe. Sie stamme ursprünglich aus dem Chemieunterricht, bezog sich auf den Übergang von einem flüssigen in einen gasförmigen Aggregatzustand.

Im Ersten Weltkrieg stand das Wort im Ersten Weltkrieg für einen Angriff mit Giftgas. In der Soldatensprache ausgedrückt blieb man also „bis zur Vergasung“ auf seinem Posten.

Man solle „die Redensart wegen des für viele Menschen schockierenden Tons nur vorsichtig nutzen“. Mehr noch: In geschriebenen Texten oder Reden sei sie „fast immer fehl am Platz“.

Auseinandersetzung mit Jens Lehmann

„Das andere ist nun mal, dass es unabhängig von der Tatsache, dass diese Redensart lange, bevor die ersten Gaskammern gebaut wurden, existiert hat, bei sehr vielen Leuten diese unangenehmen Assoziationen weckt“, so Heine im März 2019 einem Interview mit „Deutschlandfunk Kultur“. „Und wenn Sie dann nicht im jeden Gespräch erst mal erklären wollen, das ist doch gar nicht aus dieser Zeit, dann sollten Sie es vielleicht einfach weglassen.

Zuvor hatte Dennis Aogo in einem anderen Zusammenhang im Mittelpunkt der Berichterstattung gestanden. Ex-Torwart Jens Lehmann hatte versehentlich eine WhatsApp an Logo gerichtet, die wohl für einen Sky-Mitarbeiter gedacht war: „Ist Dennis eigentlich euer Quotenschwarzer?“ Aogo hatte dies öffentlich gemacht.

Lehmann entschuldigte sich schnell bei Aogo und der Öffentlichkeit, wurde jedoch eilends aus dem Hertha-Aufsichtsrat geschmissen. Auch Sky und Sport1 wollen mit dem 51-Jährigen nichts mehr zu tun haben. Sein Heimatverein erteilte ihm Hausverbot. Der Vereinsvorsitzende Peter Küpperfahrenberg zog das allerdings heute wieder zurück. (PV)