Samstag, 9. November 2019 13:16 Uhr

Domian enttäuscht mit seinem TV-Comeback: Wie einst bei „Bärbel Schäfer“

WDR/Domian live

Viele Tausend Menschen haben Jürgen Domian bis 2016 mehr oder weniger im Schutz der Anonymität ihr Herz ausgeschüttet. Jetzt setzen sich seine Gäste vor eine TV-Kamera. Deftig zur Sache geht es dennoch.

Schwere Schicksale und ungewöhnlicher Sex – die Themen waren fast wie früher: Mit einer neuen Talkshow ist Moderator Jürgen Domian am Freitagabend ins WDR-Fernsehen zurückgekehrt. Er empfinde „große Freude“, sagte der 61-Jährige zu Beginn der Sendung. Zwar erschien er anfangs sichtbar nervös, fand in den Gesprächen mit seinen vier Gästen aber schnell zu seiner gewohnten Rolle als ruhiger Zuhörer und behutsam Nachfragender zurück.

Schräge Themen wie immer

Mit seinem ersten Gast Christian sprach er über dessen seltene Erbkrankheit „Bei mir wachsen im Körper gutartige Tumore“), die 49-jährige Francis berichtete von ihrer Zeit bei den Zeugen Jehovas „Ich bin auch vergewaltigt worden.“ Domian: „Wie oft?“ Francis: „Das kann ich gar nicht mehr so sagen.“

Domian enttäuscht mit seinem TV-Comeback: Wie einst bei "Bärbel Schäfer"

Foto: WDR/Klaus Görgen

Und die 73-jährige Regina von ihrer Flucht aus der DDR 1966: „Mein Mann hat mich im Tank versteckt.“ Ex-Straßenbahnfahrerin Marikka (mit 66 Jahren nicht die Jüngste) erzählte kichernd: „Ich habe mich also schockverliebt in einen Mann (und) dieser Mann hat mich ausgepeitscht und es war wunderschön.“ Außerdem habe sie sich für die Sendung beworben, weil sie Domian habe sehen wollen. Dieser kannte die Gäste und ihre Themen vorher nicht. Die Themen klangen wie aus den Nachmittags-Talk-Sendungen der 90er Jahre.

„Domian live“ erreichte zum Debüt bundesweit 500.000 Zuschauer und 4,0 Prozent Marktanteil – für eine Sendung um 23.30 Uhr im Regionalfernsehen ist das ein sehr guter Wert. In Nordrhein-Westfalen als Kern-Sendegebiet des Westdeutschen Rundfunks lag der Marktanteil bei 9,5 Prozent, 263.000 schauten allein dort zu.

Zuschauermeinungen gespalten

Der Journalist hatte 21 Jahre lang – bis Ende 2016 – eine Telefontalk-Sendung moderiert, die nachts im WDR-Fernsehen und bei Radio 1Live lief. Tausende Anrufer schütteten ihm ihr Herz aus und erzählten von ihren Sorgen und Problemen.

Anders als damals konnte Domian seine Gesprächspartner jetzt nicht nur hören, sondern auch sehen. Das hatte er vor dem Start der Sendung als großen Zugewinn bezeichnet. Die Zuschauer sahen das durchaus anders. Die Reaktionen bei Twitter:

– 10 Minuten pro Gast maximal. Wenn man schnell spricht kann man seine ganze Lebensgeschichte, inclusive Sexstellungen, in der Zeit die das Licht zur Erde benötigt, locker erzählen (Guardian)
– Bin ich die einzige, die #Domian im TV an Hans Meister und Bärbel Schäfer erinnert? Jetzt kommen doch Menschen, die ihren Auftritt im TV gezielt instrumentalisieren und teilweise gar nicht abschätzen können, was das für sie im realen Leben für Folgen hat. (Winterzeit)

– Geht sofort mit einer Krankheitsstory los. Das #Domian-Feeling ist wieder da. (Luka.)
– Wenn dir jemand erzählt, dass er vergewaltigt wurde, ist natürlich die erste Frage, die einem einfällt „Wie oft?“#Domian hat in den letzten Jahren nix verlernt. (Jennox)
– #Domian ist nur am Telefon Domian. Das Format wird es schwer haben sich durchzusetzen. (Florian Reis)
– Ohne die Anonymität des Anrufers und der Anwesenheit des Publikums geht halt schon diese intime Atmosphäre aus alten Zeiten verloren. (Fake Marcel Reif)
– Die ganzen Jahre haben wir uns gewünscht, die Gesprächspartner von #Domian sehen zu können. Wir lagen so falsch. (Gustl)
– Och Mensch, jetzt habe ich das Comeback von #Domian verpasst. Der Duft von Selbstbeweihräucherung ist mir also erspart geblieben. (Puro Junkie)

Weitere Ausgaben von „Domian live“ sind für die folgenden drei November-Freitage (jeweils 23.30 Uhr) geplant. (dpa/KT)

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