10.03.2020 12:58 Uhr

Fake-Filme: Klaas Heufer-Umlauf bittet (halbherzig) um Entschuldigung

© ProSieben/Andreas Franke

Entertainer Klaas Heufer-Umlauf hat auf Fake-Vorwürfe reagiert und für Fehler um Entschuldigung gebeten. In seiner ProSieben-Show „Late Night Berlin“ ging der 36-Jährige am Montagabend konkret auf nur einen Clip über einen angeblich ertappten Berliner Fahrraddieb ein.

„In dem Fall haben wir [es] deutlich so anders dargestellt, dass man es auch nicht mit so einem einfachen „Ist ja nur Unterhaltung“ wegwischen kann“, sagte er. „Ich kann auch jeden verstehen, der davon enttäuscht wurde. Dafür möchte ich mich ernst gemeint und ohne jede Ironie entschuldigen. Das war ohne Wenn und Aber ein Fehler und wird so auch nicht mehr vorkommen.“

Fake-Filme: Klaas Heufer-Umlauf bittet (halbherzig) um Entschuldigung

© ProSieben

Das Reportageformat „STRG_F“ des öffentlich-rechtlichen Jugendangebots funk hatte Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt vorgeworfen, in ihren Einspielfilmen Schauspieler einzusetzen. Mehrmals sei da der Einsatz gecasteter Laiendarsteller nachzuweisen. Auch von Augenzeugen am Set. Darstellungen von Ereignissen seien grob verkürzt oder offensichtlich gescriptet, also ausgedacht und vorgeschrieben.

„Teil einer Inszenierung“

Heufer-Umlauf betonte mehrmals, es gehe in seinen Formaten nicht um klassischen Journalismus, sondern um Unterhaltung. „Vieles, was in Fernsehstudios passiert und vieles, was in dieser [funk-]Reportage aufgezählt wurde, ist völlig zu Recht Teil einer Inszenierung namens Entertainment, die das Ziel verfolgt, Witze möglichst gut zu erzählen, Sie zu unterhalten und abzulenken und das ist auch genau gut so. Trotzdem – und das will ich hier klar und deutlich sagen – sind wir in einzelnen Fällen über dieses Ziel hinausgeschossen.“

So sei es beim Fahrraddieb gewesen: „Alles hat so schön geklappt, war so gut vorbereitet. Nur eines konnten wir wirklich nicht ahnen: Dass ausgerechnet in dieser Nacht in Berlin keiner kommt, um ein Fahrrad zu klauen. Und unserer ist dann dummerweise nochmal zurückgelaufen, weil er vergessen hatte, sich seine Gage abzuholen. Dumm.“ Nun, zweifelsfrei hatte Heufer-Umlauf in dem Beitrag eben NICHT durchblicken lassen, dass es sich um eine Inszenierung handelt. Warum verpackt er die Entschuldigung jetzt so halbherzig?

Was ist mit älteren Fernseh-Beiträgen?

Zu den ebenfalls beanstandeten Fake-Videos mit Sophia Thomalla, Edin Hasanovic und einem inszenierten Dating äußerte sich Heufer-Umlauf interessanterweise nicht. Da schwingt wohl die Hoffnung mit, den Skandal kleinzureden und vor allem schnell vergessen zu machen. Insofern ist auch interessant, ob es am 24. Februar bei dem aufwändig inszenierten Beitrag über Abzocker-Schlüsseldienst mit rechten Dingen zuging.

Überhaupt könnte man jede Menge Beiträge aus der Zeit von ‚Circus Halligalli‘ auf den Prüfstand stellen, wie z.B. die Rubrik „Die Good Night Show“, bei der nachts Studenten-WGs für lärmenden Challenges aufgesucht werden. Fake oder nicht?  Oder viele Beiträge aus ‚Das Duell um die Welt‘, bei denen die teils abenteuerlichen Umsetzungen mit dem Wissen von Heute in einem ganz anderen Licht erscheint…

Das Genre Mockumentary

Die ganze Vorgehensweise ist ja keine Erfindung von Joko und Klaas. Scripted Reality gibt es schon länger, ebenso das Genre „Mockumentary“, wo erfundene Geschichten in scheinbar dokumentarisch inszenierten größerem Rahmen verpackt werden. Und auf genau dieses Genre beziehen sich die beiden noch am ehesten, ohne bislang den Zuschauer wissen zu lassen, dass es um Mockumentary gehrt. Das Genre wurde u.a. durch „Borat“ salonfähig gemacht.

Bei der Mockumentary werden gerne auch Interviews mit echten und bekannten Persönlichkeiten eingeflochten, um eine scheinbare Authentizität vorzuspielen. (dpa/KT)