30.10.2020 12:55 Uhr

Der Sky-Schocker „Hausen“ und andere böse Gemäuer

Spuk im Plattenbau: Die Sky-Serie «Hausen» führt in eine Welt der Finsternis. Regisseur Thomas Stuber («In den Gängen») schickt Charly Hübner als Hausmeister an Deutschlands schlimmsten Arbeitsplatz.

Reiner Bajo/LagoFilm/Sky/dpa

Es lebt. Es wabert. Es speit schwarzen Schleim aus Heizungen. Wenn keiner hinguckt, erwacht das Hochhaus. Böse und zu allen miesen Tricks fähig, um Menschen ins Verderben zu stürzen.

Es löscht Anrufbeantworter. Zaubert Rauschgift in die Hände von Junkies. Und es hat es offenbar ganz gezielt auf ein kleines Baby abgesehen. Mit „Hausen“ hat der Streaminganbieter Sky jetzt eine glänzende Horrorserie an den Start gebracht. Regisseur Thomas Stuber („In den Gängen“) schickt „Polizeiruf 110“-Star Charly Hübner als neuberufenen Hausmeister Jaschek an Deutschlands schlimmsten Arbeitsplatz.

Wenig Worte

Sehr viel gesprochen wird in „Hausen“ nicht. Es sind vor allem die langen Kamerafahrten durch die verschmierten und verrußten Schächte, die schmutzigen und kahlen Flure und immer entlang der im dunklen Nichts zu enden scheinenden Hochhausfassade, die die Atmosphäre des Grauens nach und nach verdichten wie ein aufziehendes Gewitter.

Der wortkarge Witwer Jaschek ist wahrlich nicht zu beneiden. Seine Nachbarn (und Kunden) sind Randexistenzen, Drogenabhängige oder Rechtsextremisten. Apathische Leute, die im Zimmer Feuer machen, wenn schon die Heizung nicht funktioniert. Hausmeister Jaschek kämpft in den Eingeweiden des Gebäudes zunächst mit seinem Werkzeugkasten gegen Kälte und Chaos an, bis er mehr und mehr in den Einfluss des Dämonischen gerät. Sein 16-jähriger Sohn Juri (Tristan Göbel) kämpft gegen den Hausmoloch an, der sich vom Leid der Bewohner ernährt.

Größte Herausforderung

„Mit Hausen eine Genre-Serie zu erschaffen, war für mich die bisher größte und auch faszinierendste Herausforderung als Regisseur“, sagte Stuber im Sky-Interview. „Wir haben in dieses Haus eine ganz eigene Welt gebaut, lassen darin Abgründe und Horror, Sehnsucht, Liebe und Schmerz lebendig werden.“ Gedreht wurde in einem leerstehenden staatlichen Krankenhaus aus DDR-Zeiten am Rande Berlins.

Wer nach diesem düsteren Achtteiler zu Halloween noch mehr Haunted-House-Storys sehen will, findet im Streamingangebot so manches. Sehr sehenswert ist etwa der Horrorfilm „Bis das Blut gefriert“ von 1963 (unter anderem Maxdome, iTunes, Google Play). Ein Parapsychologe will gemeinsam mit drei anderen Menschen den verlassenen Landsitz „Hill House“ untersuchen. Eleanor (Julie Harris) zeigt sich besonders empfänglich für die telepathische Macht des riesigen Gebäudes in Neuengland. Ein Genreklassiker in Schwarz-Weiß.

Wer es noch psychedelischer mag: Julie Christie spielte 1977 die Hauptrolle im Hollywood-Schocker „Des Teufels Saat“ (Amazon): ein computergesteuertes Haus wird zum Killer-Monster und will mit einer Frau ein Kind zeugen. Im Spukhaus-Reigen nicht fehlen darf auch die Stephen-King-Verfilmung „Shining“ (1980, Amazon, Sky, iTunes, Google Play) mit Jack Nicholson als axtschwingender, irrer Hausmeister.

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