12.04.2020 17:05 Uhr

Florian Silbereisen: Von der „Brutstätte des Coronavirus“ in die Wüste

ZDF/Dirk Bartling.

Solange es keinen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt, hat sich das Thema Kreuzfahrtreisen definitiv weltweit erledigt. Die US-Behörden verboten am Ostersonntag Kreuzfahrten für weitere 100 Tage. Bis zum 23. Juli dürfen die Megadampfer, in der tausende Passagiere zusammengepfercht sind, keine US-Häfen anlaufen. Auch andere Ländern dürften mit entsprechenden Verboten nachziehen.

Florian Silbereisen: Von der "Brutstätte des Coronavirus" in die Wüste

Ankunft der MS Amadea/ ZDF-Traumschiff in Bremerhaven am 02.04.20. Foto: imago images / foto2press

Insofern dürfte die heutige Oster-Folge von „Das Traumschiff“ eine nostalgische Zeitreise sein, obwohl sie noch gar nicht so lange her ist… Ein in dieser Zeit geplanter Seriendreh für eine neue Folge musste wegen des Coronavirus abgesagt werden. Eigentlich sollte das relativ kleine Kreuzfahrtschiff vor Südamerika kreuzen, fand aber keinen Hafen, den das Schiff anlaufen konnte. So musste der Dampfer zurück nach Deutschland. Soviel zum Hintergrund der Geschichte…

„Traumschiff“-Fans werden aber heute Abend wieder auf ihre Kosten kommen. Denn Kapitän Florian Silbereisen sticht in See und diesmal geht nach Marokko! Marokko, eine Traumdestination? Klar, das nordafrikanische Land hat wunderschöne Strände, eine sagenhafte Wüstenlandschaft und mit Marrakesch den Traum von 1001 Nacht schlechthin.

Florian Silbereisen: Von der "Brutstätte des Coronavirus" in die Wüste

imago images / Andre Lenthe

Alles hat sich verändert

Aber mal ehrlich: Das „Traumschiff“ war – inklusive Liebhold und Doc Sander – gerade erst auf Antigua und in Kolumbien. Marokko, das ging bislang doch auch ganz ohne Luxus-Dampfer von Deutschland aus in ein paar Stunden mit dem Billigflieger – oder pauschal. All inclusive nach Agadir war fast gleichbedeutend mit Mallorca. So nah an Deutschland wie Marokko war kein „Traumschiff“-Ziel mehr seit Ägypten im Jahr 1993 oder Norwegen noch ein Jahr davor.

Doch es hat sich viel getan in den vergangenen Wochen: In atemberaubender Geschwindigkeit sind Kreuzfahrtschiffe in der öffentlichen Wahrnehmung heute eher Brutstätten für das Coronavirus als ein „Traumschiff“ geworden.

Florian Silbereisen: Von der "Brutstätte des Coronavirus" in die Wüste

ZDF/Dirk Bartling.

Silbereisen schwärmt

„Marokko ist ein sehr faszinierendes und vielseitiges Land“, sagt Florian Silbereisen, der in der neuen Episode zum dritten Mal als Kapitän in See sticht. „Man hat dort den Atlantik, genauso aber mit dem Hohen Atlas ein unglaubliches Bergpanorama. Hinzukommen die pulsierenden Städte, allen voran Marrakesch mit seinen Souks und dann noch die Wüste und die spektakulären Sanddünen, in denen wir mit Snowboards gedreht haben. Also für mich war Marokko ein wirklich spektakuläres Traumschiff-Land.“

Eigentlich hätte Silbereisen inzwischen auch in Panama drehen sollen. „Aber dazu kam es auf Grund von Corona nicht mehr“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Viele Kolleginnen und Kollegen waren bereits an Board, aber ich durfte nicht mehr einreisen. Wann und wie wir die Dreharbeiten nachholen können und dürfen, weiß ich noch nicht.“

Florian Silbereisen: Von der "Brutstätte des Coronavirus" in die Wüste

ZDF/Dirk Bartling.

Und so scheint inzwischen auch Marokko, das viele Jahre von Deutschland aus so problemlos erreichbar war wie Paris oder London, mindestens so weit entfernt wie Australien. Sich mit Tausenden von Menschen durch die engen Souks von Marrakech zwängen, Minz-Tee trinken in überfüllten Cafés und Restaurants – in Corona-Zeiten ist das derzeit undenkbar.

Doch das „Traumschiff“ wäre ohnehin nicht das „Traumschiff“, würden die Macher sich um die Orte, an denen es gedreht wird, allzu viele Gedanken machen. Junge Liebe, alternde Menschen, die wieder zusammenfinden, dazu wahlweise ein kleiner Kriminalfall oder eine gescheiterte Intrige (oder beides) und der Kapitän, der den Tag rettet – all das klappt doch seit Jahrzehnten überall auf der Welt von Bali über Südafrika bis nach Hawaii.

Galerie

Darum geht’s

In der neuen Episode ist das junge Liebespaar die afrikanische Prinzessin Lilani (Michaela Saba), deren genaue Herkunft nie genannt wird, wohl um etwaige geopolitsche Unstimmigkeiten im Keim zu ersticken – und der Fitnesstrainer Lennart. Frei nach dem Motto: „Das, was das schwedische Königshaus kann, können wir schon lange.“

Florian Silbereisen: Von der "Brutstätte des Coronavirus" in die Wüste

Hanna Liebhold (Barbara Wussow, r.) ist es gelungen, Kapitän Max Parger (Florian Silbereisen, l.) zu einem „Skiausflug“ in die goldenen Sanddünen zu überreden.

Die Rettungsaktion ist diesmal so undramatisch, wie sie nur sein könnte. Kapitän Max Parger (Florian Silbereisen, der auch in seiner dritten Folge nicht leugnen kann, dass er eigentlich Showmaster ist und kein Schauspieler) hilft Hotelchefin Hanna auf, nachdem sie mit einem Snowboard-ähnlichen Gefährt marokkanische Sanddünen hinuntergefahren und dabei gestürzt ist.

Außerdem gibt es noch eine Kunstexpertin (Anja Antonowicz), die wertvolle Originale mit an Bord nimmt und dann von einem hinterhältigen Kunstfälscher getäuscht wird (der Kriminalfall) und einen fiesen Bord-Fotografen (Jaime Ferkic, der Intrigant), der der Prinzessin auflauert und seinen latenten Rassismus auslebt.

Kitsch und Fernweh

Da versteht selbst der Showmaster-Kapitän keinen Spaß mehr: „Mit rassistischen Randbemerkungen spaßen wir hier an Bord nicht, ist das klar?“ Ein Hauch von Politik im „Traumschiff“-Romantik-Gemenge.

Der Lichtblick in dieser noch zäher als sonst daherkommenden Masse aus Kitsch und Fernweh ist tatsächlich – wie so oft – das alternde Paar. Jutta Speidel und „Bayer auf Rügen“ Wolfgang Fierek spielen das ehemalige Schlager-Duo „Rosi und Roy“ und tatsächlich ein bisschen mit der Erwartungshaltung des alteingesessenen ZDF-Publikums. Erfrischend!

Von Rosi kommt dann auch der mit Abstand beste Satz dieser „Traumschiff“-Folge. Wie denn die Wüste gewesen sei, will der Schiffsarzt von ihr wissen. Und sie antwortet trocken: „Wüst! Und es gibt definitiv zu wenig Kamele!“ (Britta Schultejans/dpa/kt)

Das könnte Euch auch interessieren