Die pure Lust am Leben – „Tanze Tango mit mir“

Maresa (Kara Wenham, m.) überprüft die Tangohaltung bei Frank (Michael A. Grimm) und Julia (Amanda da Gloria).
Maresa (Kara Wenham, m.) überprüft die Tangohaltung bei Frank (Michael A. Grimm) und Julia (Amanda da Gloria).

Hendrik Heiden/BR/die film gmbh/dpa

09.03.2021 13:40 Uhr

Ein Mann um die 50 soll sich eigentlich unbedingt schonen, denn er hat einen Herzinfarkt erlitten. Doch daraus wird nichts, denn er findet zunehmend Gefallen am Tangotanz. Eine Komödie im Ersten.

Plötzlich plumpst sein Kopf auf den Tisch – Frank (Michael A. Grimm) hat einen Herzinfarkt. Zum Glück überlebt er. Doch er soll künftig starke körperliche Anstrengungen meiden. Von denen hält der etwas übergewichtige Mann bislang ohnehin nicht viel. In dem Münchner Theater, in dem er als Pförtner arbeitet, probt gerade eine Tangogruppe. Davon immer mehr angetan, probiert Frank erste Schritte in seiner kleinen Pförtnerloge und entwickelt eine nie geahnte Faszination für diese besondere Tanzkunst. Was dann passiert, erzählt die Komödie „Tanze Tango mit mir“ an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten.

Vor seiner Frau Kathrin (Eva Meckbach) verheimlicht Frank seine Unterrichtsstunden bei der Tangolehrerin Maresa (Kara Wenham). Doch dann bekommt Kathrin alles heraus und schmeißt ihn hochkant raus. Er muss ausgerechnet bei Schwiegermutter Ingrid einziehen, gespielt von Gaby Dohm. Die 77-Jährige („Das Kindermädchen – Mission Kanada“) ist einfach fabelhaft, weil sie hier keine vermögende ältere Dame spielt, sondern einen ständig meckernden und unfreundlichen Drachen.

Die Witwe wird regelmäßig zum Schwimmen gefahren, doch so etwas wie Dankbarkeit oder gar Respekt kennt sie nicht. „Ihr ist vielleicht gar nicht bewusst, dass sie so eine Nörglerin ist“, sagt Dohm über ihre Rolle. „Sie ist eine Frau mit einem unerfüllten Leben, die es nicht gewagt hat, ihren Wunsch, Friseurin zu werden, durchzusetzen. Dadurch hat sie – leider Gottes – in ihrem restlichen Leben nie den Absprung geschafft, ihre Träume zu leben“, so Dohm weiter. „Sie konnte ihrem Mann nichts entgegensetzen, der ihre Selbstverwirklichung nicht ermöglicht oder sogar eher verhindert hat – dadurch ist sie missmutig geworden, hat nun einen Zorn auf alle Männer und ist verbittert. Ein Beispiel, dass man kämpfen muss für seine Träume.“

Michael Alexander Grimm (50, „Herren“, „Oktoberfest 1900“) als zu kurz gekommener Mann versucht genau das. Er ist wirklich umwerfend in seiner Hauptrolle, denn er gibt diesen an sich verschlossenen Mann in seiner Lebenskrise mit großer Spielfreude. Frank wähnt sich von allen belächelt und übergangen – Ingrid wundert sich lautstark, wie der ihrer Ansicht nach nichtsnutzige Schwiegersohn vom Rumsitzen einen Herzinfarkt bekommen könne. Er fühlt sich unterfordert, vernachlässigt zusehends Frau und Tochter. Dabei will er nur, dass es in seinem kleinbürgerlichen Leben nicht einfach nur weiter, sondern endlich auch mal bergauf gehen möge.

Regisseur Filippos Tsitos (55, „Tatort – Unsterblich schön“) hat einen bodenständigen Film gedreht, der nicht nur Lust aufs Tanzen macht, sondern die pure Lebensfreude zeigt. Der Tango als Beispiel für Empathie und Leidenschaft umrahmt hier mit mitreißenden Musik- und Tanzszenen eine glaubhafte Handlung, die das Ausbrechen aus einer beengten Wohnung und einem dahinplätschernden Leben tatsächlich möglich zu machen scheint. Das ist gerade in diesen merkwürdigen Zeiten wahrer Balsam für die Seele.