„Die Deutschen und der Guru“ – Doku über Bhagwan

Moritz Boerner (M) mit Bhagwan (r) in einer Szene aus «Bhagwan - Die Deutschen und der Guru».
Moritz Boerner (M) mit Bhagwan (r) in einer Szene aus «Bhagwan - Die Deutschen und der Guru».

Moritz Boerner/WDR /dpa

12.02.2021 14:49 Uhr

Extatische Meditation, freie Liebe, Selbstfindung: Die deutsche Sannyas-Bewegung war inspiriert von ihrem indischen Guru Osho. Doch der hatte auch eine dunkle Seite.

In den 1980er Jahren entstand in Deutschland die spirituelle Bhagwan-Bewegung, die sich bundesweit nach und nach ausbreitete. Es entstanden Aschrams, Innenstadt-Discotheken für junge Leute und Agenturen. Die sogenannten Sannyasins verehrten damals ihren indischen Guru Osho und machten dessen Selbstfindungslehre in den heimatlichen Gefilden salonfähig.

Nach anfänglicher Euphorie brach die Bewegung jedoch in sich zusammen. Vom diesem Aufstieg und Niedergang der Sannyasins erzählt eine Dokumentation des Regisseurs Jobst Knigge, der auf die üblichen Off-Kommentare völlig verzichtet. Der Film, am Montag um 23.20 Uhr im Ersten zu sehen, konzentriert sich ganz auf die ersten Deutschen, die damals die Bewegung starteten, zunächst aber nach Indien flogen, um ihrem Guru Osho ganz nahe zu sein.

Dass ihre Erfahrungen im Meditationszentrum auf sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, wird in den Interviews schnell deutlich. Trotz einer gewissen Enttäuschung zum Schluss erinnern sie sich gern an diese Erlebnisse. Manche sprechen sogar von der besten Zeit ihres Lebens. Die vielen authentischen Archivaufnahmen, mit denen die Interviews unterlegt sind, bestätigen diese Empfindungen. Auf nahezu allen Bildern blickt man in fröhliche, zufriedene Gesichter.

Aber warum faszinierte sie dieser Lebensstil? Was hat sie so angezogen? Die Dokumentation macht deutlich, dass es sich um Menschen handelte, die sowohl die Generation der „Nazi-Eltern“ als auch die 68er-Bewegung erlebt hatten. Von beiden Seiten fühlten sie sich abgestoßen. Der dauernde politische Kampf bot ihnen keinen Ausweg – Guru Osho hingegen schon. Er versprach eine Reise nach innen. „Wenn ihr euch selbst ändert, ändert sich auch die Welt“, lautete das Mantra.

Später verlagerte sich die Szene auf das US-amerikanische Oregon, wo der Meister plötzlich selbst Interesse an materiellen Dingen zeigte. Seine Sammlung kitschig-glitzernder Rolls Royce irritierte genauso wie die steigende Präsenz bewaffneter Securityleute. Jobst Knigge inszeniert diese Entwicklung mit viel Spannung, indem er schon früh ahnen lässt, dass der Guru auch eine dunkle Seite hatte. Leider hält sich der Regisseur bei der Auflösung etwas zu kurz. Ansonsten ist sein Film hervorragende Fernsehunterhaltung.

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