Dienstag, 12. Mai 2020 22:26 Uhr

Finanzkrise: Wie geht’s weiter mit Bachelor, Dschungelcamp & Co.?

Foto: Ingus Kruklitis/Shutterstock

Aus unerfindlichen Gründen haben die Privatsender in den letzten Jahren ihre Reality-Show-Contestanten immer an besonders exotische Postkarten-Stränden vor sich hergetrieben. Jetzt ist angesichts der Coronakrise ein Umdenken angesagt. Die Sender und Produktionsfirmen stehen massiv unter Druck. Sind die Shows noch zu retten? An Reisekosten könnte man ja schon mal massiv sparen. Denn Deutschland hat ja auch schöne Ecken…

Finanzkrise: Wie geht's weiter mit Bachelor, Dschungelcamp & Co.?

Love Island auf der Halbinsel Darß. Foto: Sina Ettmer Photography

Abhängig von Werbegeldern

Promis, und solche die es werden wollen, unter Palmen: Das waren in den letzten Jahren die Kulisse für mehr oder weniger originelle Kuppel-, Trash- und Challenge-Shows im deutschen Privatfernsehen. Doch vor dem Hintergrund einer drohende Finanzkrise wird so manche der bekannten Shows wohl baden gehen.

Der Grund: Der Werbemarkt ist eingebrochen. Das dürfte dem Normalverbraucher im TV am schnellsten hier auffallen: Die sonst so massenhaften Spots von Reiseanbietern oder Airlines sind Fehlanzeige. Und viele Privatsender finanzieren sich nun mal vorrangig aus dem Verkauf von Werbeplätzen. Hinzu kommt die massive Existenz-Bedrohung von Produktionsfirmen in der Corona-Krise, die viele der bekannten Reality-TV-Formate zu verantworten hatten.

Finanzkrise: Wie geht's weiter mit Bachelor, Dschungelcamp & Co.?

Foto: Sina Ettmer Photography

Runder Rettungstisch der TV-Branche

Die TV-Sender bzw. Sendergruppen ARD, ZDF, ProSiebenSat.1 und RTLZwei hatten gestern auf Initiative der Mediengruppe RTL Deutschland zu einem digitalen „Runden Tisch Fernsehen“ für die deutsche TV-Produktionswirtschaft eingeladen. Hintergrund: Schon jetzt hat die Branche laut Erhebungen der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) seit dem Ausbruch der Corona-Krise mehr als 400 Drehabbrüche, Unterbrechungen oder Verschiebungen in Höhe eines Investitionsvolumens von ca. einer halben Milliarde Euro zu verzeichnen. Davon sind insbesondere auch kleine und unabhängige Produzenten sowie die Sender selbst betroffen, die ihre Zuschauer trotz der schwierigen Refinanzierungssituation weiterhin mit hochwertigen und attraktiven Informations- und Unterhaltungsangeboten versorgen wollen.

Warum in die Ferne schweifen?

Doch wie geht’s nun weiter? Platanen statt Palmen? Hochgebirgs-Zeltplatz statt Dschungelcamp? Warum denn nicht?Einige Formate wie „Temptation Island“ oder „Paradise Hotel“ sind vor der Krise aufgezeichnet worden. „Bachelor in Paradise“ soll in diesem Jahr laut Branchendienst DWDL.de nicht produziert werden. „Dies habe aber nichts mit Corona zu tun“, heißt es. „Die Bachelorette“ und auch „Der Bachelor“ sei aber nach wie vor geplant.

„Wir sind bei allen Realityformaten in einer konkreten Planungsphase. Wo und in welcher Form wir sie umsetzen, wird gerade eruiert“, sagte RTL-Unterhaltungschef Markus Küttner gegenüber DWDL.de. „Natürlich muss man da ein wenig offener denken, denn viele Traumstrände und Traumziele am anderen Ende der Welt sind aktuell nicht zu erreichen.“ So lege man jetzt den Fokus eben mehr auf Deutschland und Europa als Kulisse. Man sei „sicher, dass wir trotzdem spannende Reality-Programme produziert bekommen“, so Küttner weiter.

Finanzkrise: Wie geht's weiter mit Bachelor, Dschungelcamp & Co.?

Dschungelcamp in der Sächsischen Schweiz? Foto: Jawinter/Shutterstock

„Das Sommerhaus der Stars“ wolle man deshalb in diesem Jahr in Deutschland produzieren. Kai Sturm, gleichberechtigter Unterhaltungschef des Kölner Senders, fügte hinzu: „Da wären wir eigentlich nicht drauf gekommen. Und es gibt so herrliche Sommerhäuser in Deutschland.“

Dschungelcamp noch unklar

RTLZwei hält laut Sendersprecher Martin Blickfang an der Produktion von „Love Island“ im Spätsommer fest. „Die Vorgaben des Infektionsschutzes werden bereits beim Casting vollständig umgesetzt.“

Und was ist mit „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“, der wohl teuersten, aber eben auch ertragreichsten RTL-Realityshow? Die Show musste estmals mangels Werbegelder 2010 pausieren. Auswirkungen der damaligen Finanzkrise, die im Vergleich zur Corona-Krise geradezu mild war. Küttner bleibt trotzdem tapfer positiv gestimmt, sagte dazu in dem Gespräch: „Niemand kann heute sagen, wie die Situation im Januar 2021 ist. „Also bleiben wir optimistisch und bereiten die 15. Dschungel-Staffel so gut es geht vor.“

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